Entführung auf Mallorca-Flug: "Landshut" kehrt nach Deutschland zurück

"Bild": Maschine soll in Friedrichshafen ausgestellt werden. Das Drama des "Deutschen Herbstes" hatte im Oktober 1977 in Palma de Mallorca begonnen

27.07.2017 | 10:48
Die "Landshut" im brasilianischen Fortaleza.

Knapp 40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" durch palästinensische Verbündete der Roten Armee Fraktion (RAF) auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt soll das zwischenzeitlich abgewrackte Flugzeug von Brasilien nach Deutschland gebracht und in Friedrichshafen ausgestellt werden. Das berichtet die "Bild" am Donnerstag (27.7.). Das Auwärtige Amt, die Fornier-Stiftung und Bild hätten monatelang an der Rückführung des "berühmtesten Flugzeugs der deutschen Geschichte" gearbeitet, heißt es. Geplant sei, die "Landshut" zu restaurieren und im Luftfahrt-Museum von Friedrichshafen auszustellen.

Informationen der ARD zufolge hatte die Bundesregierung das Flugzeugwrack Ende Juni gekauft.  Der brasilianischen Tageszeitung "Folha de S. Paulo" zahlte die Regierung dafür umgerechnet 20.000 Euro an den dortigen Flughafenbetreiber. Nun solle das Flugzeug so schnell wie möglich nach Deutschland transportiert werden. Schließlich sei am 40. Jahrestag des Geiseldramas, also am 13. Oktober, eine Gedenkveranstaltung geplant.

Die Flugzeugentführung nahm am 13. Oktober 1977 auf dem Flughafen Son Sant Joan in Palma de Mallorca ihren Anfang. Sie gilt als Höhepunkt des sogenannten Deutschen Herbstes. Erst 107 Stunden später wurden die Kidnapper nach einer Odyssee des Schreckens auf dem Rollfeld des Flughafens der somalischen Hauptstadt Mogadischu durch ein Sondereinsatzkommando des Bundesgrenzschutzes überwältigt. Drei der vier Geiselnehmer wurden beim Sturm der GSG 9 getötet.

Archiv: Drama um "Landshut" begann in Palma de Mallorca

Die vier Terroristen hatten sich einige Tage vor der Entführung im Hotel Costa Azul am Paseo Marítimo eingemietet. Weil zwei der Entführer erst kurz vor dem Abflug der Maschine erschienen, hatten die Sicherheitsbeamten offenbar ein Auge zugedrückt und darauf verzichtet, die Taschen der Passagiere zu untersuchen. Somit gelang es den Kidnappern, die Pistole an Bord zu schmuggeln, mit der sie die Passagiere in Schach hielten und mit der später Flugkapitän Jürgen Schumann im Jemen kaltblütig hingerichtet wurde. Die spanischen Behörden bestritten damals diese Version. Die Passagiere seien mit Metalldetektoren abgetastet worden, auch sei das Handgepäck durchsucht worden hieß es.

Dennoch dauerte es nicht lange, bis auf Geheiß der spanischen Regierung neue Sicherheitsmaßnahmen auf den spanischen Flughäfen ergriffen wurden. Wenige Tage nach der Landshut-Entführung wurden in Son Sant Joan erstmals Sicherheitsschleusen installiert.

Die "Landshut" war noch bis 1985 in Diensten der Lufthansa und wurde schließlich verkauft. 2008 nahm sie eine brasilianische Airline außer Dienst. Derzeit steht die ausgemusterte Maschine auf dem brasilianischen Flughafen Fortaleza. Hier soll sie laut "Bild" zunächst demontiert und nach Deutschland gebracht werden.

Mit dem Schicksal der Geiseln der Entführung beschäftigt sich auch eine Dokumentation des SWR, die am 9. Oktober um 23.30 Uhr ausgestrahlt wird. Der Film erzählt nach Senderangaben die weitgehend unbekannte Geschichte der „Landshut"-Insassen 40 Jahre nach ihrer Entführung und Befreiung. "Er zeigt, wie Passagiere und Besatzung durch dieses Ereignis für immer Geisel blieben", heißt es: "Als Protagonisten wirkten die früheren Geiseln Jutta Knauf, Beate Keller und Diana Müll mit, außerdem Gabriele von Lutzau, die als Stewardess auf der „Landshut" war und wegen ihres couragierten Verhaltens als „Engel von Mogadischu" bekannt wurde, sowie Jürgen Vietor, Co-Pilot auf dem entführten Flug." /ff

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