Mallorcas Hohe Schule der Winde

17-07-2008  
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Das Ausbildungszentrum hat Unterbringungsmöglichkeiten für 50 Schüler, die im Sommer an einwöchigen Intensivcamps teilnehmen.  Foto: John

ANDREAS JOHN Nein, gewöhnliche Schüler seien das nicht gewesen, erinnert sich Eugenia Perelló und schmunzelt dabei. „Dazu waren sie einfach viel zu gut erzogen und höflich.“ Fast sechs Jahre lang unterrichtete Perelló die drei Kinder des spanischen Königspaares. Elena, Cristina und Felipe lernten bei ihr aber nicht Mathematik oder Erdkunde, sondern vielmehr den richtigen Umgang mit einem Segelboot.

Die beiden Infantinnen und der Prinz zählen zweifellos zu den berühmtesten Schülern der öffentlichen escola de vela in Palmas einstiger Fischerbucht Calanova, die in Spanien seit nunmehr 32 Jahren ihresgleichen sucht.

1974 kamen befreundete mallorquinische Segelsportler auf die Idee, eine öffentliche Talentschmiede auf der Insel ins Leben zu rufen. Unter ihnen befand sich Manuel Nadal de Uhler, der zur Freude von Spaniens damaligem Diktator Francisco Franco bereits mehrmals die Erdkugel umsegelt hatte und so zu internationalem Ruhm gelangt war. Er war der Initiator eines zweijährigen Um- und Ausbaus der Bucht zu dem kleinen Sporthafen Calanova, der als Standort für die zukünftige Schule dienen sollte. 1976, ein Jahr nach Francos Tod, eröffneten Spaniens frischgebackener König Juan Carlos und seine Ehefrau Doña Sofía feierlich das moderne Ausbildungszentrum.

Im ersten Jahr seines Bestehens lernten hier mehr als 120 Schüler den Umgang mit Schot und Pinne. Die Ausbildungsflotte bestand damals noch aus zwölf Optimisten sowie jeweils acht 420er- und 470er-Jollen.

Mehr als 5.000 Schüler jährlich
Anfang der 80er Jahre wuchs die Zahl der meist jugendlichen Schüler bereits auf knapp 1.000 pro Jahr. Unter ihnen befanden sich zu dieser Zeit auch Prinz Felipe sowie seine beiden Schwestern Cristina und Elena. Sie lernten in ihren meist mehrwöchigen Sommeraufenthalten auf der Insel nicht nur die nautischen Grundkenntnisse, sondern bekamen auch Manöver und Taktiken des Regatta-Segelns in Theorie und Praxis beigebracht. „Alle drei waren sehr begabte Schüler, die bei unseren schulinternen Regatten meist ganz vorne mitsegelten“, erinnert sich Perelló, die heute als Studienleiterin in Calanova tätig ist.

Im Laufe der Zeit brachte die Schule aber auch internationale Elite-Segler wie den Olympia-Sieger von 1996 und heutigen Sportbeauftragten der Landesregierung, José Luis „Pepe“ Ballester“, sowie zahlreiche andere im In- und Ausland erfolgreiche Segelsportler hervor.

Segeln als Kulturgut
Neben der steigenden Schülerzahl – mittlerweile nehmen rund 5.000 Jugendliche und Erwachsene an den Grund-, Fortgeschrittenen- und Regattatrainings-Kursen pro Jahr teil – hat sich vor allem eines geändert. „Uns geht es längst nicht mehr darum, Olympiakandidaten zu schmieden. Segeln ist für uns mehr als nur ein Sport. Segeln ist ein wichtiges Stück unserer Kultur und Geschichte, die wir unseren Schülern hier vermitteln möchten“, sagt Perelló.

Sie steht ebenso wie Schuldirektor José Salom und die etwa 40-köpfige Belegschaft, die aus 25 ausgebildeten Dozenten und einer je nach Saison wechselnden Zahl von Verwaltungsangestellten besteht, im Sold der Landesregierung. Denn die escola de vela ist im Gegensatz zu allen anderen Segelschulen auf der Insel eine öffentliche Einrichtung, die mit jährlich rund 600.000 Euro vom balearischen Jugend- und Sportministerium bezuschusst wird.

„Wir haben einen ganz klaren Lehrauftrag. In den Wintermonaten von November bis März geben wir Schulklassen aus öffentlichen und privaten Einrichtungen der Insel Unterricht“, so Perelló. Dabei gehe es weniger ums Segeln als um den Erhalt und Schutz des Ökosystems Meer. Rund 2.000 Schüler nahmen im vergangenen Jahre daran teil.

Von April bis Mitte September verwandelt sich die Schule dann in ein Ausbildungszentrum für Segelsportler. „Anfangen kann bei uns jeder ab sieben Jahren. In der Nebensaison laufen die Kurse am Wochenende, in der Hauptsaison finden sie auch wochentags statt.“ 70 Euro kostet ein Anfänger-Kurs im Optimisten. Der theoretische und praktische Unterricht findet von montags bis freitags von 10.30 bis 14.30 Uhr statt. Ab 14 Jahren steigt man auf olympische Jollen wie 420er und 470er um (ab 96 Euro) . Mit 18 Jahren können Schüler den Umgang mit größeren Segelschiffen lernen (ab 110 Euro).

Im Juli und August veranstaltet die Schule zudem Sommercamps. „Dann verwandeln wir uns in ein echtes Internat. Platz ist hier für 50 Schüler, die bei uns wochenweise essen, schlafen und natürlich segeln.“ Ausländische Schüler zählt Perelló nur wenige. „Man sollte schon sehr gut Spanisch können, um die vielen Fachbegriffe verstehen zu können“, sagt sie. Eigentlich sei Segeln aber kinderleicht und vor allem intuitiv. „Das Prinzip, sich von Wind und Wellen auf dem Wasser treiben zu lassen, ist so alt wie die Menschheit selber“, sagt sie. „Und wer einmal damit angefangen hat, kommt eigentlich nie wieder davon los.“

Weitere Informationen zu Anmeldung und Kursen gibt es im Internet unter www.calanova.caib.es oder Tel.: 971-40 25 12.

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