Skandal um PP-Politiker auf Mallorca spitzt sich weiter zu

Eltern und Bruder von Álvaro Gijón wegen Verdacht auf Geldwäsche festgenommen. Dem "Vater der Benimmregeln" wird Korruption vorgeworfen

27.06.2017 | 15:51
Álvaro Gijón (links) steht gewaltig unter Druck.

Es wird immer enger für Álvaro Gijón, den ehemaligen stellvertretenden Bürgermeister von Palma de Mallorca und jetzigen PP-Parlamentarier  im Balearen-Parlament. Am Dienstagmorgen (27.6.) sind seine Eltern sowie sein Bruder festgenommen worden. Die drei werden verdächtigt, im Zusammenhang mit einer Auftragsvergabe der Bewirtschaftung der ORA-Parkzonen Geldwäsche von rund einer halben Million Euro betrieben zu haben. An dieser Auftragsvergabe könnte sich auch Gijón bereichert haben.

Medienberichten zufolge durchsuchte die Nationalpolizei mehrere Wohnungen und Büros und nahm Gijóns Eltern und seinen Bruder Teo in Gewahrsam. Sie sollen am Mittwoch (28.6.) dem Haftrichter vorgeführt werden. Die linke Protestpartei Podemos forderte am Dienstag die PP auf, Álvaro Gijóns Immunität aufzuheben, denn der Verdacht gegen ihn festigt sich - gleich sechs Vorwürfe werden gegen den Politiker erhoben: Bestechlichkeit, unzulängliche Nutzung geheimer Informationen, Veruntreuung, unrechtmässige Einflussnahme, Geldwäsche und Behördenbetrug. Tatsächlich hat der zuständige Untersuchungsrichter Gijón ebenfalls für Mittwoch zu einer Anhörung zu sich zitiert.

Palmas Bürgermeister José Hila (PSOE) nannte es am Dienstag "eine Schande", dass Gijón weiterhin sein Amt als Gemeinderat der Inselhauptstadt ausführen darf. Er forderte von der konservativen PP eine Stellungnahme, diese blieb bisher jedoch aus.

Der Fall um die ORA-Parkzone war durch einen Zeugen bekanntgeworden, der angeblich auch der Partido Popular angehören soll. Die Lizenzvergabe für die Bezahlparkplätze sei in der vergangenen Legislaturperiode zugunsten der Firma Roig ausgefallen, die wiederum Geld für die Bevorteilung locker machte: an Álvaro Gijón und seinen Parteikollegen und politischen Ziehvater José María Rodríguez, so der Zeuge. Die Rede ist von insgesamt 1,2 Millionen Euro, Gijón soll zusätzlich noch eine Wohnung geschenkt worden sein. Bisher ist aber weder das Geld auffindbar, noch gibt es genaue Angaben zu der Immobilie. Dennoch geht die Nationalpolizei davon aus, dass der Zeuge glaubhaft ist - nicht zuletzt durch die Unregelmässigkeiten, die nun um die ORA-Zone aufgedeckt wurden.

Álvaro Gijón ist auch über Mallorca hinaus bekannt: Er gilt als Vater der später von einem Gericht einkassierten "Benimmregeln" an der Playa de Palma. Wie auch José María Rodríguez zählt er zudem zu den Beschuldigten im Korruptionsskandal rund um den Diskotheken-König Bartolomé Cursach. Erst vergangene Woche war die Zeugenaussage einer Bordellbetreiberin bekannt geworden, laut der Cursach alle Kosten für die Besuche von Gijón in ihrem Bordell übernahm. Im vergangenen September wurde gegen Gijón im Zusammenhang mit dem Polizeiskandal ermittelt. /ck/somo

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