Der Fluch des Erbes – auf Mallorca ein Klassiker

21.01.2010 | 02:00

Erbschaftskriege wie der zwischen der Witwe des Nobelpreisträgers Camilo José Cela und dessen Sohn mögen ungewöhnlich erscheinen oder gar schockieren. In Wahrheit gehören derartige Schlammschlachten zum Standardprogramm, auch und gerade auf Mallorca, und nicht erst seit gestern. Manch historischer Erbkonflikt zog sich über Jahrzehnte hin.

Ein Beispiel betraf das Landgut Alfàbia. Als dessen Besitzer – ein Adeliger mit dem schönen Namen Gabriel de Berga i de Berga – 1756 starb, war seine Cousine im Testament als Alleinerbin ausgewiesen. Was nicht verhinderte, dass sich die gesamte Verwandtschaft mit Anwälten auf die Frau stürzte, denn es ging um ein Vermögen, das neben Alfàbia und anderen Landgütern auch Can Berga umfasste, den heutigen Justizpalast an der Carrer Mercat in Palma. Bei so viel Reichtum knipst sich der Familieninstinkt ganz von selber aus: Die Cousine wurde unter anderen von ihrer eigenen Mutter vor Gericht gezerrt. Ein kompliziertes Geflecht von Klagen und Gegenklagen beschäftigte die Familien, vor allem aber Anwälte und Gerichte über Jahrzehnte und Generationen hinweg. Der Rechtsstreit wurde erst 1858 beigelegt, nach 102 Jahren Stress!

Vor diesem Hintergrund wird der Aufstieg des Berufsstandes der Rechtsgelehrten nachvollziehbar. Sie waren langfristig die eigentlichen Gewinner solcher Prozesse. Während die meisten Adelsfamilien allmählich verarmten, verdienten sich Anwälte eine goldene Nase und gründeten so manches Vermögen, das heute als alt gilt. Die Kollateralschäden dieser Konflikte hingegen sind noch Jahrzehnte später wirksam. Bestimmte Familien oder Familienzweige gehen einander aufgrund uralter Erbgeschichten bis heute aus dem Weg. Diese unsichtbaren tektonischen Spannungslinien erklären so manches „unerklärliches“ Verhalten eines Insulaners. Aber es gab auch clevere Adelige – die schickten ihren Nachwuchs zum ­Jurastudium.

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