Sternwarte auf Mallorca preisgünstig abzugeben

Das Observatorium in Costitx drücken 1,7 Millionen Euro Schulden. Nun soll es an einen Investor verkauft werden

02.07.2017 | 01:00
Costitx wartet auf Geldgeber.

Das Observatorium in Costitx hat in der Vergangenheit überwiegend positive Schlagzeilen produziert. Die Sternwarte in den Hügeln nahe des kleinen Ortes bei Inca gilt als führend bei der Entdeckung von Himmelskörpern in Spanien. Doch jetzt ist die renommierte Einrichtung pleite. 1,7 Millionen Euro Schulden haben sich bei verschiedenen Gläubigern wie mehreren Handwerkern oder dem Finanzamt aufgehäuft. Seit Anfang 2016 ist Insolvenzverwalter Otto Cameselle vom Anwaltsbüro Montis Abogados in Palma offiziell der Chef in Costitx. Das Observatorium ist derzeit weiterhin in Betrieb und für das Publikum geöffnet, auch wenn mehrere große Teleskope inzwischen zurückgegeben werden mussten. Die Sternwarte soll nun verkauft werden, zum Preis von 1,8 Millionen Euro. Offen ist derzeit, wer das Rennen machen wird.

Cameselle ließ im Frühjahr eine Zeitungsannonce schalten, um nach Investoren für den Komplex zu suchen. Daraufhin meldete sich mit Amanda Butler eine Maklerin, die ihn nun bei der Suche unterstützt. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Sternwarte überhaupt über Wochen angeboten werden müsste. Das ist doch eine hoch attraktive Einrichtung", wundert sich Cameselle. Nun, ganz so einfach ist es nicht, Amanda Butler ist seit Ende April damit beschäftigt, die Sternwarte anzupreisen. Die in Ägypten geborene Maklerin, die lange Zeit in London lebte. wohnt seit 15 Jahren auf Mallorca.

„Ich habe meine Kontakte rund um die Welt angeschrieben und gefragt, ob nicht Interesse bestehe", sagt sie. Interesse, aus dem Observatorium vielleicht einen Treffpunkt von Wissenschaftlern mit internationalem Anstrich zu machen oder auch eine Sternwarte mit Übernachtungsmöglichkeiten.

Zwei potenzielle Interessenten

Und Butler kann nach eigenen Angaben erste Erfolge vermelden: Zwei Interessenten hätten sich bereits bei ihr gemeldet. Einer sei ein Privatmann, ein Astronomie-Fan, der aus rein altruistischen Gründen die Schulden aufkaufen und das Observatorium der Bevölkerung zur Sternbeobachtung zur Verfügung stellen würde. „Mit diesem Interessenten sind die Verhandlungen allerdings bisher recht unkonkret", verrät die Maklerin.

Vielversprechender sieht es da bei einem zweiten Investor aus. Butler darf noch keine Details preisgeben, sagt aber, dass dahinter eine Privatuniversität steckt. Aus welchem Land die Uni kommt, ist noch geheim. Auf jeden Fall könnte man sich an der Hochschule offenbar vorstellen, das Observatorium zu übernehmen und es den Studenten der Uni für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. „Im Idealfall würden dann auch Unterkünfte eingerichtet, in denen die Studenten und die Dozenten übernachten können", sagt Butler.

Eine Machbarkeitsstudie müsse vorher genauere Erkenntnisse über die Möglichkeiten der künftigen Verwendung liefern. Es könne durchaus sein, dass die Option der Übernachtungsmöglichkeit von der Regierung ausgeschlossen oder zumindest nur unter Auflagen gestattet werde, befürchtet Butler. Das Gebiet, auf dem das Observatorium liegt, darf laut Nutzungsplan ausschließlich für astronomische Zwecke verwendet werden. „Aber es ist die einzige Chance, dieses Observatorium zu retten."

Außerdem müsse das Observatorium stärker auf die ­Urlauber-Interessen zugehen, findet Butler, die selbst Interesse an der Astronomie hat. „Jahrelang hat die Einrichtung keine Werbung für sich gemacht. Erst war es nicht nötig, aber dann kam die Krise", sagt Butler. Die Subventionen der Landesregierung wurden stark zurückgefahren und bleiben seit Jahren ganz aus, schnell fehlte das Geld an allen Ecken und Enden.

Trotzdem: Ihr Einsatz ist nicht ganz selbstlos, denn sollte es zum Abschluss mit einem der Interessenten kommen, wird Butler ebenfalls ein gutes Stück reicher. „Die Schulden belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro, zum Verkauf steht das Objekt für 1,8 Millionen Euro", wiederholt sie. Eine kleine Aufwandsentschädigung müsse sie dafür schon berechnen.

Schlammschlacht über die Gründe der Insolvenz

Der Streit darüber, wie es überhaupt zu dem Schuldenberg gekommen ist, ist indes Inhalt einer Schlammschlacht zwischen den bislang an der Sternwarte beteiligten Parteien. Der Leiter der Einrichtung, Salvador Sánchez, beschuldigte zwei seiner früheren Partner, Lluc Mas und Antoni Mir, Subventionen der Landesregierung zu Unrecht erhalten und eingesteckt zu haben. Lluc Mas wiederum behauptet, er könne anhand von Dokumenten beweisen, dass die Anschuldigungen Lügen seien und dass Sánchez keinerlei wissenschaftliches Interesse an der Sternwarte habe. Er selbst sei lediglich ein „Verwalter von Subventionen", wie Mas dem „Diario de Mallorca" sagte. Sánchez beschuldigt er, die Sternwarte wirtschaftlich an die Wand gefahren zu haben.

Amanda Butler indes hat sich in Abstimmung mit Insolvenzverwalter Cameselle Zeit bis Anfang September gegeben, um den Deal abzuwickeln. „Haben wir bis dahin keinen Käufer, müssen wir uns Alternativen überlegen", sagt der Anwalt.

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