Hauseinsturz auf Mallorca: Nach dem Unglück

11-11-2009  

CIRO KRAUTHAUSEN Wie kann so etwas bloß passieren?, ist die erste Frage, die einem nach dem Gebäudeeinsturz in Palma durch den Kopf schießt. Einige Erklärungsversuche sind bereits im Umlauf: Das Haus sei schlecht gebaut gewesen, der Marés-Stein falsch eingesetzt und feucht, vom Erd­geschoss sei Wasser in den Boden gesickert, im diesem Stadtviertel gebe der Untergrund schon seit Jahren nach. Auch werden schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung laut, das Gebäude habe große Risse aufgewiesen, keiner habe sich darum gekümmert. Das kann alles sein – oder auch nicht: Es ist zu früh, um die genaue Unglücksursache zu benennen; die Ermittlungen werden wohl Monate dauern.

Die Öffentlichkeit wird darauf drängen müssen, dass nicht nur die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, sondern auch geklärt wird, ob und welche Gefahren noch anderswo schlummern. Das eingestürzte Haus stammt aus dem Jahr 1959. Damals begann man gerade damit, nicht nur Mallorca, sondern ganz Spanien mit billigen, schlecht gebauten und unansehnlichen Wohnblocks zuzukleistern. Der ungute Verdacht, dass noch viele andere dieser Häuser akut einsturzgefährdet sind, muss, sofern er denn nicht zutrifft, gründlich und überzeugend ausgeräumt werden.

Doch darüber hinaus schwingt in der Frage „Wie kann so etwas bloß passieren?" noch ein anderer, zutiefst existenzieller Schrecken mit. Ein Familienvater verlässt das Haus, um mit seinen Freunden eine Partie „Mensch ärger dich nicht" zu spielen. Als er zurückkommt, gibt es seine Wohnung nicht mehr, seine Familie ist tot. Ein junger Mann verabschiedet sich früher als sonst von seiner Clique, weil er am nächsten Tag einen Arzttermin hat – er wird ihn nicht mehr wahrnehmen können. Ein Ehepaar geht früh zu Bett, plötzlich kracht es laut und die Welt bricht über ihm zusammen. Es sind Schicksale, die unmissverständlich deutlich machen, wie nebensächlich viele unserer Alltagssorgen sind, wie zerbrechlich das Leben ist. Allen Angehörigen und Freunden gilt unser tiefstes Mitgefühl.

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