Barceló will mit der Fusion mit NH den großen Wurf

Spaniens Hotelketten kommen bislang international nicht gegen die Big Player an. Jetzt will das mallorquinische Familienunternehmen mit der Madrider Gruppe fusionieren. Dort ist man weniger begeistert

23.11.2017 | 16:23
Will nicht kleckern, sondern klotzen: Simón Pedro Barceló.

Simón Pedro Barceló ist kein Freund von halben Sachen. Der Präsident des Aufsichtsrats der mallorquinischen Hotelkette Barceló will nicht ­kleckern, sondern spricht sich seit Jahr und Tag dafür aus, die Big Player der Branche in Spanien zusammenzulegen, um auch weltweit mehr Gewicht zu bekommen. Deshalb ist Barceló in die Offensive gegangen und hat seinem Konkurrenten NH zum wiederholten Mal ein Fusionsangebot gemacht. Die Interessensbekundung lief bei NH bereits am 14. November ein, öffentlich machte der Konzern mit Hauptsitz in Madrid den Brief erst am Montag (20.11.).

Barceló bietet demnach an, für jede Aktie von NH 7,08 Euro zu zahlen, was rund 27 Prozent mehr wären als die durchschnittliche Kursnotierung in den vergangenen drei Monaten. Das Angebot hat somit ein Volumen von 2,48 Milliarden Euro. Barceló schwebt vor, nach einem erfolgreichen Fusionsprozess in Zukunft 60 Prozent des neu entstandenen Unternehmens zu kon­trollieren. Im Gegenzug soll offenbar der Name NH erhalten bleiben.

Mit der neuen Gruppe würde Barceló die Zahl seiner Zimmer nahezu verdoppeln. Bisher verfügt das mallorquinische Familienunternehmen, das nicht an der Börse notiert ist, über 50.486 Zimmer in 229 Hotels weltweit. Gemeinsam mit den Kapazitäten von NH würden daraus nach einer Fusion gut 95.000 Zimmer in 618 Hotels - damit würde das Unternehmen den größten innerspanischen Konkurrenten Meliá, ebenfalls eine mallorquinische Kette, übertrumpfen (siehe Grafik). Europaweit könnte das neue Unternehmen den dritten Platz in der Hotelbranche erobern. Nur der britische Konzern InterContinental und die französische Marke Accor sind noch größer.

Ob die Fusion zustandekommt - NH müsste eine Kapitalerhöhung vornehmen, die dann ausschließlich Barceló zeichnen würde -, steht allerdings auf einem anderen Blatt. NH ließ Anfang der Woche nur verlauten, dass es sich bei dem Fusionsvorhaben um eine „nicht bindende und vorläufige" Anfrage handle, um die man nicht gebeten hatte. NH erinnerte in der Mitteilung scheinbar beiläufig auch noch einmal daran, dass der Aufsichtsrat erst vor ­Kurzem die Strategie für die kommenden drei Jahre verabschiedet habe, „mit einem unabhängigen Projekt für großes Wachstum, das heute gültig bleibt".

In dieser Linie äußerte sich am Dienstag (21.11.) auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates von NH, Ramón Aragonés. Er erklärte, mit dem kürzlich erarbeiteten ­Strategie-Plan der Kette bis Ende 2019 auf jeden Fall fortzufahren. „Das ist unser Plan, der Plan NH, und wir sind zu 100 Prozent überzeugt davon", ließ Aragonés wissen. „Mehr ist dazu nicht zu sagen."

Barceló hat NH eine Frist von drei Monaten eingeräumt, um darüber zu entscheiden, ob der Fusionsprozess angegangen werden soll oder ob ein schlichtes Nein des Aufsichtsrates von NH die Pläne von Barceló noch im Anfangsstadium stoppt. Trotz der wenig euphorischen Aussagen von Aragonés ist noch unklar, wie sich der Aufsichtsrat verhalten wird.

Denn offenbar ist man sich innerhalb des Gremiums nicht ganz grün. Wie es derzeit aussieht, scheint es Befürworter und Gegner der Fusion zu geben. Dagegen ist offenbar vor allem der mit neun Prozent der Aktien beteiligte Investor Grupo Hesperia Inversor. Als Gegenspieler gilt der chinesische Teilhaber HNA, der rund 29 Prozent der Aktien besitzt, allerdings nicht im Aufsichtsrat vertreten ist. Die Asiaten scheinen eine Fusion positiv zu bewerten, auch weil das neue Unternehmen dann Kräfte in Asien bündeln und die Gruppe gerade dort stark wachsen könnte. NH ist auch deshalb ein beliebter Kandidat für Übernahmevorhaben von Konkurrenten, weil sich der Aufsichtsrat häufig uneins ist.

Die Zusammenlegung ergibt für Barceló durchaus Sinn, wenn man sich die unterschiedliche Ausrichtung der beiden Ketten vor Augen führt: Das mallorquinische Unternehmen hat sich auf das Urlaubsklientel spezialisiert, NH ist vor allem in der Business-Sparte stark, die Hotels befinden sich zumeist in den Zentren von größeren Städten.

Experten bestärken Simón Pedro Barceló bei seinem Bestreben, in Europa die Kräfte zu bündeln. „Wer mit den großen amerikanischen Marken konkurrieren will, der muss sein Geschäftsvolumen vergrößern", sagte der Tourismusexperte Toni Munar dem „Diario de Mallorca". Schließlich gelte es, sich für den asiatischen Markt, den wirtschaftlichen Schauplatz der Zukunft, in Stellung zu bringen.

Die Börse reagierte ebenfalls positiv auf die Fusionspläne. Die Aktien von NH legten zwischenzeitlich um 17 Prozent zu. Und auch die spanische Regierung signalisierte ihre Sympathien für das Vorhaben.

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