Bürgerprotest gegen Stromtrasse in Palma zeigt Wirkung

Die Nachbarschaftsvereinigung Son Puig will in Palma den Bau einer Hochspannungsleitung verhindern – und findet Rückhalt in der Insel-Politik

19.12.2017 | 09:06
Die Arbeiten für die Trasse haben bereits eine Schneise in das Naherholungsgebiet geschlagen. Mit Aktionen wie dieser wollen die Anwohner weiteren Schaden verhindern.

Direkt vor den Toren Palmas, oberhalb des Stadtteils Son Rapinya, beginnt ein Wald­gebiet, das zu Spaziergängen einlädt. Hier grenzt die kleine Siedlung Son Puig an das Weltkulturerbe Tramuntana an. Gut 150 Familien leben dort, ein ruhiges Fleckchen Mallorca. Bis Anfang Oktober 2017 Bagger anrückten, um eine Schneise in den Wald zu schlagen. Der Plan: Der Netzbetreiber Red Eléctrica Española will eine Hochspannungsleitung errichten, um die stetig wachsenden Randgebiete Palmas auch künftig ohne Probleme zu versorgen. Projektkosten: 6,4 Millionen Euro.

Die ersten Genehmigungsverfahren wurden bereits 2009 in die Wege geleitet. Was damals noch niemand so recht auf dem Schirm hatte: Am 27. Juni 2011 erklärte die UNESCO die Serra de Tramuntana zum Weltkulturerbe. Die neue Trasse führt zwar nicht unmittelbar durch das Kerngebiet, doch die gut 15 Meter hohen Türme kommen recht nahe heran (2,5 Kilometer) und werden das Landschaftsbild prägen.

Zwei Türme stören besonders

Zudem sollen zwei der Türme (Nr. 13 und 14) nur 40 Meter entfernt von den Häusern der Siedlung Son Puig errichtet werden, was die Nachbarn auf den Plan rief. Nachdem die ersten Bagger angerückt waren und die Ausmaße des Projekts sichtbar wurden, gründete sich die Bürgerinitiative #SalvemSonPuig. Sie organisierte öffentliche Begehungen, sammelte Unterschriften gegen den Bau und wurden beim Rathaus in Palma vorstellig.

Mit Erfolg. Schließlich seien die Türme nicht nur für die Nachbarschaft ein Ärgernis, so Mercedes Garrido, Dezernentin für Raumordung des Inselrats, am Donnerstag (7.12.) auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. „Wer mit dem Schiff in Palma anreist, wird die Strommasten noch vor dem Castell de Bellver sehen." Eine solch drastische Veränderung in der Gegend könne dazu führen, dass die UNESCO das Weltkulturerbe aberkenne, warnte sie.

Treffen in Madrid


Der ebenfalls bei der Presse­konferenz anwesende stellvertretende Bürgermeister José Hila hat deswegen ein Treffen mit dem Kulturministerium in Madrid anberaumt. Seitens des Ministe­riums habe es bereits Signale gegeben, dass man sich für den Schutz des Welterbes stark machen wolle, so Hila. Das letzte Wort habe freilich das Infrastrukturministerium in Madrid, dort warte man noch auf eine Stellungnahme von Red Eléctrica. Der Netzbetreiber hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Vorgang geäußert.

Es hätte kaum besser laufen können, freut sich David Segura, Sprecher der Nachbarschaftsbewegung. Der Bürgerprotest habe etwas bewegt. „Das Rathaus hat in Aussicht gestellt, die umstrittenen Türme 13 und 14 in jedem Fall verlegen zu wollen" – näher an den alten Friedhof von La Vileta. Zeitweise war sogar daran gedacht worden, 400 Meter der Leitung unter Tage verlaufen zu lassen. Dies sei aber eine Kostenfrage.

Es gibt einen Plan B


Eine weitere Möglichkeit ist, die gesamte Strecke an die Straße nach Puigpunyent zu verlegen. Das sei der Plan B, den man mit Madrid besprechen wolle, so Garrido. Es sei unverständlich, wieso es nicht schon nach der UNESCO-Erklärung 2011 zu einer Änderung des Planes gekommen sei. Nun soll eine Studie darüber erstellt werden, wie aufwendig eine Verlegung wäre.

„Wir können nach derzeitigem Stand der Dinge nur gewinnen", sagt David Segura. Allerdings müsse man abwarten, wie die Gespräche in Madrid verlaufen.

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