Prügel an der Playa, Aktionismus im Rathaus

06.07.2017 | 09:35

Es liegt womöglich am Zeitpunkt der Debatte, dass alle Lösungsvorschläge wenig Aussicht auf Erfolg versprechen. Der Erregungsgrad nach der viralen Verbreitung eines weiteren Prügel-Videos von Deutschen an der Playa de Palma  in den sozialen Netzwerken ist so hoch, dass auf Mallorca spontan ziemlich viel Unsinniges gefordert und angekündigt wird. Den offensichtlich zunehmenden Exzessen in Mallorcas wichtigstem Tourismusgebiet ist jedenfalls so nicht beizukommen.

Da wäre die spontane Empörung der deutschen Landsleute, die eine Art Verbannung der Missetäter fordern – gerade so, als ob raufsüchtige Trunkenbolde trotz Freizügigkeit ausgewiesen werden könnten. Unsachlich sind auch die verbalen Ausrutscher von Antoni Noguera. Die Prügeltouristen mögen in den sozialen Netzwerken beschimpft werden – Palmas Bürgermeister sollte sie nicht als Abschaum bezeichnen. Das ist genauso wenig zielführend wie ein Gespräch mit der Konsulin – als ob diese ihren Landsleuten Stubenarrest verordnen oder eine Gesichtskontrolle am ­Abflugterminal in Deutschland veranlassen könnte.

Wenig Erfolg verspricht die Ankündigung, Alkoholkonsum in All-inclusive-Hotels zu reglementieren. Die Playa-Urlauber geben sich schließich nicht im Hotel die Kante. Selbst die Reiseveranstalter haben nur geringe Schuld: Nicht ihre Prospekte, sondern die Mundpropaganda und die sozialen Netzwerke zeigen Mallorca als Paradies der Exzesse.

Aber auch der Ruf nach mehr Polizei bringt wenig. Es ist offensichtlich, dass die Policía Local ein strukturelles Problem hat und mit der Lage überfordert ist. Der Polizeichef mag die Lage seiner Truppe beschönigen, hat aber recht mit dem Argument, dass es mit Feuerlösch­aktionen nicht getan sein kann.

Alle Verantwortlichen sollten deswegen im Herbst noch mal zusammenkommen und ohne Notwendigkeit von Aktionismus die Lage analysieren, schon vor Saisonbeginn ein Sicherheitskonzept entwickeln und vor allem ordnungspolitisch eingreifen. Solange nicht die Betreiber der großen Partytempel in die Verantwortung genommen werden, sind die nächsten Skandalvideos in Facebook und Co. nur eine Frage der Zeit.

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