Belastbar, stressresistent, verantwortungsbewusst - so klingt heute jede zweite Stellenanzeige. Wer gut verdienen will, muss mehr leisten als der Durchschnitt. Spaniens Fluglotsen verdienen sehr gut - zum Teil doppelt so viel wie ihre Kollegen in Deutschland. Ob sie auch doppelt so viel leisten, sei dahingestellt.
Ein kleines Kollektiv bringt den gesamten Flugverkehr durcheinander, weil es sich zu sehr an seine Privilegien gewöhnt hat. Während das ganze Land Gehälter kürzt, Budgets einfriert und Hypotheken vom Notgroschen bezahlt, sperren sich die Lotsen gegen Reformen und die Kappung der fürstlich entlohnten Überstunden.
Dabei mag es durchaus sein, dass manche Fluglotsen unter den Arbeitsbedingungen leiden, ja, geradezu gefrustet ihren Dienst absitzen. Die staatliche Flughafenverwaltung ist ein zentralistisches Monster, das nicht gerade durch Flexibilität und Dienstleistungsmentalität auffällt – ein motivierender Arbeitgeber, mit dem sich die Angestellten identifizieren können, sieht anders aus. Übrigens hätte ein langfristig planendes Unternehmen auch schon längst genügend Nachwuchs rekrutiert, um sich nicht von den wenig gut ausgebildeten Fachkräften auf der Nase herumtanzen zu lassen.
Dieser Konflikt zwischen einem kleinen, aber mächtigen Kollektiv und einer großen, aber ineffizienten Behörde wird nun ausgerechnet auf dem Rücken der Urlauber ausgetragen. Das ist für die unmittelbar betroffenen Reisenden ein Ärgernis und für das gesamte Land eine Bedrohung: Spanien lebt vom Tourismus. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen muss der Urlauber eigentlich gehegt und gepflegt werden, auf dass er auch ja wiederkomme und nicht an Konkurrenzdestinationen wie die Türkei und Kroatien verloren gehe. Der Arbeitskonflikt müsste insofern so schnell wie möglich beigelegt werden - wobei es derzeit nicht danach aussieht.