Hyatt, Es Trenc und die Urlaubermassen

26.05.2016 | 10:56

Biel Barceló geht es ein bisschen wie dem Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los", könnte auch der Tourismusminister verzweifelt ausrufen angesichts der Urlaubermassen, die in diesem Sommer auf die Insel drängen werden – wobei er sie nicht mal selbst gerufen hat. Dass so viele kommen, liegt an der weltpolitischen Lage ebenso wie am ausgeweiteten Flugangebot und der Tatsache, dass immer noch alle Inselbesucher ein Dach über dem Kopf finden. Hinzu kommen Tausende Privatapartments und -zimmer – und auch neue Hotels: Im Hyatt-Resort stehen ab Juni 284 zusätzliche Betten zur Verfügung.

„Das ist Tourismus, das lässt sich nicht stoppen", sagt ein Barbetreiber im Report (S. 4–5) – und er hat recht: Die Zahl der Touristenankünfte zu limitieren, würde gegen den freien Personenverkehr verstoßen, musste längst auch Biel Barceló einsehen. Und die Airlines, die auf einer Insel den entscheidenden Hebel in der Hand haben, gehorchen sicher nicht der Balearen-Regierung, sondern allein den Gesetzen des Marktes, Angebot und Nachfrage. Auch punktuelle ­Zugangsbeschränkungen, etwa durch Naturschutzauflagen, wie sie nun am Es-Trenc-Strand geplant sind, verlagern das Problem nur. Denn die Massen sind da: Wenn sie nicht an jenem Strand baden, tun sie es an einem anderen.

Der neue Trend des individualisierten Pauschalurlaubens, bei dem sich immer öfter auch der Gast eines Drei-Sterne-Hotels an der Playa de Palma einen Mietwagen nimmt, um abgelegene Buchten zu erkunden, macht das Ganze nicht besser. Die Geister bleiben nicht mehr in ihren Urlauber-Gettos, sondern schwirren auf der ganzen Insel umher. Herr werden kann man ihnen nur mit einer klaren Begrenzung der Übernachtungskapazitäten. Die geplante Gesetzesänderung, wonach Boutiquehotels oder Luxuskomplexe nicht mehr zusätzlich entstehen dürfen, sondern nur, wenn anderswo Betten rückgebaut wurden, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Dringend folgen muss ein striktes Limit für private Ferienwohnungen – auch wenn ein nicht unerheblicher Teil der Insulaner das gar nicht gut fände.

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