Das Ende des Roten Thun

10-04-2008  
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Ein Kommentar von Ciro Krauthausen

Thunfischfilets sind einer der größten Leckerbissen, die es überhaupt gibt. Das ist eine Erkenntnis, die wir ursprünglich den Japanern verdanken. Mit ihrer Sashimi-Tradition - in Scheiben geschnittenem rohen Fisch - haben sie uns erst auf den Geschmack gebracht. Seither gehört Thunfisch auch abseits der Sushi-Restaurants zur gehobenen westlichen Gastronomie. Ganze Kochkarrieren gründen auf der Kunst, die tiefroten Filets so zuzubereiten, dass sie von außen braun und krustig und von innen noch roh und saftig sind. Wie Rindersteaks.

Jetzt dürfen wir davon keinen Bissen mehr essen - so einfach ist das. Eben weil er uns so gut schmeckt, sind die Bestände in den vergangenen Jahren dramatisch dezimiert worden. Aus dem Mittelmeer dürfte der Thunfisch schon sehr bald ganz verschwunden sein. Die seit Menschen­gedenken praktizierte ­almadraba, bei der sowohl in der Meerenge von Gibraltar als auch in balearischen Gewässern die Schwärme umzingelt wurden, um dann die Tiere im blutigen Kampf Mann gegen Fisch einzeln zu erledigen, gehört schon jetzt der Vergangenheit an. Stattdessen wird mit immer aufwendigeren und hochgerüsteren Fangmethoden den letzten Exemplaren der Garaus gemacht. Das knappe Angebot und die dementsprechend hohen Preise machen das Geschäft mit dem Roten Thun erst attraktiv.

Die einzige Lösung ist ein sofortiger Fangstopp - so schwierig ist das. Es geht um Arbeitsplätze und Gewinne, internationale Diplomatie und Ess­gewohnheiten. Fischerei-Flotten, Großhändler, die betroffenen Staaten wissen ihre Interessen rabiat zu verteidigen. Das Dilemma ist bekannt: Die Menschheit scheint unfähig, die von ihr entfesselte Zerstörung der Umwelt schnell genug einzustellen. Bleibt jeder Einzelne von uns, bleibt die Entscheidung, ob man weiter Thunfisch isst oder nicht. Ein Happen mehr oder weniger macht angesichts der globalen Herausforderung kaum einen Unterschied. Aber schmecken tut er auch nicht mehr.

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