Hohe PP-Funktionäre sollen Orgien mit Drogen und Prostituierten gefeiert haben

Eine Zeugin belastet José María Rodríguez und Álvaro Gijón im Korruptionsfall Cursach

20.06.2017 | 13:52
Rodríguez (li.) und sein politischer Ziehsohn Gijón.

Im Fall um den Disco-König Bartolomé Cursach sind am Dienstag (13.6.) weitere Details bekannt geworden, die vor allem für ehemalige hochrangige Politiker der konservativen Volkspartei (PP) unangenehm werden könnten. Laut einem Bericht der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" belastet eine Zeugin zwei der ehemaligen Strippenzieher der konservativen Partei, die Politiker José María Rodríguez und Álvaro Gijón, regelmäßig an von Cursach organisierten Orgien mit Prostituierten und Drogen teilgenommen zu haben. Bei einer dieser Feiern soll eine brasilianische Prostituierte so misshandelt worden sein, dass sie mit einem Milzriss ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Bei den nun öffentlich gewordenen Vorwürfen handelt es sich um die Aussagen einer Zeugin, denen die Richter "große Glaubwürdigkeit" beimessen. Das Gericht hatte am Montag (12.6.) das Ermittlungsgeheimnis dieser Zeugenaussage aufgehoben. Den Aussagen zufolge seien beide Politiker bei Orgien gesehen worden, bei denen Cursach die Prostituierten und die Politiker große Mengen an Kokain spendiert haben sollen. Die Zeugin gab vor dem Untersuchungsrichter genaue Angaben über Beteiligte, Summe der gezahlten Gelder, Menge der konsumierten Drogen und die verschiedenen Orte, an denen die Orgien stattfanden. Dem "Diario de Mallorca" zufolge konnte sie selbst die Chauffeure der Politiker genau beschreiben. Auch Einzelheiten über die vermeintlich "merkwürdigen und gefährlichen Vorlieben" des Politikers Rodríguez wurden anscheinend erläutert.

José María Rodríguez

Rodríguez und Gijón gehören zum Urgestein der PP auf Mallorca. Rodríguez, ehemaliger Chef der Partei in Palma, war in den 90er Jahren stellvertretender Bürgermeister der Balearen-Hauptstadt. Zwischen 2003 und 2007 diente er Balearen-Premier Jaume Matas als Landesinnenminister. Anschließend vertrat er die Balearen im spanischen Senat. 2011 bis 2012 fungierte er als Vertreter der spanischen Zentralregierung auf den Balearen. Sein Fall begann, als Einzelheiten zu mutmaßlichen Straftaten im Korruptionsfall rund um die Ortspolizei bekannt wurden. Im August 2016 erteilte der Ermittlungsrichter des Falls Rodríguez ein Verbot, sich dem Rathaus zu nähern, um die laufenden Untersuchungen nicht zu behindern. Rodríguez bestritt vor Gericht, in den Fall verwickelt zu sein und beteuerte öffentlich, niemals ein Bordell aufgesucht zu haben.

Álvaro Gijón

Gijón, Stadtrat und früherer Tourismusdezernent in Palma, gilt gemeinhin als politischer Ziehsohn des Strippenziehers Rodríguez. Die Justiz ermittelt, ob und inwieweit er sich bei dem Versuch schuldig gemacht haben könnte, systematisch eine der PP gefügige Einheit der Ortspolizei aufzubauen. An den Orgien soll er - den Aussagen der Zeugin zufolge - nur "sporadisch" teilgenommen haben.  /tg

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