Ein 16 Kilometer langer Küstenstreifen in den Händen eines Ausländers: Er kommt auf die Insel, kauft elf Anwesen an der idyllischen Steilküste im Norden Mallorcas auf - und niemand protestiert. Im Gegenteil: Erzherzog Ludwig Salvator geht als Balearen-Botschafter in die Geschichte ein.
Rund 100 Jahre später hat der deutsche Besitzer der Mega-Finca Es Fangar bei Manacor eine Revolte heraufbeschworen. Von Jahr zu Jahr wächst der Protest gegen Peter Eisenmann, der die einst offenen Wege auf seiner 990 Hektar großen Finca gesperrt hat. Wenn es glimpflich ausgeht, werden Zwischenfälle beim Marsch, der an diesem Sonntag quer über das Anwesen führen soll, ausbleiben. Doch der Konflikt geht jetzt vor Gericht, und die Protestler suchen beständig nach Beweisen für Gesetzesverstöße. Auch den deutschen Botschafter haben sie angeschrieben.
Eisenmann mag vielleicht wie Salvator von Mallorca schwärmen, muss sich jedoch Ignoranz gegenüber den Mallorquinern und ihren Sensibilitäten unterstellen lassen. Die Wege-Sperrung widerspricht nicht nur jahrhundertealten Traditionen, sondern auch verbrieften Rechten. Eine jahrelange Prozesshanselei ist zu erwarten, die das deutsch-mallorquinische Verhältnis belastet. Ist das Herrn Eisenmann egal? Wurde er schlecht beraten? Deutsche Vorstellungen von Privatbesitz sind eben nicht eins zu eins auf die Insel zu übertragen, und das Argument vom schützenswerten Privateigentum ist mächtig schief - schließlich ist Es Fangar kein Schrebergarten, sondern ein Riesengebiet, das Raum für mehrstündige Fußmärsche bietet. Ein paar Wanderer oder Reiter hätten sich in den weiten Fluren verloren - nun geht es um die Rettung des mallorquinischen Erbes.
Was für ein Gegensatz zu Erzherzog Salvator, der sich für die Gastfreundschaft auf Mallorca großzügig revanchierte. Er ließ Wanderer nicht nur passieren, sondern gewährte ihnen auch drei Tage kostenlos Logis - niemandem sollte der Zugang zu seinem Paradies verwehrt sein.
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