Der deutsche Kapitän Klaus Rhein hütet die Millionen-Yacht eines Italieners

13-03-2009  
Ein Mann, ein Boot: Klaus Rhein, Kapitän der 35-Meter-Yacht
Ein Mann, ein Boot: Klaus Rhein, Kapitän der 35-Meter-Yacht "Sensation", im Hafen von Palma.  Foto: Sebastián Terrassa

THOMAS ZAPP Die Geschichten, die Klaus Rhein erzählen kann, sind durchaus filmreif. Der Deutsche steuerte in seinem Kapitänsleben die Robinson-Crusoe- und die Galapagos-Inseln an. Auch auf den Kokos-Inseln, wo ein Teil des Hollywood-Streifens „Jurassic Park“ gedreht wurde, war er schon. Den Amazonas befuhr er mit einem Katamaran, kam in Gebiete, die man nur über den Wasserweg erreichen kann und in denen bis heute ­Indios leben. 1999 wurde sein Boot in der Straße von Gibraltar von der Bugwelle eines Riesentankers unter Wasser gedrückt. Wie durch ein Wunder überlebten er und die Besatzung der Yacht. Allein 24 Mal überquerte der professionelle Skipper den Atlantik. Er lebte das Abenteuer, von dem er immer geträumt hat.

Seit neun Jahren verbringt der Deutsche jedoch nun schon einen Großteil seiner Arbeitszeit im Hafen von Palma. Er ist Kapitän und Chefmaschinist auf der 35-­Meter-Segelyacht „Sensation“, die einem italienischen Großindustriellen gehört. Der 48-Jährige leitet eine Crew aus Koch, erstem Offizier und Stewardess und verwaltet das Budget für das Schiff mit dem blauen Rumpf, das einmal rund zehn Millionen Dollar gekostet hat. Am Pier schaut auch schon mal Spaniens König vorbei, oder deutsche Pop-Titanen brechen zu ihren Video-Drehs auf. Palma sei neben Antibes und Miami der wichtigste Yachthafen der Welt, sagt Rhein. So viele Experten und Fachbetriebe finde man an kaum einen anderem Ort.

Doch zurzeit sei es ungewöhnlich ruhig. Viel ruhiger als in den Jahren zuvor, meint Rhein. „Viele Besatzungen sind seit Wochen nicht mehr aufgetaucht, selbst auf der Yacht von Millionär Thomas Haffa ist nur noch der Koch anwesend. Von den 60 Yachten hier an der Pier stehen rund 40 zum Verkauf“, sagt Klaus Rhein. Die Wirtschaftskrise macht sich auch im Nobelhafen bemerkbar. „Der Kaufpreis eines Schiffes ist ja nicht das Schlimmste, wenn man sich ein Boot anschafft“, sagt Rhein. Der Unterhalt werde vielen zum Verhängnis, er mache rund 15 Prozent des Bootswertes aus – pro Jahr.

Kein Wunder, dass sich mancher klamm gewordene Millionär lieber aus dem Staub macht, als weiter Unterhalt für sein kostspieliges schwimmendes Schätzchen zu bezahlen. „Einer ist in die Karibik weggesegelt, ohne seine Miete für den Liegeplatz zu bezahlen“, sagt Rhein. Ein anderer habe sogar sein Schiff liegen lassen und sich seit einem Jahr nicht mehr blicken lassen. Es werde in Kürze versteigert.

Klaus Rhein kennt die Preise, schließlich muss er als Buchhalter detailliert Bericht erstatten. Für Yachten dieser Größenordnung werden eigene Firmen gegründet, die einen Jahresetat von rund einer halben Million Euro haben. „Ich kann nicht mal eben 10.000 Liter Sprit kaufen, ohne den Buchhalter zu fragen“, erzählt er. Mit zwei Tankfüllungen kommt der Motorsegler über den Atlantik. Ein Familienausflug in die Karibik kostet seinen Brötchengeber alleine 40.000 Euro an Sprit. Fliegen ist billiger. Zudem müsse so ein Boot alle zwei Jahre ins Trockendock und gründlich gewartet werden. Wenn ein Chrom-Teil, das so schön in Mallorcas Sonne glitzert, ausgetauscht werden muss, wird es teuer. Eine neue Winsch, die Seilwinde für Segeltaue, kostet 35.000 Euro, ein Alu-Baum, der dazu dient, das Beiboot ins Wasser zu lassen, 30.000 Euro. Falls der 30-Meter-Mast überholt werden muss, werden 80.000 Euro fällig. Schmeißt Klaus Rhein den Motor der Yacht an, laufen pro Stunde 45 Liter Diesel durch. Das ist moderat im Vergleich zur benachbarten Haffa-Yacht, die 700 Liter pro Stunde verbraucht. Geld zu verbrennen, ist leicht in dieser Welt der Yachten, Geld verdienen schon schwieriger.

1984 hatte es Klaus Rhein mit einer Segelschule in St. Tropez versucht: ein Schiff, ein paar Jollen und drei Partner. „Nach sechs Monaten waren wir alle pleite“, erzählt er. Danach segelte er als Skipper seine Schulden ab, wie er es formuliert. Auch die Sache mit dem Sparen klappte ganz gut. „Auf dem Ozean kann man nur schwer Geld ausgeben.“ Bis zu 100 Tage pro Jahr war Klaus Rhein auf See. Die „Sensation“ ist das 18. Boot, auf dem er fest arbeitet. Er hat jetzt keine Lust mehr, sich zu verändern. Und wenn es die Welt der Reichen weiter so rasant tut? Klaus Rhein lächelt, er macht sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Zwar wurde die Crew von fünf auf vier verkleinert, aber sein Chef hängt an der Yacht. Momentan werden einige Reparaturen gemacht, natürlich ist auch der Kapitän zur Sparsamkeit angehalten, aber im Sommer wird es wieder auf Fahrt durchs Mittelmeer gehen. Es muss nicht mehr der Amazonas sein.

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