CIRO KRAUTHAUSEN
Nein, das ist keine Schönmalerei: Auch nach den von der baskischen Terrororganisation ETA gezündeten Sprengsätzen kann sich jeder Urlauber und Resident auf Mallorca seines Lebens sicher fühlen. Schon seit Jahren bombt die ETA nicht mehr gegen Unbeteiligte, sondern tötet – wenn überhaupt – spanische Polizisten, Politiker, Intellektuelle. Wie in den vergangenen Tagen warnt sie zudem im Vorfeld vor Sprengstoffanschlägen. Selbstverständlich nimmt sie dabei ungewollte Personenschäden in Kauf, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ausländer dabei verletzt oder gar getötet wird, ist wesentlich geringer als beispielsweise die, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben.
So weit die nüchtern betrachteten Fakten. Dennoch fühlen sich viele Menschen verunsichert, stornieren gar ihren Urlaub. Es ist das Wesen des Terrorismus, mit relativ einfachen Mitteln größtmöglichen Schrecken zu verbreiten. Mit der erneuten Anschlagswelle am Sonntag ist es den Fanatikern gelungen, insbesondere die deutsche Öffentlichkeit aufzuscheuchen. Offensichtlich kann sie nicht unterscheiden zwischen Bomben, wie sie Tag für Tag, etwa im Irak, Dutzende Menschen in den Tod reißen, und vier kleinen Sprengsätzen auf Damentoiletten.
So gesehen – das ist bitter – hat die ETA in den vergangenen Tagen eine Schlacht gewonnen. Dass die Terroristen diesen Triumph nicht auskosten können, dafür muss nun gemeinsam gesorgt werden: die Behörden mit Fahndungserfolgen, die Medien mit Besonnenheit und wir alle mit einem klaren Bekenntnis zur Insel.