Son Banya funktioniert auch ohne La Paca

05-03-2009  

FRANK FELDMEIER Alle Mann ab ins Gefängnis! Das Urteil im Prozess von Son Ban­ya wirkt, als ob die Richter ein Exempel statuieren wollen. Alle, die in irgendeiner Form in den Kampf um das Drogengeld verwickelt waren, werden abgestraft - vom Drogenclan über Komplizen im weitläufigen Familienkreis bis hin zu Polizisten und einer Anwältin.

Es war höchste Zeit für ein solches Urteil. Schon einmal ist die Clanchefin La Paca mit einer Geldbuße davon gekommen, weil man ihr nur Geldwäsche nachweisen konnte. Fast jedermann weiß, dass man nur in den Bus nach Son Banya steigen muss, um sich mit Drogen einzudecken. Die Dealer hatten weitgehend freies Spiel und stellten den Reichtum aus dem schmutzigen Geschäft ungeniert zur Schau. Auch wenn das jetzige Urteil wieder nicht auf Rauschgift-Delikten, sondern Freiheitsberaubung, Misshandlung und Korruption beruht, ist es ein wichtiger Schritt, um den Drogensumpf in Palmas berüchtigten Vorort direkt neben dem Flughafen trockenzulegen.

Die Härte des Gesetzes ist notwendig, aber nicht ausreichend. Wenn auch weniger ungeniert als zuvor, so wird doch in Son Banya weiter mit Kokain und Co gehandelt. Es gibt einfach zu viele Bewohner der Barackensiedlung, die mangels Perspektiven nur allzu gern in die Fußstapfen des Clans treten. Und bislang ist noch jede Regierung in Palmas Rathaus daran gescheitert, die Bewohner von Son Banya umzusiedeln. Solange dieser soziale Brennpunkt im ­Gitano-Milieu weiterbesteht, wird den Gerichten die Arbeit nicht ausgehen, ohne dass sich am eigentlichen Problem Wesentliches ändert.

Was also tun? Eine Strategie könnte sein: Langfristig denken und eine Sozial­arbeiter-Offensive starten. Sicherstellen, dass alle Kinder täglich in die Schule gehen und so später Chancen außerhalb von Son Banya haben. Und sich vor allem auch der Konsumenten annehmen, die überhaupt erst dafür sorgen, dass das Modell Son Banya funktionieren kann.

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