20 Jahre nach Bierkönig-Mord auf Mallorca: "Er passte nicht in die Playa-Welt"

Zwei Jahrzehnte nach dem Mord an „Bierkönig" Manfred Meisel sprechen zwei frühere Freundinnen über den Gastronom. Die Täter vermuten sie in Deutschland

13.11.2017 | 17:52
Elke Mohn alias Peggy vor ihrer Bar in Arenal. Dahinter Ute Schäfer-Tepper.

Ute Schäfer-Tepper weiß auch nach fast 30 Jahren noch genau, wann sie Manfred Meisel, den späteren Besitzer des „Bierkönig" an der Playa de Palma, zum ersten Mal gesehen hat. „Das war an meinem Geburtstag im März 1989", erzählt die Hamburgerin der MZ. Sie habe in einem Lokal an der Playa gefeiert, als ihr ein Mann auffiel, der auffällig unbeteiligt in der Ecke saß und einen Koffer auf seinem Schoß abgelegt hatte. „Ich bin zu ihm hingegangen und hab ihn im Scherz gefragt: Was hast du denn da im Koffer? 'ne Million oder was?" Der Mann habe ihr geantwortet: „Nein, eine halbe Million."

Sie habe nur gelacht, doch der Mann habe den Koffer geöffnet und ihr eine halbe Million D-Mark gezeigt. Dann habe er ihr erzählt, er wolle ein Lokal an der Playa kaufen, ob sie denn einen Tipp habe. „Da habe ich ihm gesagt: Da gibt es so einen Pleitegeier, der nennt sich Bierkönig. Schau dir den doch mal an", berichtet Schäfer-Tepper, die jahrzehntelang an der Playa de Palma jobbte.

Gesagt, getan. Auf ihre Vermittlung hin setzte sich Meisel mit dem damaligen Besitzer des Ladens in Verbindung und hatte ihn wenige Tage später gekauft. So begann eine Erfolgsstory, die in der Nacht auf den 12. November 1997 abrupt endete. Unbekannte Täter töteten Meisel, seinen achtjährigen Sohn Patrick sowie eine Angestellte (siehe Kasten). Nach 20 Jahren sind die Schuldigen weiter auf freiem Fuß, in Spanien verjährt der Fall am Sonntag. Dadurch, dass damals auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt die Ermittlungen aufgenommen hatte, wird der Fall in Deutschland allerdings weiter am Leben erhalten. Mord verjährt in Deutschland seit 1979 nicht mehr.

„Irgendwann", so glaubt Elke Mohn, „werden die Täter sich verplappern." Irgendwann, wenn niemand mehr damit rechne. Die 72-jährige Schwäbin, an der Playa besser bekannt als Peggy, la reina de la noche, ist mit Ute Schäfer-Tepper befreundet. Vermutungen, wer die grausame Tat verübt haben könnte, haben die beiden durchaus. „Ich bin überzeugt, dass die Tat etwas mit seinen Vögeln zu tun hat. Die Täter sind von Deutschland aus ein- und wieder ausgeflogen", setzt Elke Mohn an. Die rund 2.000 Papageien, die Meisel auf seiner Finca züchtete, hätten bei seinen Konkurrenten weltweit großen Neid geschürt. Meisel habe die Affinität zu den Papageien von seinem Vater mitbekommen. „Der hatte in Frankfurt eine Zoohandlung, und sein Sohn Manfred führte einen gut gehenden Biergarten, wo es Apfelwein gab", erzählt Elke Mohn.

Dass die Täter aus dem Umfeld der Playa kommen könnten, halten die beiden für unwahrscheinlich. Mafiaartige Strukturen wie heutzutage habe es damals an der Playa de Palma noch nicht gegeben. „Klar, die Brüder Pascual haben nach dem Mord den Bierkönig übernommen, aber die haben mit dem Verbrechen nichts zu tun", ist Ute Schäfer-Tepper überzeugt. Zumal der Bierkönig auch nicht direkt in die Hände der Pascuals überging. Daiana R., die Lebensgefährtin von Meisel, verkaufte den Laden zunächst an einen Getränkehändler, der ihn wiederum an die Pas­cuals weiterreichte.

Ute Schäfer-Tepper arbeitete in der ersten Saison für Meisel im Bierkönig. Er habe allerdings nicht besonders gut bezahlt. Ein Grund, weshalb Elke Mohn dort nie anfing. „Aber ein anständiger Kerl war er trotzdem. Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Er hat mir immer ausgeholfen." Später habe er ihr zwei runde Tische aus dem Bierkönig geschenkt - sozusagen als Startschuss für Peggys Kneipe auf Höhe des Balneario 2. Der Kontakt sei immer gut gewesen, auch wenn Meisel ansonsten wenige bis gar keine Freunde an der Playa hatte. Weder unter den Deutschen noch unter den Spaniern. „Er war sehr zurückhaltend, fast schüchtern, und passte eigentlich gar nicht in die Playa-Welt", findet Ute Schäfer-Tepper. Es sei ihr und Elke Mohn so vorgekommen, als sei er regelmäßig von Kunden und Geschäftspartnern ausgenutzt worden. „Er hat immer bezahlt und die Leute zum Essen eingeladen. Er war sehr gutmütig."

Diese Darstellung weicht deutlich davon ab, wie Meisel andernorts an der Playa gesehen wurde. Laut verschiedener Besitzer von Bars in der Umgebung des Bierkönig, die kurz nach der Tat von der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" zu Meisel befragt worden waren, tendierte der Frankfurter Unternehmer zu einem aggressiven Verhalten, das er auch gegenüber Angestellten an den Tag gelegt haben soll. Offenbar habe es auch geschäftliche Schwierigkeiten gegeben. Einer der wenigen Freunde von Meisel gab kurz nach dessen Tod zu Protokoll, dass Meisel seit 1994 bedroht worden sei.

Ute Schäfer-Tepper und Elke Mohn erinnern sich auch 20 Jahre nach dem Mord noch häufig an die stürmischen Tage im November. Und an die pietätlose Szenerie rund um den Bierkönig in den Tagen danach. „Es waren zwar alle überrascht, aber es wurde weitergefeiert, als ob nichts gewesen wäre", erzählt Elke Mohn. Nur ein paar Blumen am Zaun des Bierkönig hätten an das schaurige Verbrechen erinnert. Zum Jahrestag am Samstag dürften wieder Blumen am Zaun hängen. Drinnen werden die meisten davon nichts mitbekommen und wie immer Bier und Cuba Libre aus Litergläsern in sich hineinkippen.

Der Mordfall:
In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1997 wurde der Besitzer des „Bierkönig", Manfred Meisel, gemeinsam mit seinem achtjährigen Sohn Patrick und der Angestellten Claudia Leisten auf der Finca der Familie in S´Aranjassa umgebracht. Der oder die Täter töteten den Unternehmer mit zwei Schüssen in den Hinterkopf. Auch die anderen beiden Opfer wurden mit je zwei Schüssen umgebracht. Der Gerichtsmediziner ermittelte 0.30 Uhr als ungefähren Todeszeitpunkt der drei Opfer. Meisels Lebensgefährtin Daiana R. entging der Tat. Sie war zu dem Zeitpunkt schwanger und bei einer Untersuchung in Deutschland. Am Morgen gegen 8 Uhr fand die Angestellte Ilse Kaiser die Leichen im Haus. Zeitweise des Mordes verdächtigt wurde unter anderem Sven M., ein enger Vertrauter von Meisel und späterer Lebensgefährte von Daiana R. Der oder die Mörder konnten bis heute nicht ermittelt werden.

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