Wohnen auf Mallorca: Konditorhaus in Campos

11-06-2009  
Kitsch ist Ansichtssache - Lennertz mit Erinnerungsstücken.
Kitsch ist Ansichtssache - Lennertz mit Erinnerungsstücken. Foto: Bendgens

NELE BENDGENS Hier ist nichts perfekt. Aber das macht nichts, denn Theo Lennertz verleiht seinem Haus in Campos eine ganz persönliche Note. Vieles wirkt wie eine bunte Geburtstagstorte. Der Konditor zeigt Mut zur Farbe.

Donnerstags ist in Campos Markttag. Es ist ein buntes Treiben zwischen farblosen Fassaden. Doch in einem dieser Häuser wohnt Theo Lennertz, der aus seinem angemieteten Haus eine Villa Kunterbunt mit viel Farbe und fröhlicher Atmosphäre geschaffen hat. 1977 hat der gebürtige Viersener Urlaub auf Mallorca gemacht und war so fasziniert von der Insel, dass er sie über Jahre hinweg im Kopf behielt. Doch erst einmal verschlug es ihn nach Köln, wo er über 15 Jahre einen Feinkostladen führte.

Als der gelernte Konditor 40 wurde, verkaufte er sein Geschäft und verwirklichte seinen Traum, auf Mallorca zu leben. Im Jahr 2000 schaute er sich auf der Insel um, und am besten gefiel ihm das verwinkelte Dorf Campos, durch das er immer zum Strand Es Trenc fuhr. Er fand es schnuckelig, die alten Häuser faszinierten ihn, und nah an Palma war es auch.

Eine Freundin vermittelte ihm die Besichtigung eines 120 Jahre alten Stadthauses. Als er es das erste Mal betrat, ging er rückwärts wieder raus. Es hatte 20 Jahre leer gestanden, und so roch es auch. Doch an einem sonnigen Tag machte er einen zweiten Anlauf, und als er so in den Räumen stand, entschied er: „So, Theo, jetzt pack es an und mach was draus."

Zwei Tage später wurde der Mietvertrag ausgehandelt. Er rief sofort die Spedition an und holte all sein Hab und Gut auf die Insel. Die Entscheidung war gefallen, Theo Lennertz hatte seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.

Doch die Arbeit an dem rund 200 Quadratmeter großen Haus, das sich über zwei Etagen erstreckt, fing jetzt erst an. Er steckte seine gesamten Ersparnisse und Energien in das Projekt. Da alles so moderig und triste war, wurde erst einmal gründlich geputzt und die Küche orange gestrichen, um ein bisschen Licht und Leben ins Haus zu bringen. Der erste Farbtupfer war gesetzt.

Das Obergeschoss war nur ein Speicher, unbewohnbar, es gab keine Fenster, nur Öffnungen. Dort wurden früher Schinken, Tomaten und Sobrassada getrocknet. Lennertz flieste den Boden, setzte Fenster ein, verputzte die Wände grob und trug kräftige Farbtöne im rustikalen Stil auf – in der Struktur passend zu einem nicht perfekten Dachboden.

Wenn man die Treppen zum Speicher hinaufsteigt, gelangt man jetzt in einen Vorraum, von dem zwei Zimmer abgehen. Dieser kleine Salon ist in Altrosa gestrichen, hier und da wurden noch zusätzliche bunte Farbflächen integriert. Hier oben wird das Kind in einem geweckt.

Rechts geht es in ein kleines mintfarbenes Gästezimmer. Es entlockt einem ein kleines Schmunzeln, man könnte es auch die Gute-Laune-Kammer nennen.

Ein weiterer Raum im Obergeschoss ist orange gestrichen und mit roten und teilweise auch alten Möbeln dekoriert. Hier fühlt man sich wie auf einer Theaterbühne, die zusammengewürfelten Stilrichtungen haben etwas Kurioses. Die Gäste, die hier oben untergebracht werden, tauchen wahrlich in eine ganz andere Welt. Es dürfte ihnen nicht schwerfallen, vom Alltag abzuschalten.

Theo Lennertz selbst lebt im Erdgeschoss, an dem ein Innenhof und ein 200 Quadratmeter großer Garten angeschlossen sind. Dort befindet sich auch das kleine Badezimmer. Als nächstes Projekt wird jetzt in einem großen Abstellraum ein neues Außenbad angelegt.

Wer an dem Haus des Köln-Liebhabers vorbeigeht und einen Blick durch die Fenster erhascht, entdeckt zahllose Kleinigkeiten – Lennertz nimmt nicht nur Menschen, sondern auch alle möglichen Gegenstände liebevoll in sein Dorfhaus auf. Jedes Geschenk oder Mitbringsel hat seine Geschichte und findet seinen Platz.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die mallor- quinischen Nachbarn neugierig zur Tür hineinschauen, bei Lennertz einen Kuchen bestellen und interessiert die Kinkerlitzchen-Sammlungen begutachten, die in dem langen Gang untergebracht sind. Eine Teddybären-Gruppe, ganz viele Engel, in einer Vitrine Bilder von Hochzeitspärchen. Stoffe hängen wie Bilder von der Wand oder sind in Schranktüren eingefasst, dazwischen ein Gemälde von Ponys aus der Kindheit. Und in jedem Raum: Bilder oder Figuren des Kölner Doms. Lennertz hat sich ein Stück Heimat nach Mallorca geholt.

Für den einen oder anderen mag es Kitsch sein, für Theo Lennertz sind es wunderbare Erinnerungen. Und seine Besucher wissen das kleine Museum zu schätzen. Jedes einzelne Zimmer ist ein neues Erlebnis, wie der blassrosa Wohnraum mit den roten Möbeln oder das Schlafzimmer in Lindgrün. „Ich liebe dieses Haus, ich habe sehr viel Energie hineingesteckt", sagt er.

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