Feuerbakterium: Mallorca entgeht offiziell dem Kahlschlag

Rund eine Million Mandelbäume sind inzwischen von dem Erreger befallen. Das Protokoll lautet: Eindämmen statt Abholzen

20.10.2017 | 10:36
Mandelbäume bei Son Carrió im Südosten von Mallorca: Hier ist nicht mehr viel zu retten.

Es war bereits vor fünf Wochen durchgesickert, jetzt ist es amtlich: Mallorca und die Nachbarinseln müssen beim Kampf gegen das Feuerbakterium, die Xylella fastidiosa, nicht alle Pflanzen im Umkreis von 100 Metern rund um ein betroffenes Exemplar abholzen und verbrennen. Das sogenannte Abholzungsprotokoll kann, wie bereits am 12. September bekannt geworden war, auf den Balearen angewandt werden. Am Donnerstag (19.10.) hat die Europäische Kommission die Maßnahme endgültig beschlossen. Eigentlich hätte die Abstimmung in der Kommission für Pflanzengesundheit bereits Mitte September stattfinden sollen, Uneinigkeiten über das Vorgehen zwischen den Mitgliedsländern sorgten für eine Verzögerung.

Demnach kommt nun das Eindämmungsprotokoll auf den Inseln zur Anwendung. Das bedeutet, nur der wirklich infizierte Baum wird vernichtet, von den potentiellen Wirtspflanzen in der Umgebung werden Proben genommen. Derzeit sind auf den Balearen offiziell 490 Fälle bestätigt, darunter vor allem Mandelbäume, aber auch Olivenbäume, Weinreben und mehrere Zierpflanzen. Es ist aber längst klar, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist. Wie die Landesregierung Mitte Oktober auch offiziell einräumte, sind unter anderem rund eine Million Mandelbäume auf Mallorca von dem Erreger befallen, rund 70 Prozent des Bestandes. 150.000 sind bereits abgestorben.

Der Wissenschaftler Eduardo Moralejo, von dem die Erkenntnis stammt, dass eine Million Mandelbäume auf der Insel befallen sind, schätzt, dass in 10 bis 15 Jahren ein beträchtlicher Teil der Bäume von der Plage ­hinweggerafft worden sein könnte. Zwar sei es wahrscheinlich, dass es gegen den Erreger resistente Sorten gebe. Doch die zu finden, sei nicht einfach. Klar ist zumindest, dass solche Mandelbäume besser mit der Plage zurechtkommen, die bewässert werden.

Sollten sich die Zahlen von Moralejo tatsächlich bestätigen - derzeit gibt es auf den Balearen knapp 500 offizielle Fälle der xylella fastidiosa -, dann müssten laut EU-Vorgaben alle betroffenen Mandelbäume gefällt und vernichtet werden. Daran glaubt Moralejo allerdings nicht. „Es wäre ja irre, eine Million Bäume zu fällen. Das würde mehr kosten als der gesamte Haushalt des Ministeriums", so der Biologe. Inzwischen sei es zu spät, um der Plage tatsächlich noch Herr werden zu können.

Das Feuerbakterium war erstmals vor einem Jahr auf Mallorca offiziell nachgewiesen worden. Im Oktober 2016 hatte das Landwirtschaftsministerium drei positive Befunde in Porto Cristo bestätigt. Inzwischen sind 14 verschiedene Pflanzenarten von dem Erreger befallen, darunter neben Mandelbäumen auch Olivenbäume, Weinreben und mehrere Zierpflanzen. Moralejo hatte bereits im Jahr 2010 darauf hingewiesen, dass hinter einem damals bereits festgestellten massiven Absterben der Mandelbäume das Feuerbakterium stecken könnte. „Aber selbst wenn man 2010 sofort reagiert hätte, hätte auch das die meisten Bäume nicht mehr retten können. Auch vor sieben Jahren hatte sich die Plage schon zu sehr ausgebreitet." /jk

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