Ein Rollkoffer-Umzug gegen die Auswüchse des Tourismus

Rund 200 Personen haben am Samstag (20.5.) in Palma gegen die Folgen des Massentourismus demonstriert

20.05.2017 | 18:19
Ein Rollkoffer-Umzug gegen die Auswüchse des Tourismus
Ein Rollkoffer-Umzug gegen die Auswüchse des Tourismus

Weiße Socken in den Sandalen, Hawaii-Hemd und Strohhut, Rollkoffer im Schlepptau: Auf den ersten Blick sind die Demonstranten nicht von den umstehenden Touristen auf der Plaça Cort in Palma zu unterscheiden. Auf den zweiten Blick dann schon: Die Demonstranten halten Schilder in die Höhe, auf denen illegale Ferienwohnungen angeprangert werden. Trillerpfeifen schrillen durch die Altstadtgassen, in Sprechchören rufen die Mallorquiner "Paella, Paella".
Einige schmieren sich Streifen von Nivea-Creme ins Gesicht, um Sonnencreme zu simulieren. Ein anderer trägt einen Golfschläger über der Schulter - und zwischendrin jede Menge Journalisten, darunter auch Reporter vom deutschen Fernsehen.

Rund 200 Personen ziehen an diesem Samstag (20.5.) durch die Straßen der Innenstadt, um ihren Unmut über die Auswüchse des Massentourismus speziell in der Balearen-Hauptstadt kundzutun. "Wir sind nicht gegen den Tourismus, aber gegen die Folgen des Massentourismus", so Teilnehmer Pere Pereller, der sich von einem Freund ein Hawai-Hemd geliehen hat, um sich passend zu verkleiden. "Viele Mallorquiner finden keine Mietwohnung mehr in der Innenstadt, weil alles an die Urlauber vermietet wird." Wenn man einen Kaffee trinken gehe, fühle man sich fremd in der eigenen Stadt.

Zwischen Plaça d'Espanya und Carrer Sindicat - dort, wo besonders viele Apartments illegal an Urlauber vermietet werden -, wird schließlich ein Manifest verlesen. Die Stadt sei ein Spielball von Urlaubern, Investoren, Immobilien-Agenturen, Bauherren, Vermietern und weiteren Akteuren geworden, die nichts weiter im Sinn hätten, als ihren eigenen Profit zu machen und auf diese Weise Palma in einen Themenpark verwandelten. Bei der Demo mischen sich Ernst und Spaß - offiziell läuft die Aktion als Einweihung eines "carril guiri", einer Fahrbahn für ausländische Touristen.

Zu der Aktion aufgefordert hatte die Initiative „Ciutat per a qui l'habita. No per qui la visita" (in etwa: „eine Stadt für die Bewohner, nicht für die Besucher"), den Aufruf unterstützten zudem auch die Umweltorganisationen Gob und Terraferida. Derzeit läuft eine neue Kampagne der Umweltaktivisten gegen die Tourismus- und Umweltpolitik der Balearen-Regierung. Das regierende Linksbündnis finde keine Antworten auf den unkontrollierten Tourismusboom. Angesichts des Touristenandrangs steuere Mallorca auf ein "noch nie dagewesenes ökologisches Risiko" zu. Statt Alternativen zum Tourismus zu suchen, werde unter dem Deckmantel der Belebung der Nebensaison nur an eine weitere Produktivitätssteigerung gedacht.  

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