Disco-König Cursach soll die Polizei auf Mallorca 30 Jahre lang korrumpiert haben

Nach Aufhebung des Ermittlungsgeheimnisses werden weitere Details im Skandal um das Nachtleben der Insel bekannt. Auch die Generaldirektorin für Tourismus wird in dem Bericht erwähnt und muss sich rechtfertigen

03.10.2017 | 18:56
Bartolomé Cursach sitzt seit März 2017 in Haft.

Nach Aufhebung des Ermittlungsgeheimnisses in der vergangenen Woche werden auf Mallorca immer mehr Einzelheiten zu den Anschuldigungen im Korruptionsfall Cursach bekannt. So soll der Disco-König Bartolomé Cursach über 30 Jahre jeweils im Vorfeld Informationen über bevorstehende Inspektionen in seinen Discotheken und Nachtclubs rund um die Bucht von Palma de Mallorca erhalten haben. Das berichtet die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" am Dienstag (3.10.).

Die Ermittler gehen davon aus, dass Cursach in seinem Unternehmensimperium auf Mallorca selten persönlich Befehle erteilte. Diese Aufgaben soll sein engster Mitarbeiter, Bartolomé Sbert, übernommen haben, der im März 2017 zusammen mit Cursach verhaftet wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Als weiterer mutmaßlicher enger Mitarbeiter in den Korruptionsfällen wird Antonio Bergas beschuldigt, ein ehemaliger Ortspolizist, der später für Cursach arbeitete und die Kontakte zu Behörden und Polizei unterhielt.

Der Bericht wurde auch zum Thema in der Debatte im Balearen-Parlament am Dienstag (3.10.) Die Opposition verlangte von der Linksregierung Aufklärung darüber, warum die Generaldirektorin für Tourismus, Pilar Carbonell, in dem Bericht im Zusammenhang mit einem Telefonat zwischen ihr und Sbert erwähnt werde, in dem es um die Legalisierung einer Diskothek gegangen sei. Es habe keinerlei Vorzugsbehandlung gegeben, erklärte Carbonell gegenüber mallorquinischen Medien, sie habe lediglich über den Stand des Verfahrens informiert.  

Die Ermittler kommen in ihren Anschuldigungen zu dem Schluss, dass Cursachs Einfluss so groß war, dass er über die Besetzung von bestimmten Schlüsselpositionen der Ortspolizei von Palma de Mallorca entscheiden konnte. In einem 450 Seiten starken Bericht werden insgesamt zehn Polizisten genannt, die unter direktem Einfluss der Unternehmergruppe standen. Auch wichtige PP-Politiker werden in dem Bericht beschuldigt.    /tg

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