Stimmabgabe für die Wahlen auf einem anderen Planeten

24.09.2017 | 08:04

Leicht gesagt, dass man auch als Mallorca-Deutscher von seinem Wahlrecht in der Bundesrepublik Gebrauch machen soll – sei es, um persönliche Interessen zu vertreten, die der Auslandsdeutschen im Allgemeinen oder schlicht aus Gemeinsinn. Doch da wäre zum einen die bürokratische Hürde, die so banal wie folgenschwer ist. Während sich inzwischen Hypotheken zu Hause im Schlafanzug beantragen lassen, muss für die Eintragung ins Wahlregister ein nicht speicherbares Formular ausgefüllt, ausgedruckt und rechtzeitig der gemächlichen Post anvertraut werden. Das ist kein Ding der Unmöglichkeit, aber doch eine relevante Hürde für viele Mallorca-Deutsche.

Umgekehrt hält sich das Engagement der Spitzenkandidaten für die Auslandsdeutschen ebenfalls in Grenzen. Im Wahlkampf ging es um viele Themen, auch schon mal um Tierexperimente, die Verschwendung von Lebensmitteln, das Tempolimit auf Autobahnen. Doch fiel irgendwo eine Bemerkung zu Auslandsschulen, zum Doppelbesteuerungsabkommen, zu Pflegesachleistungen für Spanien-Deutsche? Es ist verständlich, dass die Bundespolitiker Mallorca eher als Ort zum Verschnaufen denn als Lebensmittelpunkt ihrer Wähler wahrnehmen. Doch Motivation zur Teilnahme am Urnengang ist das nicht.

Vor allem aber verlieren langjährige Mallorca-Residenten nach und nach den Bezug zur alten Heimat, je mehr sie das Geschehen und die öffentliche Debatte auf Mallorca und in ganz Spanien in den Bann ziehen. Die deutschen TV-Nachrichten scheinen von einem anderen Planeten zu kommen, auf dem es statt um Tourismus, Separatismus oder Korruption vor allem um Dieselkraftstoff, Erdogan und die Flüchtlingskrise geht. Was ist das für ein Deutschland, in dem sich ein großer Graben auftut und erstmals eine rechtspopulistische Partei in den Bundestag einzuziehen droht?

In dieser Situation Partei zu ergreifen, ist dann doch Grund genug, als Mallorca-Resident nicht außen vor zu bleiben.


Hintergrund 1: Interview mit FDP-Spitzenkandidat Lindner

Hintergrund 2: Interview mit Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch

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