Touristische Großprojekte auf Mallorca: Gute Nachrichten, aber keine Patentrezepte

06-10-2011  

Es geht los. Gut hundert Tage nach Amtseinführung der konservativen Regierung unter José Ramón Bauzá, werden auf Mallorca die ersten touristischen Großprojekte verkündet. Wer genauer hinschaut, bemerkt schnell, dass sie nicht ganz neu sind: Sowohl das geplante Resort in Canyamel als auch die Zusammenlegung der Melià-Hotels in Magaluf sind schon länger geplant, das Hotel Jumeirah in ­Sóller ist sogar schon seit 2009 im Bau. Nun aber werden diese Projekte vorgestellt oder aus der Schublade gezogen und bringen frischen Wind in die trotz oder gerade wegen ihrer guten Saisonbilanzen stagnierenden Tourismuswirtschaft der Insel.

Das gilt vor allem für die Sanierung von Magaluf. Sie soll nun also im großen Stil der Melià-Gruppe anvertraut werden. Das mag ideologisch nicht allen schmecken – wenn alles so läuft, wie es sich die Escarrers und die Regierung vorstellen, dürfte es sehr wohl auf eine Teilprivatisierung dieses öffentlichen Küstenabschnitts hinauslaufen – , aber es ist wohl die praktikabelste Lösung, um den schon weit fortgeschrittenen Niedergang dieser traditionell britischen Hochburg aufzuhalten. Auch wenn sie zu Lasten des Einzelhandels und vieler kleiner Gastronomen gehen wird, ist die Wahl zwischen Chichi-Resort und Fish-&Chips-Slum schnell und eindeutig getroffen. ­Mallorca, so viel ist unstrittig, braucht nicht nur, aber doch immer mehr Qualitätstouristen. Und wenn sich ihrer die zum Global Player gewordene mallorquinische Hotelgruppe Melià annimmt, umso besser.

Entlang ähnlicher Linien lässt sich auch im Falle des Jumeirah-Hotels in Sóller – hier verschwindet eine Bauruine – und mit Einschränkungen auch beim Canyamel-Resort argumentieren. Hohe private Investitionen in große Anlagen bringen der Insel, sofern sie keine Landschaft zerstören, Mehrwert. Anders als Tourismusminister Carlos Delgado glauben machen will, sind sie aber kein Patentrezept. Schon gar nicht für die größte und weitaus komplexeste Herausforderung: die Sanierung der Playa de Palma. Auch an ihr wird sich die konservative Regierung eines Tages messen lassen müssen.


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