Hafenausbau in Palma de Mallorca: Schlacke für die Kreuzfahrturlauber

Für eine breitere Mole werden Verbrennungsrückstände aus Son Reus ins Meer geschüttet

15.07.2017 | 17:05
Die Fläche an der Muelle Peraires soll auf das Vierfache vergrößert werden.

Mehr Platz für Kreuzfahrttouristen auf Mallorca: Die balearische Hafenbehörde Autoritat Portuària lässt in den kommenden Jahren die Anlegeplätze für Schiffe mit mehr als 290 Metern Länge - wie etwa die neue „Aida Perla", die „Norwegian Epic" oder die „Harmony of the Seas" - im Hafen von Palma deutlich vergrößern. Die Mole Moll de Ponent soll etwa auf das Vierfache der derzeitigen Fläche vergrößert werden - von 2.400 auf dann 10.000 Quadratmeter. Der Haken an der Sache: Bei den Bauarbeiten dazu kommt unter anderem sogenannte Verbrennungsschlacke aus der Müllverbrennungsanlage Son Reus zum Einsatz.

Das hat für einen Aufschrei unter Umweltschützern gesorgt. Den Anfang machte die Meeresschutz-Initiative Mallorca Blue. Eines ihrer Mitglieder fand Anfang Juni verbrannte Plastikrückstände am Strand von Can Pere Antoni. Bei Mallorca Blue war man sich sicher, dass der Müll von den Ausbauarbeiten am Hafen herrühren musste. Schnell war die Rede von toxischen Rückständen im Plastik, die krebserregend sein könnten. Ein Video und Fotos gingen durch die Netzwerke.

Umweltdezernentin stoppt Mülllieferung

 

Wenige Tage später stoppte die Umweltdezernentin im Inselrat, Sandra Espeja, die Lieferung der Schlacke von Son Reus. Marga Ramis, Sprecherin der Umweltschutzorganisation Gob, hielt diese Anweisung des Inselrats für den Beweis, dass etwas faul sein musste.

Offiziell griff Espeja allerdings nicht wegen der Fotos und des Videos ein. „Wir haben uns vor Ort ein Bild gemacht und gesehen, dass keine angekokelten Plastikrückstände verwendet werden", so eine Sprecherin zur MZ. Vielmehr sei die Lieferung gestoppt worden, weil kein Umweltverträglichkeitsgutachten vorgelegen habe.

Das ist laut spanischer Rechtssprechung für derartige Arbeiten in sogenannten inneren Hafengewässern allerdings auch nicht nötig, wie die Umweltschützer vom Gob bestätigen. Sprecherin Marga Ramis: „Das allein ist schon ein Skandal."

Der Inselrat hat in dem Fall also auf eigene Faust gehandelt. Denn: „Es gibt einfach noch zu wenig Erfahrung mit dem Verhalten dieser Schlacke im Wasser", so die Sprecherin von Espeja.

"Nur mineralische Rückstände"

Joan Mateu, zuständig für die Kommunikation bei Tirme, dem Unternehmen, das die Müllverbrennungsanlage betreibt, räumt das ein, sagt aber auch: „Wir verwenden für die Bauarbeiten lediglich die mineralischen Rückstände der Schlacke. Diese werden nach der Verbrennung aufwendig behandelt. Man entfernt metallische Rückstände, und übrig bleiben trockene Steinchen." Winzige Plastik­rückstände könnten ebenso auftauchen. „Aber die sind kaum sichtbar."

Für Thomas Fischer, den Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, klingt das wenig vertrauenerweckend. „Die Schadstoffe aus der Schlacke zu entfernen, ist sehr kostspielig und funktioniert selten zu 100 Prozent. Ich halte es für bedenklich, die Schlacke ins Meer zu kippen." Schließlich habe Wasser die Eigenschaft, schädliche Stoffe zu lösen. Deshalb zähle das Argument nicht, die Verbrennungsschlacke werde längst beim Straßenbau eingesetzt.

Darauf basiert aber die Argumentation von Mateu: So sei etwa das bereits fertiggestellte Stück des zweiten Rings von Palma mit diesen Materialien errichtet ­worden, ebenso wie der Zubringer von Molinar zur Autobahn Ma-19. Seit 1996 fänden mehrfach im Jahr Kontrollen der verschiedenen politischen Institutio­nen statt. Da würden die Reste auf insgesamt 15 verschiedene bedenkliche Stoffe hin kontrolliert. „Und nie waren Giftstoffe enthalten." Außerdem, versichert der Sprecher, werde die Schlacke nicht einfach so ins Meer gekippt, sondern diene als Füllung für große Betonwannen, die nach dem Einfüllen versiegelt würden. „Die ­Schlacke kommt gar nicht direkt mit dem Meer in Kontakt."

Auch ein neues Terminal entsteht

Der Sprecher der Hafenbehörde, Raimond Jaume, hält die Aufregung für übertrieben. Der Stopp der Lieferungen aus Son Reus habe ohnehin nur symbolische Bedeutung. „Wir haben bereits die Schlacke, die wir für den Bau benötigen, zur Verfügung. Die Entscheidung des Inselrats beeinträchtigt uns nicht."

Indes wächst die ­Landefläche für die großen Pötte Schritt für Schritt, was vor allem die Arbeit der sogenannten Handling-Dienste und das Rangieren der Shuttle-Busse, die die Touristen in die Innenstadt von Palma bringen, erleichtern soll.

Wenn alles nach Plan verläuft, sollen die Arbeiten Ende 2019 abgeschlossen sein. 21 Millionen Euro investiert der Hafen hier. Nur ein paar Hundert Meter weiter, am Dic de l'Oest, werden noch einmal zwölf Millionen Euro in das Terminal 6 gesteckt: ein flaches, einstöckiges Gebäude, durch das die Urlauber nach dem Verlassen des Schiffes Mallorca betreten. ­Raimond Jaume legt Wert auf eines: „Wir investieren lediglich in die Verbesserung der Infrastruktur. Wir wollen nicht die Zahl der Kreuzfahrtschiffe erhöhen." Fertig soll Terminal 6 Anfang 2018 sein.

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