Warum auf Mallorca Busse in Flammen aufgehen

2017 brannte ein halbes Dutzend Fahrzeuge. Die Landesregierung und die Stadt Palma setzen auf die Erneuerung der Flotte sowie strengere Konzessionsvorgaben

29.12.2017 | 14:19
Bei Palmas Stadtbetrieben brannten innerhalb von zwölf Monaten vier Busse.

Wenn auf Mallorca ein Bus in Flammen aufgeht, sind die Reaktionen auf die Nachricht inzwischen absehbar: „Schon wieder!", heißt es dann auf der Facebook-Seite der Mallorca Zeitung. „Das sind aber auffällig viele Brände in letzter Zeit!" Und: „Das kann doch nicht normal sein – im Sommer hieß es wegen der Hitze, und jetzt?"

Die Vorfälle haben sich in der Tat gehäuft: Nach mindestens drei Bränden im Jahr 2016 gingen im zu Ende gehenden Jahr wenigstens sechs Busse auf Mallorca in Flammen auf. Einerseits ähneln sich die Fälle: Der Motor erhitzt sich, Rauch tritt aus, der Fahrer stoppt das Fahrzeug am Straßenrand, die Fahrgäste können rechtzeitig aussteigen, bevor der Bus vollständig ausbrennt. Die Feuerwehr kann dann nur noch verhindern, dass die Flammen auf andere Fahrzeuge oder den Wald neben der Straße übergreifen. Andererseits handelt es sich um verschiedene Fahrzeugtypen und Zuständigkeiten: 2017 brannten zwei Überlandbusse, zwei Stadtbusse in Palma, ein Touristenbus sowie ein Schulbus. Im Vorjahr waren es mindestens zwei Stadtbusse und ein Überlandbus.

Jaume Mateu, Generaldirektor für Transport im balearischen Verkehrsministerium, macht vor allem das Alter der Fahrzeuge verantwortlich. Die derzeit 218 Überlandbusse auf den Inseln (TIB) haben ein Durchschnittsalter von 13,3 Jahren. „Die Flotte hätte schon längst erneuert werden müssen." Das Problem: Dafür ist nicht die Landesregierung direkt zuständig, sondern die jeweilige Konzessionsfirma. Die bisherigen Verträge mit den Firmen räumten der Landesregierung nur wenig Handhabe ein, so Mateu.

Das soll sich ab dem Jahr 2019 ändern. Bis dahin laufen alle bestehenden Konzessionsverträge aus, und das System wird grundlegend erneuert – nicht nur hinsichtlich der Strecken, sondern auch der Flotte. Den Konzessionsfirmen werde dann die Anschaffung von 143 neuen Bussen vorgeschrieben, womit das Durchschnittsalter mit einmal auf 3,4 Jahre sinken würde. Für die restlichen Busse sollen
darüber hinaus strenge Auflagen hinsichtlich des Alters und der Schadstoffemissionen gelten.

Auch bei Palmas Verkehrsbetrieben (EMT) macht das Alter der Flotte Sorgen. Von den 177 Bussen sind 64 bis zu 9 Jahre alt, weitere 18 bis zu 12 Jahre – und die restlichen 95 Busse haben zwischen 15 und 17 Jahren auf dem Buckel. Es rächt sich die Rotstiftpolitik der Krisenjahre. In den kommenden Jahren sollen endlich 30 Millionen Euro für die Anschaffung neuer Fahrzeuge fließen.

Wird auch bei der Wartung geschlampt? Zumindest sind der Landesregierung im Fall der Überlandbusse keine Verstöße bekannt – alle Vorgaben zum TÜV und regelmäßigen Checks würden eingehalten, so Mateu. Vorwürfe von Gewerkschaftsvertretern, wonach Bussen nach der TÜV-Prüfung wieder alte Reifen aufgezogen würden, seien besorgniserregend, aber nicht nachgewiesen. Zumindest im Fall von Palmas Verkehrsbetrieben wurde im Sommer 2017 ein Bußgeldverfahren gegen die Wartungsfirma eingeleitet, nachdem vier Busse innerhalb eines Jahres in Flammen aufgegangen waren.

Nach der Serie von Busbränden fällt der Blick jedoch nicht nur auf Fahrzeugalter und Wartung, auch weitere Kontrollmaßnahmen sind in Gespräch – etwa Sensoren, die rechtzeitig die Überhitzung des Motors registrieren und diesen automatisch schäumen. Ob ein solches System, wie es etwa bereits bei den Berliner Verkehrsbetrieben im Einsatz ist, in Zukunft vorgeschrieben wird, prüfe man derzeit noch, so Generaldirektor Mateu. 2018 werde hoffentlich glimpflich verlaufen, danach werde alles besser.

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