Willi Verhuven: "Ich sehe Airbnb nicht als Konkurrenz"

Der Alltours-Chef über Hotels ohne Partyurlauber, Zurückhaltung bei den Buchungen aus Deutschland und die Touristensteuer

25.05.2017 | 02:30
Willi Verhuven vor der Dachterrassen-Sauna im umgebauten Hotel Borneo.
Willi Verhuven: "Ich sehe Airbnb nicht als Konkurrenz"

Mit 26 Allsun-Hotels auf Mallorca stellt der Reiseveranstalter Alltours mittlerweile die größte Hotelkette auf der Insel. Im vergangenen Winter investierte der Reiseveranstalter noch einmal 30 Millionen Euro in Umbauten und Renovierungen. Die Ergebnisse präsentierte Alltours-Chef Willi Verhuven am Freitag (19.5) bei einem Pressegespräch im Hotel Borneo in Cala Millor, in das 4,4 Millionen Euro flossen.

Allein der Umbau der Terrasse habe 2,5 Millionen Euro gekostet. Durch eine Umbaumaßnahme wurden 380 Quadratmeter gewonnen, auf denen man sich jetzt sonnen, eine Bar oder einen Wellness-Bereich samt Sauna und FKK-Ecke mit Meerblick besuchen kann.

Das Borneo gehört damit nun zu den vier sogenannten Erwachsenenhotels der Gruppe auf Mallorca, in denen man sich da­rauf verlassen kann, das dort keine Familien mit Kindern Urlaub machen. Gleich gegenüber in Cala Millor, im Hotel Amàrac, stehen noch 60 von insgesamt 260 Zimmern Familien mit Kindern zur Verfügung. „Über Kontingente steuern wir den Kinder­anteil", sagt Verhuven.

Jedem das Seine. Dies ist das Konzept, mit dem Allsun zielgruppengerecht Urlaub verkaufen will. So gibt es neben den Erwachsenenhotels auf Mallorca vier etwas schickere Boutique-, 15 Aktiv-, acht Strand- und vier Familienhotels. Mit fast 1,7 Millionen Gästen 2016 zählt die Alltours-Gruppe, zu der auch die Allsun Hotels gehören, zu den fünf größten Pauschalreiseanbietern in Deutschland.

Herr Verhuven, wie sieht die Zukunft der Allsun-Hotels auf der Insel aus? Planen Sie den Neubau weiterer Häuser?
Wir wollen expandieren, ja. Das kann durch Zukauf weiterer Hotels geschehen, aber auch durch Neubauten. Um neu zu bauen, bräuchten wir allerdings ein geeignetes Grundstück, und das ist leider nicht so einfach zu finden.
Das Borneo hat am 5. Mai eröffnet, ist in der Vorsaison bereits zu über 90 Prozent ausgebucht. Ja, wir sind sehr zufrieden. Die Weiterentwicklung der Zielgruppenansprache stößt bei den Allsun-Gästen auf große Resonanz. Jeder Gast jeden Alters findet bei Allsun genau das richtige Angebot für seine Urlaubswünsche.

Trifft das auch für die Partyurlauber zu?
Nein, durch einen Mindest­aufenthalt von fünf Tagen haben wir diese Zielgruppen ausgeschlossen. Wir möchten, dass alle unsere Gäste sich wohlfühlen; dazu passen zum Beispiel eine Partygruppe oder ein Herrenkegelverein einfach nicht.

Individualreisen sind immer beliebter. Auch ein Grund, warum der Ferienwohnungsvermittler Airbnb so viel Erfolg hat. Ist Ihr Konzept ein Mittel, um sich gegen Airbnb zu behaupten?
Ich sehe Airbnb nicht als Konkurrenz für die Allsun Hotels. Wir bieten ein komplettes Urlaubskonzept und keine Übernachtungsmöglichkeiten wie Airbnb. Das kann man nicht vergleichen.

Auf der ITB war von einem Rückgang der deutschen Buchungszahlen die Rede. Ist Mallorca zu teuer geworden?
Das trifft nicht für die Allsun Hotels zu. Wir haben die Preise für den Sommer 2017 nur moderat erhöht und verzeichnen einen guten Buchungszuwachs. Allgemein ist bei den deutschen Reiseveranstaltern – und das trifft auch für die Alltours-Flugreisen zu – eine Buchungszurückhaltung spürbar. Grund ist, dass einige Hotels die Preise für den Sommer 2017 gewaltig angezogen haben. Die Allsun-Hotels werden im Sommer 2018 wieder moderat kalkulieren und nicht an der Preisschraube drehen.

Wie nachhaltig ist das Hotel Borneo jetzt?
Durch die Nutzung erneuerbarer Energien der Sonne und Erdwärme ist es ökologisch und wirtschaftlich auf dem neuesten Stand der Energieversorgungstechnik. Über diese Anlagen wird zum Beispiel die Wassertemperatur im Swimmingpool konstant – auch in den Wintermonaten – bei 26 Grad Celsius gehalten. Ich war auch kein Gegner der Umweltsteuer (gemeint ist die Touristensteuer, Anm. d. Red.), solange das Geld sinnvoll eingesetzt wird.

Wie sollte man es einsetzen?
Ein Beispiel: Die Kapazität der Insel ist begrenzt, das merkt man auch an der Zunahme der Mietwagen und den vielen Staus. Das ist weder für die Urlauber noch für die Einwohner schön. Wenn ich in diesen Belangen Einfluss hätte, würde ich die Elektromobilität fördern und den Verbrennungsmotor höher besteuern.

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