Wirte attackieren Tarifvertrag auf Mallorca: "Wir sind keine Hoteliers"

Der neue Tarifvertrag des Hotel- und Gaststättengewerbes trifft Fünf-Sterne-Hotels genauso wie die Eckbar im Gewerbegebiet. Das kann nicht sein, findet der Präsident der Gastronomen, Alfonso Robledo

01.01.2018 | 08:29
„Auf Gedeih und Verderb" mit den Hoteliers zusammengeschweißt: Alfonso Robledo.

Die Bar- und Restaurantbetreiber auf Mallorca sind seit Wochen im Angriffsmodus – genau genommen, seit im Oktober der neue Tarifvertrag des Hotel- und Gaststättengewerbes mit den Gewerkschaften ausgehandelt wurde. Das Problem aus der Sicht der Wirte: Sie müssen ab dem Frühjahr die für das Hotelgewerbe ausgehandelten Lohn­erhöhungen von 17 Prozent in den kommenden vier Jahren mittragen, obwohl sie nach eigenen Angaben deutlich geringere Gewinne einfahren als die Hoteliers. Der Sprecher des Gaststättengewerbes auf der Insel, Alfonso Robledo, Besitzer des Restaurants Coves de Gènova, ist selbst Betroffener des neuen Vertrages. Auch deshalb ist er beim Gespräch mit der Mallorca Zeitung in seinem Restaurant hörbar aufgebracht.

Sie haben den neuen Tarifvertrag des Hotel- und Gaststättengewerbes scharf kritisiert. Was ist so schlimm daran, wenn die Menschen auf der Insel mehr Geld in der Tasche haben?
Das ist doch nicht das Problem. Wir prangern vor allem an, dass wir zu keinem einzigen Treffen mit den Gewerkschaften eingeladen waren. Diesen neuen Vertrag haben die Hoteliers allein und hinter unserem Rücken ausgehandelt. Im Übrigen waren es auch nur die Hoteliers von Mallorca. Die Hoteliers von Menorca, Ibiza und Formentera waren wie wir nicht eingeladen und haben sich darüber bitterlich beklagt. Dass wir nicht dabei waren, ist für mich indessen ein Zeichen mangelnden Respekts gegenüber der wichtigsten Branche der Inseln.

Aber auch die Lohnerhöhung an sich scheint Sie zu nerven, obwohl Sie doch selbst Anfang Dezember noch verkündet haben, dass die Verkaufszahlen der Bars und Restaurants in Palma in diesem Jahr um 50 Prozent zugelegt haben.
Ja, aber eben auch nur in Palma und dort auch nur im Zentrum. Es gibt da schon ein paar Lagen in der Altstadt, die super laufen. Aber das sind drei oder vier Stadtviertel. Die Boutique-Hotels haben einen großen Anteil an dem Aufschwung. Aber hier in Gènova sieht es schon wieder ganz anders aus. Und selbst in Portitxol – gehen Sie da mal unter der Woche hin, da ist es wie ausgestorben.

Warum ist Ihre Branche denn überhaupt im selben Tarifvertrag wie die Hoteliers?
Das ist schon seit 40 Jahren so, das ist ja das Problem. Von Gesetzes wegen sind wir auf Gedeih und Verderb aneinandergeschweißt, wir kommen da nicht raus. Aber wir sind eben keine Hoteliers, die Restaurants, Bars und Cafes sind keine Hotels. Unsere Margen sind ganz andere, bis auf ein paar Restaurants auf Ibiza, die Millionenbeträge im Jahr umsetzen. Wir sind ja durchaus dafür, die Gehälter anzuheben. Die Lohnerhöhung ist für die gesamte Wirtschaft der Balearen wichtig. Wir sagen ja nur, dass unsere Branche spezielle Charakteristiken aufweist: Unsere Mitglieder sind die winzige Bar im Gewerbegebiet, die Dorfkneipe in Lloret de Vistalegre und natürlich auch das teure Restaurant auf Ibiza. Aufgrund der riesigen Unterschiede können wir nicht denselben Tarifvertrag haben wie die Hoteliers.

Aber wenn Sie ohnehin nicht aus dem Vertrag herauskommen, was bleibt Ihnen dann als Alternative?
Das Wichtigste ist erst einmal, sich mit den Vertretern der beiden größten Gewerkschaften an einen Tisch zu setzen und die Situation zu erklären. Das ist bisher immer noch nicht geschehen. Ich habe die Hoffnung, dass die Gewerkschaften unsere Lage verstehen.

Was würden Sie den Gewerkschaften sagen?
Dass vor allem kleinere Bars mit weniger Umsatz Gefahr laufen zu verschwinden. Und dass wir im Grunde nicht in den Tarifvertrag mit den Hoteliers, sondern mit dem Handel gehören – das sagt schon der gesunde Menschenverstand. Dort hat man moderate Lohnerhöhungen von 6,5 Prozent in den nächsten drei Jahren beschlossen. Das wäre machbar. Wir verkaufen eine Coca-Cola, so wie andere Schuhe verkaufen. Vom Tourismus können doch nur die wenigsten Lokale und Restaurants leben. Fragen Sie mal in der Bar in Son Gotleu nach, wie viele Urlauber sich dorthin verirren!

Aber wie könnten Sie die Lohn­erhöhung noch verhindern?
Auf den Kanaren etwa gibt es zwar wie hier keinen eigenen Tarifvertrag für Bars und Restaurants, aber innerhalb des Tarifvertrages gibt es für die Gastronomie einen eigenen Untertarifvertrag, der diese Branche regelt.

Es geht ja nicht nur um Lohn­erhöhungen. Im unteren Preissegment gibt es viele Bars, die ihre Angestellten mit 18-Stunden-Tagen systematisch ausbeuten.
Die sind ein großes Problem für uns, weil sie ja aufgrund ihrer ­Vorgehensweise eine unlautere Konkurrenz darstellen. Außerdem ist es ein Unding für das Image, auch weil man das Personal gut behandeln muss, damit es gut arbeiten kann. Wer hat denn Lust, in eine Bar zu gehen, wo ein mies gelaunter Kellner lustlos bedient?

Wie einfach ist es denn zurzeit für die Wirte, Personal zu finden?
Es ist sehr schwierig, Leute mit professioneller Einstellung zu bekommen. Wir müssen auf der Insel unbedingt mehr Wert darauf legen, die Angestellten gut auszubilden.

Aber es gibt doch die Hotelfachschule Escuela de Hostelería?
Da sehen wir dasselbe Problem: Alle Schüler wollen in Hotelküchen arbeiten. Da gibt es ein Overbooking an Köchen. Im Service dagegen will niemand tätig sein. Den jungen Leuten wird nur beigebracht, wie sie in Hotels zu kochen haben.

Dabei gibt es doch viel mehr Lokale als Hotels.
Das ist das nächste Problem. Die Politik müsste hier auch mal, wie bei den Hotels, ein Moratorium einführen. Wir können ja auch nicht einfach Preise erhöhen, da bleiben uns sofort die Gäste weg

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