Tourismus-Generaldirektorin stürzt über den Fall Cursach

Die Politikerin Pilar Carbonell wurde am Donnerstag (16.11.) ihres Amtes enthoben. Kurz zuvor hatte ein Richter angeordnet, dass sie sich im Fall Cursach vor Gericht erklären muss. Ihr wird vorgeworfen die Betreiber des Megaparks an der Playa de Palma möglicherweise unrechtmäßig bevorteilt zu haben

17.11.2017 | 07:10
Archiv-Foto von Biel Barceló (Mitte), Pilar Carbonell (links) und Antoni Sansó (rechts), der ab sofort neuer Tourismusgeneraldirektor ist

Pilar Carbonell ist nicht weiter Tourismus-Generaldirektorin. Wie Tourismusminister Biel Barceló am Donnerstagnachmittag (16.11.) bekannt gab, nimmt er das Rücktrittsangebot seiner rechten Hand im Ministerium an. Nachfolger wird Antoni Sansó, der bisher Beisitzer war.

Die Entscheidung, die Nummer Zwei im Tourismusministerium aus ihrem Amt zu entheben, kommt nicht von ungefähr: Erst kurz zuvor hatte ein Richter in Palma de Mallorca am Donnerstag angeordnet, dass Carbonell im Fall Cursach vor Gericht aussagen muss. Er fordert Erklärungen dafür, warum sie dem Besitzer des Partytempels Megapark, Bartolome Cursach, mutmaßlich geschäftliche Vorteile eingeräumt hat. Die Anhörung soll am 29. November stattfinden.

Bereits am Dienstag (14.11.) hatte das Geldwäsche-Dezernat der Nationalpolizei, das im Korruptionsfall um den "Disco-König" ermittelt, eröffnet, dass die Politikerin die Unternehmensgruppe Cursach "vorrangig behandelt" und "bevorzugt" habe. Als konkreter Fall wird eine behördliche Erlaubnis genannt, die für den laufenden Betrieb des bei deutschen Urlaubern beliebten Megapark an der Playa de Palma wichtig war. Die Vorwürfe der Ermittler basieren auf einem abgehörten Telefongespräch zwischen Carbonell und Cursachs Geschäftsführer Tolo Sbert im Dezember 2016, bei dem sich Carbonell nahezu "unterwürfig" verhalten haben soll.

Die Generaldirektorin war am Dienstag zwar noch betont lässig geblieben und hatte beteuert, sie sei "sehr ruhig" und habe alle gleich behandelt, bot aber bereits ihren Rücktritt an. Barceló hatte dies zunächst abgelehnt. 

Vor ihrem Amtrantritt im Tourismusministerium nach den Wahlen 2015 war Carbonell lange jahre Vorsitzende des balearischen Gastronomieverbands CAEB gewesen. Sie betrieb Restaurants in der Inselhauptstadt und gehört keiner Partei an. /somo

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