Hinterhergeschnüffelt: Anwohner auf Mallorca decken Rätsel auf

In Son Sardina stank es monatelang zum Himmel. Aber warum? Schnell organisierte sich ein Schnüffler-Team mit gutem Riecher – (fast) so wie in der TV-Serie "CSI"

15.09.2017 | 02:30
„Schluss mit dem Gestank": Mit vereinten Kräften haben die Anwohner auf Mallorca erfolgreich Ursachenforschung betrieben.

Proben nehmen, empirische Daten vergleichen, den Tatort observieren – eine Gruppe von Anwohnern von Son Sardina und Mitarbeiter der Müllverarbeitungsfirma Tirme muten (fast) wie die US-amerikanischen TV-Ermittler von „CSI" an. Denn im Vorort von Palma de Mallorca stank es zwischenzeitlich zum Himmel. Wie lässt sich der Geruch genau beschreiben? („Sauer und stickig.") Zu welcher Zeit tritt er auf? („Vor allem morgens und nachts.") Bei welcher Witterung ist es am schlimmsten? („Bei Hitze und wenig Wind.") Und vor allem: Warum gerade in diesem Sommer? All diesen Fragen stellten sich die Müffel-Detektive.

Rückblick: „Es begann im Mai. Wir bemerkten einen komischen Gestank. Ich lebe in der Nähe der Sóller-Straße, die zur Müllverbrennungsanlage Son Reus führt. Also rief ich die Betreiberfirma Tirme an", berichtet Yolanda Fernández. Sie war die Erste, die Ungereimtheiten witterte. Ihre Nachbarin Carolina Lomas empfand das Gleiche: „Es kam immer im Morgengrauen", sagt sie. Beide Frauen haben kleine Kinder und waren sich einig: „Es könnte ja giftig sein."

Yolanda kontaktierte die Anwohnervereinigung von Son Sardina – und als diese das Problem auf ihrer Facebookseite schilderte, sprossen die Beschwerden anderer Anwohner plötzlich wie Stinkmorcheln aus dem Boden. Einige verglichen den mysteriösen Geruch mit dem von „verbranntem Hähnchen", andere beteuerten, dass er, einmal in die Nase eingedrungen, nicht wieder verschwinde.

Sofort wurden Verdächtige ausgemacht: die Müllcontainer an der Ecke. „Weil die Stadtwerke sie ja nie reinigen." Doch die Spur verwehte im Wind – nicht zuletzt deshalb, weil die Stadtwerke sich auf die Anfragen nie zurückmeldeten. Ebenfalls im
Fadenkreuz der Anwohner: die verschiedenen Installationen von Tirme. Hier stießen sie auf offene Nasen. „Seltsam, sehr seltsam", fanden die Tirme-Mitarbeiter – denn normalerweise kämen solche Gerüche nur in Meeresnähe vor – und schlossen sich dem Ermittler-Team an, schickten sogar ihre „Special Forces" los, Gestank-Experten mit besonders gutem Riecher.

Stück für Stück, Monat für Monat, kamen die vereinten Schnüffler des Rätsels Lösung näher: Der Wind allein ist nicht ausschlaggebend. Orte, an denen der Gestank am schlimmsten ist, sind die Tankstelle von Son Sardina und der neue Kreisverkehr. Und hier verläuft unterirdisch ein großes Kanalisationsrohr quer durch den Ort. Schnell überprüften Techniker die angeschlossenen Sickergruben und siehe da: Sie waren nicht ordnungsgemäß versiegelt. Fall gelöst. Bleibt zu hoffen, dass es keine Nachahmungstäter gibt.

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