So schön könnte El Arenal werden

Ein lokales Architekturbüro gewinnt einen europaweiten Wettbewerb, um die Betonschluchten an der Playa de Palma zu beleben. Nun ist das Rathaus Llucmajor am Zug

02.02.2018 | 09:37
Die Pläne von Héctor Ortín und Catalina Salvà für S´Arenal de Llucmajor auf Mallorca überzeugen Juroren und Rathaus

Fünf-Sterne-Hotels, schicke Lounges am Meer, Gourmetrestaurants: Die Playa de Palma auf Mallorca weist mittlerweile einige solcher Orte auf – allerdings nicht am östlichen Ende und dort schon gar nicht in der vierten oder fünften Reihe hinter dem Strand. Auf Höhe des Balneario 1, dem Teil von El Arenal, der bereits zur Gemeinde Llucmajor gehört, ist es schwer, dieser Gegend etwas Schönes abzugewinnen, sobald man dem Meer den Rücken zuwendet. Charakterlose, zugeparkte Straßen ziehen sich durch Betonschluchten, in den Erdgeschossen reiht sich ein billiger, verrammelter Urlauber-Kiosk an den anderen.

Das Problem ist alles andere als neu. Immer und immer wieder haben Zentral- und Landesregierung in den vergangenen Jahren angekündigt, etwas daran ändern zu wollen. Hunderte Millionen Euro sind bereits versprochen worden, getan hat sich nichts. Zum Unmut der Anwohner – etwa 10.000 Menschen leben hier –, die einer fast ebenso großen Anzahl an Übernachtungsgästen im Sommer gegenüber stehen.

Das Konzept eines jungen Architekten-Trios könnte dafür sorgen, dass sich endlich etwas tut. Catalina Salvà (33), Héctor Ortín (36) und Pol Sarsanedas (37) haben sich mehrere Monate lang intensiv mit dem Viertel beschäftigt. Anlass war der europaweite Architekturwettbewerb Europan. Zahlreiche Rathäuser aus den verschiedensten Ländern hatten zuvor bei der Wettbewerbskommission Zonen angeben, denen eine Veränderung gut tun würde. Auch Llucmajor machte mit. Und so widmeten sich 18 Architektenteams aus ganz Europa dem Problemviertel S'Arenal de Llucmajor, sammelten Ideen und erstellten Projekte. Keines überzeugte die Juroren so sehr wie das von Catalina Salvà und Co.

„Wir haben uns das Viertel sehr genau angesehen und mit den Menschen geredet", erzählt Salvà im Gespräch mit der MZ. Fazit: In Arenal fehlt es an öffentlichem Raum und Freizeitangeboten. Der kleine Stadtpark hinter dem tristen Gemeindegebäude und dem abstoßenden Einkaufszentrum an der Carrer del Gran i General Consell ist durch weitläufige Zäune und die Gebäude vom Ortskern abgetrennt, als Treffpunkt wird wenn überhaupt die Plaça Major genutzt, die eher einem großen Kreisverkehr gleicht.

„Uns wurde schnell klar, dass wir uns vor allem auf die Bedürfnisse der Einwohner konzentrieren müssen und weniger auf die der Urlauber", so die Architektin. Vielleicht war es die Expertise des jungen Teams, die ihrem Projekt zum ersten Preis im Wettbewerb verhalf, vielleicht auch die Tatsache, das Salvà selbst aus Llucmajor kommt und dort mit Ortín das Architekturbüro „Salvà Ortín Arquitectes" betreibt. Vermutlich eine Mischung aus beidem.

Agora 4.8 nennen die Nachwuchs­profis ihr Gewinnerprojekt. „Als Agora bezeichnete man im antiken Griechenland den zentralen Fest- und Versammlungsplatz einer Stadt", erklärt Ortín. Und genau so etwas brauche auch Arenal. „Das Areal um das Einkaufszentrum wäre dafür ideal", so die Architekten. Man müsse es nur besser einbinden.

Das Projekt baut auf vier Themen­bereiche auf: „Identitätsstiftung" („denn daran fehlt es im barrio"), „Metabolismus" („die Straßenbeläge und die Betonwüsten verhindern derzeit, dass das Regenwasser in den Boden gelangt und sich in den Metabolismus der Insel einbringt"),
„Produktivität" („an vielen Gebäuden könnten Solaranlagen angebracht werden") und „Verbindungen" („der öffentliche Nahverkehr muss angepasst werden").

Daraus resultieren acht konkrete Maßnahmen: Zum einen sollen zentrale Straßen und Plätze verkehrsberuhigt werden, um so das Leben angenehmer zu gestalten. „Auch die Parkstreifen sollen an einer Seite aufgehoben werden, um Platz zu schaffen für Sitzbänke und Caféterrassen", so Ortín. Zum anderen sollten die verschiedenenen Verkehrsmittel besser aufeinander abgestimmt
werden. „An einer Bushaltestelle müssten immer auch Fahrradständer und Parkplätze in der Nähe sein, um die Fortbewegung zu begünstigen", findet Salvà. Außerdem sollen markante Gebäude wie die alten Fischerhäuschen besser zur Geltung kommen. „Sie waren die ersten, die Anfang des 20. Jahrhunderts hier errichtet wurden und sind etwas Besonderes, das heute kaum noch jemand wahrnimmt."

Nackte Wände könnten zudem mit großflächigen Gemälden verziert werden und Bäume und Pflanzen für Schatten, Gemütlichkeit und zur Aufnahme des Regenwassers sorgen.

Um die gewünschte Agora zu schaffen, würden die Architekten das Einkaufs- vom Gemeinde­gebäude durch eine offene Treppe trennen, die in den dahinterliegenden Park führt. „Hier könnten offene Ladenlokale, Räumlichkeiten für ein Kulturzentrum und Cafés entstehen. Viele Lokale dort stehen nämlich leer oder sind vom Park aus nicht zugänglich. Und einen großen geschlossenen Raum für öffentliche Veranstaltungen gibt es auch nicht." Des Weiteren sollen die Umzäunungen um die Grünflächen weichen.

„All das bereichert vor allem das Leben der Anwohner. Aber gleichzeitig wird auch der Urlauber das Viertel als angenehmer und hochwertiger wahrnehmen und vielleicht ebenfalls dazu beitragen, die Lebensqualität zu steigern", hoffen die Architekten. Um eine Brücke zwischen Urlaubern und Einheimischen zu schaffen, müssten zudem die Hotels ihre Cafés und Restaurants auch optisch für die Allgemeinheit öffnen. „Wenn es Außenterrassen zur Straße hin gäbe, hätten alle etwas davon."

Nicht nur die Juroren, auch die Gemeinde Llucmajor ist von den Ideen angetan. Mehrere Gespräche mit dem jungen Team haben bereits stattgefunden. Allerdings heißt es aus dem Rathaus: Die Planungen sind nur auf lange Sicht realisierbar.

Hapern könnte es an den Kosten. Zwischen 9 und 11 Millionen Euro müsste die Gemeinde investieren, um alle Maßnahmen zu ergreifen, die die öffentliche Hand betreffen, inklusive einem unterirdischen Parkhaus. „Außerdem können die Arbeiten natürlich größtenteils nur im Winter stattfinden, man müsste also damit rechnen, dass die Ideen nur Stück für Stück umgesetzt werden können", so Salvà.

Trotzdem sind sie und Ortín guter Dinge, dass ihr Plan nicht in der Schublade verschwindet. „Der Bedarf ist da und das Interesse auch. Vielleicht haben wir ja Glück und dürfen sogar selbst daran teilhaben."

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