Katalonien-Krise: Mallorca ergreift Partei und schickt "Wahlbeobachter"

Am Sonntag (1.10.) will Barcelona gegen den Willen von Madrid das für illegal erklärte Unabhängigkeitsreferendum durchziehen. Die Insel bleibt da alles andere als neutral

30.09.2017 | 15:36
Polizisten führen eine Demonstrantin vom Tagungshotel weg.

Der Katalonien-Konflikt landete am vergangenen Dienstag (26.9.) in Form von Tweety im Balearen-Parlament. Der gelbe Cartoon-Vogel, der auf Spanisch Piolín heißt, zierte bei der Parlamentsdebatte die T-Shirts der Abgeordneten der linken Regionalpartei Més. Es war eine Botschaft zum Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, nicht nur wegen des „Sí" (Ja) in der Sprechblase neben Tweety auf den Shirts. Die Comicfigur ziert auch ein Kreuzfahrtschiff, das die spanische Regierung gechartert hat, um die Polizeiverstärkung nach Katalonien zu bringen. Die Fotos von dem Schiff im Hafen von Barcelona waren in den vergangenen Tagen der Renner in den sozialen Netzwerken.

Während Més-Politiker bei einer ganzen Reihe von Demonstrationen und Solidaritätsakten auf Mallorca keinen Hehl aus ihrer Zustimmung zum Referendum in Katalonien machten und das Thema sogar auf die Tagesordnung von Gemeinderatssitzungen in mehreren Kommunen bringen wollten, bezeichnete der Vorsitzende der oppositionellen Volkspartei (PP) auf den Balearen, Biel Company, die geplante Abstimmung als illegal und antidemokratisch.

Die sozialistische Ministerpäsidentin Francina Armengol forderte eine politische Vermittlungslösung. „Ich bin keine Separatistin", stellte sie nach Anschuldigungen der PP klar und kritisierte die spanische Regierung, den Hass gegen Katalonien zu fördern. Inselratspräsident Miquel Ensenyat (Més) warf Spanien-Premier und PP-Chef Mariano Rajoy vor, den politischen Brand in Katalonien mit Benzin löschen zu wollen.

Bewachter Parteitag

Scharf geschossen hatte die Volkspartei insbesondere auf einem Parteitag der spanischen Landesfürsten am Samstag (23.9.) in Palma, zu der auch Spanien-Premier Rajoy gekommen war. Generalsekretärin María Dolores de Cospedal beschimpfte die balearische Linksregierung unter anderem als „Bande von Radikalen", während draußen die Teilnehmer einer Protestkundgebung nur bis auf 200 Meter zum Tagungshotel vorgelassen wurden. Den rund 200 Demonstranten standen mehr als 30 Nationalpolizisten gegenüber, die die PP-Tagung abschirmten.

Am selben Tag bekundeten mehr als 200 Personen mit Parolen wie „Ihr seid nicht allein" und „Viva España!" vor der Wache der Guardia Civil in Palma ihre Solidarität mit der Polizeieinheit, die in Katalonien dabei helfen soll, das Referendum zu unterbinden und die „öffentliche Ordnung aufrechtzuhalten", wie es heißt. Dazu wurden rund 30 Beamte auch von Mallorca nach Katalonien verlegt. Die Polizisten der Einheit USECIC („Einheit für Bürgersicherheit") traten per Fähre die Reise von Palma nach Barcelona an.

Umgekehrt werden aber auch Vertreter von balearischen Linksparteien in Katalonien als eine Art „Wahlbeobachter" erwartet, darunter beispielsweise David Abril, Abgeordneter von Més per Mallorca und in diesen Tagen einer der hitzigsten Befürworter des Referendums. In den Parteizentralen auf den Inseln sollen Parteigänger die Auszählung des Referendums, das es nach dem Willen der Zentralregierung gar nicht geben wird, per Bildschirm verfolgen können.

Die Solidarität mit den Befürwortern des Referendums zeigt sich indessen auch in einer Kampagne für „Meinungsfreiheit", die die katalanische Kulturorganisation Òmnium Cultural gestartet hat: Ersonnen hat die Plakate, auf denen Personen ohne Gesicht und mit roter Farbe durchgestrichenem Mund zu sehen sind, der gebürtige manacorí Toni Galmés, der in Barcelona lebt und arbeitet. Die Kampagne ist in Form von großflächigen Transparenten auf Häuserfassaden weithin sichtbar und wurde in den sozialen Netzwerken zum viralen Phänomen.

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