Solidarität und Ohnmacht in der Flüchtlingskrise

24.03.2016 | 09:09

Irgendwo zwischen zerbombten Städten in Syrien und 120 Tonnen für Flüchtlinge gesammelter Hilfsgüter in Inca zeigt sich die ganze Bandbreite der Gegensätzlichkeiten dieser humanitären Krise, die Europa seit einem Jahr umtreibt und in zunehmend verhärtete Lager spaltet. Wäre es nicht so tragisch, ginge es nicht um real bedrohte Existenzen, könnte man über den nicht zu Ende gedachten Aufruf der Stadträtin aus Inca befreit schmunzeln. In Deutschland zeigen sich derweil nach der ersten Euphorie der Willkommens­kultur längst Ermüdungserscheinungen. Die einen wollen keine Flüchtlinge, die anderen keinen politischen und gesellschaftlichen Rechtsruck. Inwieweit zwischen beiden Lagern noch ein echter, produktiver Diskurs stattfindet, ist fraglich. Was häufig bleibt, ist Ohnmacht.

In Spanien ist das in vielerlei Hinsicht anders: Während die Wähler in zahlreichen EU-Ländern Parteien aus dem rechten Spektrum in die Parlamente wählen, rüttelten bei den spanischen Wahlen mit Podemos und den Ciudadanos eher
Vertreter von links und aus der Mitte das etablierte Parteiensystem auf. Gleichzeitig hat Spanien bislang noch nicht einmal 20 Kriegsflüchtlinge aufgenommen, Mallorca gar keine, obwohl auf der Insel längst alles bereitsteht.

Dabei zeigen die Spanier generell viel Solidarität mit den Flüchtlingen. Dass das Engagement – wie jetzt in Inca – teils nahezu grotesk ins Leere läuft, ist nicht die Schuld der Spendenden. Auch hier hat die Politik versagt, wenn auch im Kleinen und ohne dramatische Folgen. Im Großen hat die EU ein Abkommen mit der Türkei geschlossen, das gegen viele Konventionen und Werte verstößt und drastische Konsequenzen hat.

„Krise ist jener ungewisse Zustand, in dem sich etwas entscheiden soll: Tod oder Leben – Ja oder Nein", sagte Kurt Tucholsky. Die spanische Abkürzung für EU lautet UE. In den sozialen Medien wird das für ein Wortspiel genutzt: vergUEnza, Schande.

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