Wohnen auf Mallorca: Traumhaus bei Bunyola

11-06-2009  
Die dekorative Kaminecke, die einen großen Teil des Wohnraumes einnimmt.
Die dekorative Kaminecke, die einen großen Teil des Wohnraumes einnimmt.  Foto: Nele Bendgens

NELE BENDGENS Sie hatten von den verregneten Sommern in der Schweiz genug, Elisabeth Wohlwender und Gerd Rethage zog es in den Süden. Eigentlich waren die beiden von der Toskana begeistert, doch aus beruflichen Gründen – die beiden sind Inneneinrichter – orientierten sie sich nach Mallorca. Im Januar 1998 siedelten sie um. In Santa Maria eröffneten sie das Einrichtungs­geschäft „Decoraciones Interiores".

Somit war der erste Schritt getan. Nun ging es darum, sich auch privat einzurichten. Von Santa Eugènia aus, wo sie sich erst einmal niedergelassen hatten, suchten die beiden ein Haus. Zwei Jahre dauerte es, bis sie in der Gemeinde Bunyola einen kleinen Weg einschlugen. Er führt direkt in das bezaubernde Tal Biniforani. Elisabeth Wohlwender und Gerd Rethage mieteten dort ein 180 Quadratmeter großes Haus. Es war das, wovon sie immer geträumt hatten. Das Anwesen lag am Hang. Sie legten einen Rosengarten an. Da es nur wenige Anwohner gab, kannte und half man sich untereinander. Manchmal betreute die Dekorateurin ein unten im Tal liegendes Häuschen und die dort lebenden Katzen. Es schien alles perfekt. Sieben Jahre später dann die Nachricht, dass der Vermieter selber in das Haus einziehen wollte.

Also machten sich Elisabeth Wohlwender und Gerd Rethage auf die Suche nach einem neuen Heim. Doch nichts kam an die Idylle von Biniforani heran. Da traf es sich gut, dass die Freundin unten im Tal auszog. Es war, wie gesagt, nur ein kleines Häuschen, gerade mal 80 Quadratmeter groß. Wohlwender überlegte hin und her, bis sie eines Tages zwischen den Zitronenbäumen auf einem Fels vor der Tür saß und auf die Fasade des 200 Jahre alten Hauses schaute. „Wieso nimmst du nicht dieses Häuschen? Es hat doch alles, was du brauchst." Also zogen die beiden um und richteten sich die Räume nach ihren Vorstellungen ein. Das Wichtigste war: Sie konnte in dem Tal ihrer Träume bleiben. Die 60-jährige Wohlwender gestaltete es so, dass es für sie nun stimmig ist. „Ich liebe es, es ist einfach und hat dadurch einen natürlichen Charme." Da sie inzwischen alleine lebt, ist die Größe genau richtig.

Das Gebäude, welches früher wahrscheinlich eine Stallung war, ist in eine von den Mauren errichtete Mauer aus dem 12. Jahrhundert integriert. Deshalb ist es auch so unscheinbar. Wenn man die Straße entlangkommt, nimmt man nur die Zitronenbäume wahr und achtet eigentlich mehr auf die imposanten Berge und die Natur. Wenn man dann den Weg entlanggeht und auf das Grundstück tritt, ist man erstaunt, wie groß Terrasse und Garten sind. Durch die Begrünung bekommt die Steinmauer einen speziellen Charme. Der Eingangsbereich hat ein kleines Vordach, und rechts und links steht ein kugeliger Liguster. Ein Vorbesitzer hat den oberen Teil des Hauses aufgestockt – erst so kamen die heutigen 80 Quadratmeter zustande. Das 1,20 Meter dicke Mauerwerk hält die Räume im Sommer kühl, im Winter bleibt es warm. Wenn man hereintritt, steht man direkt im Wohnbereich, rechter Hand ist ein großer Kamin, umsäumt von gemauerten Sitzbänken. Wohlwender genießt diesen Platz mit Freunden am Feuer. Für den Sommer dekoriert sie den Kamin. Sie hat viele Topfpflanzen aufgestellt, integriert so die Natur von außen in die Stube. „Sonst ist es mir zu kalt."

Da die Zimmer jeweils nur ein Fenster haben, sind die Räume sehr dunkel. Kleine Deckenspots und andere Lichtquellen spenden warmes Licht, sie müssen auch tagsüber eingeschaltet werden.

Die Möbel sind hell, um die Räume größer erscheinen zu lassen, außerdem erfordert die Natursteinwand auch natürliche Farben. Die Raumgestalterin veränderte deswegen ihre Möbel. Das im großen Haus mit einer grün-blauen Husse überzogene Sofa hat nun seinen cremefarbenen Originalbezug zurückerhalten. Das grünliche edle Porzellan auf der weißen Kommode erinnert an die vorherige Farbe dieses Möbelstücks. Hier legte die Inneneinrichterin selbst Hand an. In Anlehnung an eine im gleichen Raum stehende vorhandene Glasvitrine hat sie die Kommode mit einem matten gebrochenen Weiß grundiert. Die zweite Farbschicht hat einen leichten, eierfarbenen Cremeton. Dann hat Wohlwender mit einem dunkleren Ton hier und da mit einem Lappen Schattierungen eingerieben. Im letzten Schritt sollen die Kanten noch mit einem scharfkantigen Messer oder einer Rasierklinge leicht geschliffen werden, um die Kommode alt wirken zu lassen.

Diese Liebe zum Detail und das helle Ambiente ziehen sich durch das ganze, sonst eher dunkle Haus – bis in das Schlafzimmer und das Gästezimmer im Obergeschoss mit dem schönen Ausblick auf die Tramuntana. Die Fenster sind auch hier klein, aber sie lassen die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen herein.

Als einzigen Farbklecks auf diesen 80 Quadratmetern gibt es einen blauen Couchtisch – wobei, wer weiß, vielleicht wird auch er noch durch einen cremefarbenen ersetzt. Wohlwender liebt ihr kleines Schmuckkästchen, aber sobald die ersten Sonnenstrahlen herauskommen, zieht es sie direkt nach draußen in ihren Garten. Beim Pflanzen und Pflegen der Blumen genießt sie die Stille des Tales und fühlt sich zwischen den Rosen und Zitronenbäumen eins mit der Natur. Hinter ihr weiß Elisabeth Wohlwender dann jahrhundertealte Mauern, die zu einem Teil der Landschaft geworden sind. Und in ihnen ein von ihr gestaltetes Refugium.

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