Massive Verspätungen und Ausfälle am Flughafen Mallorca

Ein "wilder Streik" bei Air Berlin und die Proteste in Frankreich wirken sich am Dienstag (12.9.) auf Flüge von und nach Palma de Mallorca aus. Insolvenzverwalter Kebekus warnt vor einem Scheitern der Sanierung der deutschen Airline. Ryanair streicht 28 Mallorca-Flüge

13.09.2017 | 10:40
Viele der ehemals von Air Berlin durchgeführten Mallorca-Flüge übernimmt die Tochtergesellschaft Niki.

Der Dienstag (12.9.) ist kein guter Reisetag auf dem Flughafen Palma de Mallorca. Viele internationale Flüge starten und landen mit teils großer Verspätung oder werden ganz gestrichen. Hintergrund sind Streiks bei Air Berlin in Deutschland sowie Proteste gegen die angekündigte Arbeitsmarktreform in Frankreich.

Zoff bei Air Berlin betrifft Niki und Eurowings

Auch so gut wie alle Niki-Flüge von und nach Deutschland und Österreich hatten am Dienstag (12.9.) auf dem Flughafen Mallorca teils große Verspätungen. Die österreichische Fluglinie ist eine Tochtergesellschaft der insolventen Air Berlin. Etliche derer Piloten sind am Dienstag in eine Art "wilden Streik" getreten, der den Flugbetrieb beeinträchtigt.

Air Berlin rät seinen Passagieren, vor Abfahrt zum Flughafen auf der  Website des Unternehmens die voraussichtliche Abflugzeit zu übeprüfen. Zumindest ein Flug (HG 7623, um 9.10 Uhr nach Düsseldorf) ist annuliert worden. Fast alle anderen Flüge starteten und landeten mit mehreren Stunden Verspätung. A 

Da Air Berlin-Crews aufgrund eines Abkommens auch auf Flügen der Fluggesellschaft Eurowings eingesetzt werden, kommt es auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings zu Verspätungen und Ausfällen. Annulliert wurde zum Beispiel der Flug EW 2597 von Palma (Abflug 12.50 Uhr) nach Stuttgart.

Proteste in Frankreich

Gleichzeitig protestieren die französischen Gewerkschaften gegen die von Präsident Emmanuel Macron angekündigte Arbeitsmarktreform. Der 24-stündige Streik (bis Mittwoch 13.9., 6 Uhr) betrifft auch Flüge zwischen Mallorca und Deutschland und anderen europäischen Ländern, weil diese auf die Kontrolle des Luftraums in Frankreich angewiesen sind.

Ryanair streicht 28 Mallorca-Flüge


Wegen der Streiks in Frankreich hat allein Ryanair 28 Mallorca-Flüge annulliert, davon zwölf von oder nach Düsseldorf-Weeze, Frankfurt-Hahn, Karlsruhe und Berlin. (Stand: Dienstagnachmittag 16.05 Uhr). Informationen zu den stornierten Flügen gibt es auf dieser  Website.

Die Hintergründe

Bei Air Berlin geht es schon seit Monaten drüber und drunter. Nachdem die über das Mallorca-Geschäft bekannt gewordene Airline seit Jahren rote Zahlen schrieb, kündigte das Unternehmen im vergangenen Jahr eine große Umstrukturierung an, die schließlich scheiterte. Im Sommer 2017 kündigte Air Berlin schließlich die Insolvenz an. Seitdem ringen mehrere Unternehmen um die noch solventen Teile der Gruppe - insbesondere um das auf die Tochter Niki übertragene Mallorca-Geschäft.

Deutschen Medienberichten zufolge fürchten viele Piloten bei Air Berlin bei einer Übernahme um ihre Jobs. Die plötzlichen zahlreichen Krankmeldungen, die nun zu den Flugausfällen sorgen, deuten auf einen versteckten Streik hin, um Druck auf die Verhandlungen auszuüben. Offiziell bestätigte niemand einen solchen Streik.

Scharfe Warnungen

Laut einer Pressemitteilung von Air Berlin haben sich rund 200 der insgesamt 1.500 Piloten krankgemeldet, von 750 für Dienstag geplanten Flügen hätten über 100 gestrichen werden müssen. 

"Das, was wir heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer. Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro", ließ sich Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann zitieren. Ein weiterhin "stabiler" Flugbetrieb sei zwingende Voraussetzung, um bei den Verhandlungen mit den Kaufinteressenten "möglichst viele" Arbeitsplätze zu sichern. 

Auch Insolvenzverwalter Frank Kebekus warnte die Piloten: „Die heutigen Ereignisse gefährden das gesamte Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung massiv. Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen."

Bis Freitag dieser Woche läuft die Frist für die Angebote der Investoren. Ziel ist, im Gläubigerausschuss am 21. September zu konkreten Entscheidungen zu kommen.  /ck /tg


 

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