Das Thema Selbstmord ist kaum zu übersehen

26.10.2017 | 12:01

Über Selbstmörder berichtet man in den Medien nicht. Dieser Grundsatz wurde vor gut 13 Jahren während meines Volontariats in der Journalistenschule gelehrt, diesen Grundsatz kannte ich schon vorher von meiner Arbeit in verschiedenen Redaktionen. Macht man nicht, basta. Das lockt nur Nachahmer an, Zahlen verschiedener Studien belegen dies.

Woher kommen diese Zahlen? Sie werden erhoben, weil man eben doch immer mal wieder über solche Fälle berichtet. Wenn es sich zum Beispiel um eine sehr bekannte Persönlichkeit handelt, kann man die Todesursache nicht wirklich verschweigen. Der Sänger Kurt Cobain ist nun einmal nicht an Alterschwäche gestorben, ebenso wenig der Torwart Robert Enke. Und wenn man ein Fan oder Bewunderer dieser Personen ist, möchte man auch verstehen, warum sie diese letzte Entscheidung getroffen haben.

Oft stecken dahinter ernstzunehmende Krankheiten wie Depressionen, über die man natürlich berichten muss. Und auch darüber, wie eine Depression enden kann. Selbstmord sollte kein Tabu-Thema sein, dafür betrifft es viel zu viele Menschen. Nicht nur, dass Suizid zu der häufigsten nicht natürlichen Todesart in Spanien geworden ist. Ein Selbstmord wird wie ein Unfalltod mehr als 100 Menschen betreffen. Neben Familie, Freunden, Bekannten oft auch Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rettungssanitäter, Unbeteiligte. Er ist unübersehbar in unserer Gesellschaft.

Sollte man jetzt anfangen, über jeden Selbstmörder zu berichten? Nein, natürlich nicht. Aber das Thema Selbstmord gehört auf die Agenda. Dazu rufen auch die Hilfsorganisationen auf, die sich professionell mit dem Thema Tag für Tag auseinandersetzen.

Ein Thema zu tabuisieren hilft niemandem weiter. Tabu bedeutet das Ende von Kommunikation. Wenn die Kommunikation abbricht, steht man alleine da. Und gerade dies gilt es beim Freitod zu verhindern. Denn sonst wird man totgeschwiegen.

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