Zistrosen gegen böse Geister

14-05-2009  
Wilde Zistrosen und Hybriden: 1. Snow White, 2. Sunset, 3. Greyswood Pink, 4. Cistus skanbergii, 
<BR>5. Cistus ladanifer ?Paladin´, 6. Tramontane, 7. Cistus monspeliensis, 8. Cistus albidus.
Wilde Zistrosen und Hybriden: 1. Snow White, 2. Sunset, 3. Greyswood Pink, 4. Cistus skanbergii,
5. Cistus ladanifer ?Paladin´, 6. Tramontane, 7. Cistus monspeliensis, 8. Cistus albidus.  Fotos: Nele Bendgens

BARBARA POHLE An sonnigen Maitagen entfalten die Blüten der Zistrosen einen wahren Farbenreigen in Weiß, Pink, Purpur, Lila und Gelb. Das „Sonnenröschen“, auch „Rock- Rose“ genannt, blüht dann mit dem gelben Insel-Ginster um die Wette. Der immergrüne, niedrige Cistus-Strauch gilt als eine der wichtigen Charakterpflanzen der mediterranen Macchie. Obwohl er an Wegrändern und auf den Terrassen der Natursteinmauern gedeiht, ist er alles andere als ein Mauerblümchen.

Für die Botaniker sind die Zistrosengewächse eine eigene Gattung mit rund 20 Arten im Mittelmeerraum. Züchtungen der Wildpflanze haben es in Beeten geschafft, spektakuläre Blüten zu zeigen: Snow White, Sunset oder Greyswood Pink. Diese Hybriden sind in einem Garten bei Esporles zu betrachten: „Cistus-Sträucher sind ideale Heckenpflanzen“, sagt die studierte Gartendesignerin Cindy Evans.

An den Hängen eines Tramuntana-Ausläufers hoch über Esporles gelegen, ist ihr Anwesen eine artenreiche Kollektion mit botanischen Raritäten. Auf 30 Terrassen breiten sich über 200 verschiedene Salbeipflanzen aus aller Herrren Länder aus. Beete mit aromatischen Heilpflanzen wie Minze, Rosmarin und Lavendel wechseln sich ab mit englischen Rosen des Züchters David Austin.

Die 48-Jährige ist eine passionierte Gärtnerin mit botanischem Know-how. 2002 zog sie mit Mann Christopher und ihren zwei Söhnen aus Südengland nach Mallorca. An der königlichen Akademie in Winsley hatte sie zuvor Gartenbau studiert, Evans ist Mitglied der „Mediterranean Garden Society“, und veranstaltet regelmäßig Besichtigungen in ihrem privaten botanischen Garten. Eine der Terrassen dort – etwa 180 Meter lang, 8 Meter breit – ist den Zistrosen vorbehalten. Die Sträucher wachsen dicht an dicht, ein Weg schlängelt sich durch das Dickicht. Die ineinander verschlungenen Zweige ergeben den Eindruck eines polsterartigen Bodendeckers. Jeden Morgen öffnen sich bei Sonnenaufgang die faltigen Blüten, am Mittag wirken sie wie ein Teppich im Millefleurs-Muster. Abends verwelken sie, die Blätter und Äste der Hecken verströmen dann einen betörend harzigen, leicht süßen Duft.

Aber Zistrose ist nicht gleich Zistrose: „Am häufigsten kommt auf Mallorca die Cistus albidus vor“, sagt Evans. Die Weißliche Zistrose ist nach dem hellen Flaum auf den Blättern benannt, ihre Blüten sind pinkfarben. Auf der Insel ist auch die Cistus monspelienis, die Montpellier-Zistrose, oft anzutreffen. Die weißblühende Wildpflanze gilt als besonders widerstandsfähig und wird bevorzugt zur Aufforstung nach Waldbränden eingesetzt. Die beiden Arten – sie kamen als winzige Setzlinge ins Beet – waren der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen der Zistrose und Evans, aus der sich eine Leidenschaft und gleichzeitig eine stattliche Sammlung entwickelte.

Als die auf Mallorca heimischen Zistrosen im Garten bei Esporles Wurzeln gefasst hatten, wagte Evans, mit Samen und Stecklingen Hybriden mit spektakulären Blüten zu züchten. So zum Beispeil die Montpellier-Zistrose, eine Gartenhybride, die man an den rotbraunen Basalflecken erkennt und die dem großblütigen Hibiskus durchaus das Wasser reichen kann.

Oder die Kretische Zistrose, die es in einer weißen oder rosafarbenen Blütenversion gibt. In Griechenland zählt diese Wildpflanze zu den Heilkräutern. Deren Blätter und Zweige enthalten Polyphenole, von denen man sagt, dass sie wirksam gegen Entzündungen und Grippe sowie Erkältungen sind.

Im Garten wächst ebenfalls die Lack-Zistrose Cistum ladanifer. Die Blätter des Strauches sind tiefgrün und glänzend. Sie sondern ein klebriges, würzig duftendes süßes Harz ab. Es dient zur Destillation des Labdanum, neben Patchouli, Myrrhe und Sandelholz eine kostbare Zutat für Weihrauch. Auch als Aphrodisiakum wird es eingesetzt, in der Homöopathie kommt es zum Einsatz, es soll auch böse Geister vertreiben.

Plege von Zistrosen im Garten

Die verschiedenen Arten aus der Familie der Zistrosengewächse haben eines gemeinsam: Sie sind genügsam, widerstandsfähig und robust. Die Büsche kommen mit dem schweren, kalkhaltigen Inselboden bestens zurecht. Ihre Standorte sollten sich im Halbschatten befinden, unter Pinien gedeiht die Zistrose prächtig. Nur in den ersten Jahren sollten die Setzlinge mit Wasser verwöhnt werden. Die Sträucher können eineinhalb bis zwei Meter hoch werden. Sind sie erwachsen, benötigen sie kaum noch Pflege. Nach der Blüte sollte sie der Gärtner jedoch kräftig zurückstutzen. Beim Zistrosenstrauch besteht die Gefahr, dass er weniger robuste Pflanzen verdrängt. Als Kübelpflanze ist die Zistrose mit Vorsicht zu genießen. Regelmäßiges Gießen bekommt ihr nicht.

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