Und jährlich grüßt der Sangría-Eimer

05.05.2016 | 09:17

Wenn Boulevardmedien ihre Mallorca-Berichterstattung zu Saisonstart planen, können sie ein Thema als feste Größe stets einkalkulieren: die Saufgelage an der Playa de Palma. Nicht nur auf die Party-Urlauber ist Verlass, auch auf die Lokalpolitik, die wieder neue Offensiven, Verbote und Geldstrafen aus dem Hut zaubert oder wiederbelebt. Und Exzesse sind trotzdem an der Tagesordnung in Mallorcas wichtigstem Urlaubsgebiet.

Wenn die Politik der harten Hand zur Posse wird, liegt das vor allem am Aktionismus in Palmas Rathaus und im Tourismusministerium. Statt langfristig für klare Regeln zu sorgen und diese auch durchzusetzen, reagiert die Politik auf jeden Aufreger. Interpretiert die „Bild" das Ende der Benimmregeln als Freigabe der Sangría-Eimer, verkündet die Stadt 3.000-Euro-Strafen. Schicken Anwohner Fotos von Zusammenrottungen der Party-Urlauber, gibt es einen Fototermin mit Spitzenpolitikern. Und steht in diesem Klima die an sich harmlose Ballermann-Polonaise an, wird der Polizeichef höchstpersönlich beim Wirt vorstellig.

Dabei fehlt es nicht an Aktionen, sondern an Transparenz und Verlässlichkeit. Das politische und juristische Wirrwarr um die Verordnungen infolge von Regierungswechseln und Gerichtsurteilen ist kaum noch einem Urlauber vermittelbar. Vergilbte Verbotsschilder an der Playa zeugen von früheren Offensiven, die im Sande verliefen. Hinzu kommt, dass für ein und denselben Strand wegen der Zugehörigkeit zu Llucmajor und Palma verschiedene Regelwerke gelten. Diese sind zudem nicht klar definiert – was ist denn nun mit dem Urlauber, der am Strand friedlich ein Bierchen trinkt? Und was mit der Benutzung von Glasflaschen?

Verbot von Saufgelagen auf Mallorca: zehn Fragen, zehn Antworten

Vielleicht greift die Stadt jetzt wirklich durch. Es wäre aber nicht überraschend, wenn es nach den ersten Aktionen wieder still wird – und nächstes Frühjahr dasselbe Spielchen beginnt. Das wäre dann wieder eine schöne Gelegenheit, die immer griffbereiten Archivbilder vom Sangría-Eimer zu veröffentlichen. Auch so kann man ein Image pflegen.

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