Hört nicht auf die Nörgler, schaut lieber den Hoteliers auf die Finger

02.07.2015 | 11:47

Die Deutschen gelten nicht nur als Reise-, sondern auch als Mecker-Weltmeister – wobei beides meist in Kombination, also am Urlaubsort zum Ausdruck kommt. Allerdings ist Beschwerde nicht gleich Beschwerde. Da sind zum einen die notorischen Nörgler, die immer und überall etwas auszusetzen haben, und zum anderen Leute, die tatsächlich Grund zur Klage haben – etwa weil sie in einem Ausweich-Hotel untergebracht wurden, das der gebuchten Unterkunft so gar nicht entspricht.

Erstere Spezies ist im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass den Deutschen der Ruf, alles kleinlich zu bekritteln, meist schon vorauseilt. Sie stören sich daran, dass auf der Insel zu viel Müll herumliegt, die Straßen in zu schlechtem Zustand sind oder der Natur­strand von Pflanzen übersät ist – wohlgemerkt ökologisch wertvollem Neptungras, keinen Algen. Wer damit nicht klarkommt, sollte vielleicht besser Urlaub im Voralpenland machen. Während diejenigen, die 400 Euro für eine Woche inklusive Flug, Hotel und Verpflegung zahlen und sich Luxuszimmer und kulinarische Hochgenüsse erwarten, besser mal einen Taschenrechner zur Hand nehmen: Wer zu sehr aufs Geld achtet, darf nicht gleichzeitig Wert auf Qualität legen.

E-Paper: MZ-Report - worüber Urlauber am meisten klagen

Die zweite Spezies hingegen sollte Mallorcas Tourismusverantwortliche nicht kalt lassen. Wenn Urlauber in Hotels, die angeblich saniert oder in eine höhere Kategorie befördert wurden, nur Pfusch und mangelhaften Service vorfinden, kann das dem Ruf der ganzen Branche schaden. Es reicht nicht, im Hauruckverfahren Gesetze zu verabschieden, um den vielgepriesenen Qualitätstourismus zu fördern. Die Behörden müssen den Hoteliers nun auch auf die Finger schauen. Nicht überall, wo mehr Sterne drauf stehen, sind offenbar auch mehr Sterne drin. Ähnliches gilt für die Benimm-Regeln gegen die Exzesse in den Partyhochburgen: Wenn man diese schon europaweit in die Schlagzeilen bringt, dann muss man sie auch durchsetzen, sonst macht man sich lächerlich – während Touristen, die tatsächlich an deren Wirkung glaubten, sauer sind. Und das zu Recht.

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