Air Berlin: Wenn die Fluggesellschaft mit der Insel...

23-04-2009  

CIRO KRAUTHAUSEN Nationale Identitäten sind in Zeiten der Globalisierung bekanntlich so eine Sache - auch im Fall von Air Berlin, einer Fluggesellschaft, die von US-Piloten gegründet wurde, dessen zweitgrößter Aktionär derzeit eine türkische Unternehmensgruppe ist und in dessen Büros in Palma Spanisch gesprochen wird.

Dennoch ist Air Berlin eine sehr deutsche Erfolgsgeschichte - und wird auf Mallorca auch so wahrgenommen. Richtig durch­gestartet ist die Fluggesellschaft erst 1992 mit dem Einstieg ­Joachim Hunolds. Der quirlige Manager fand in der schon vorher dort tätigen Elke Schütt eine ideale unternehmerische Ergänzung. Zusammen stampften sie eine Fluggesellschaft aus dem Boden, die im vergangenen Jahr mit 28,5 Millionen Passagieren 3,4 Milliarden Euro Umsatz machte.

Ihre Entscheidungen - etwa der Einzelplatzverkauf, um dem Diktat der Charterkontingente zu entfliehen - waren stets die des Underdogs, der gegenüber den mächtigen Platzhirschen der Reise- und Urlaubsindustrie nichts zu verlieren, aber mit klassischer Innovation viel zu gewinnen hatte (jetzt, wo Air Berlin selbst zu einem mit Übernahmen gesättigten Riesen geworden ist, sieht das anders aus, und tatsächlich rühren viele der Turbulenzen der vergangenen Monate von diesem Rollentausch her).

Vor allem aber erwies sich der konsequente Ausbau der Verbindungen auf das von den Deutschen so liebgewonnene Mallorca als richtiger Schachzug. Der Höhenflug der Insel als Urlaubsdestination und die Erfolgsgeschichte Air Berlins - das lässt sich kaum voneinander trennen. Die Insel lebt von den Air-Berlin-Gästen, und Air Berlin lebt von der Insel.

Das weckt auch Argwohn: Wie nicht zuletzt der Sprachenstreit vergangenes Jahr gezeigt hat, ist Air Berlin für manche Mallorquiner zum Inbegriff der Abhängigkeit von den Deutschen geworden. Die Balearen-Regierung beginge einen großen Fehler, wenn sie sich vor diesen Karren spannen ließe. Andersherum täte Air Berlin gut daran, Mallorca bei aller Ausweitung des Streckennetzes nie aus den Augen zu verlieren.

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