THOMAS FITZNER
Wer immer auf Mallorca ein kohärentes und umfassendes Projekt zur Tourismusvermarktung anschieben will, sieht sich mit den folgenden Hindernissen konfrontiert: In guten Zeiten sagt jeder: Wozu?, in schlechten Zeiten ist kein Geld da, und in schlechten wie guten Zeiten haben die meisten Hoteliers panische Angst davor, dass auch Konkurrenten profitieren könnten, und wollen in jedem Fall zuerst mal eine saftige Subvention. In Mitteleuropa gibt es seit 13 Jahren private Zusammenschlüsse von Hotels, die sich besonders um die sogenannten 50plus kümmern, also Touristen im besten Alter. In Großbritannien – ein Markt, der Mallorca interessieren sollte – befinden sich 60 Prozent aller Ersparnisse in den Händen der „Best Ager" (und welche Namen die Werbefritzen sich noch für ältere Touristen haben einfallen lassen).
In der EU gibt es rund 140 Millionen Menschen, die 50 oder älter sind, nahezu die Hälfte des gesamten Reisevolumens wird von Menschen dieser Altersklasse bestritten. Und die Trends sind eindeutig: Die EU-Bürger bleiben bis in ein immer höheres Alter aktiv und sind ein zunehmend interessantes – wenn auch nicht immer leicht zufriedenzustellendes – Publikum für den Reisemarkt. Was ist auf diesem idealen 50plus-Reiseziel namens Mallorca bisher geschehen, um sich darauf einzustellen? Abgesehen von Bemühungen einzelner Unternehmen so gut wie nichts, was auch nur den leisesten Verdacht auf eine potente Langzeitstrategie oder koordiniertes Handeln zwischen dem Touristiksektor und den Behörden wecken würde, nichts, was über subventionierte Rentner-Verfrachtungsaktionen hinausginge. Die goldene Ära, als noch Geld da war und man noch Zeit gehabt hätte, sich auf dem Markt zu positionieren, ist vorbei. Vielleicht sollte man die Verantwortlichen in Frühpension schicken. Auf den großen Touristikmessen jedenfalls, wo diese Trends seit über einem Jahrzehnt diskutiert werden, haben sie nichts verloren.