Wohnen auf Mallorca: Stadthaus in Ses Salines

11-06-2009  
Das Badezimmer von Gesine Ries.
Das Badezimmer von Gesine Ries. Foto: Nele Bendgens

JUTTA CHRISTOPH Die Badekultur wird im Hause Ries großgeschrieben. Und das nicht etwa, weil es auf zwei Etagen sechs Badezimmer gibt und man zwischen Dusche und Wanne wählen kann. Nein, in dem alten Stadthaus in Ses Salines wird jedes Bad zelebriert. Wo früher die Schweine schliefen, hat Gesine Ries einen opulenten Waschtempel kreiert. Mittelpunkt ist die eingemauerte und leicht erhöhte weiße Keramikwanne, über der ein kleiner Kronleuchter hängt. „Ich bade im Sommer genauso gerne wie im Winter", sagt die gebürtige Schwerinerin. „Am liebsten schön heiß und mit einer Tasse Kaffee neben mir." Mit den liebestollen Engelchen auf dem Fresko im Rücken und allerlei Accessoires um sich herum genießt sie ihr ganz privates Schönheitselixier.

Als Gesine Ries mit ihrer Tochter Karoline vor acht Jahren das 380 Quadratmeter große Haus an der Dorfstraße von Ses Salines kaufte, fehlte es fast an allem. Sogar das Dach war nicht vollständig, erinnert sich die 65-jährige Innendesignerin und lacht. Beim Einzug im Dezember 2001 war Mutter und Tochter allerdings nicht zum Lachen zumute. Denn entgegen der Aussage der Baufirma fehlten noch immer Fenster und Türen, auch die Heizung war nicht installiert. „Uns blieb nichts anderes übrig, als unser Hab und Gut einzumauern, damit es niemand klaut", erzählt Karoline Ries. Zwei Tage vor Weihnachten musste sie in die Wand allerdings ein kleines Loch schlagen: „Ich hatte den Karton mit den Weihnachtsgeschenken aus Versehen mit eingemauert."

Im darauf folgenden Frühjahr ging´s mit der Hausrenovierung bergauf. Gesine Ries hatte den Innenausbau ihres neuen Domizils monatelang auf Papier vorgeplant, und so waren unter ihrer Aufsicht nun schnell Fortschritte zu sehen. Die Küche bekam ein Dach und gemauerte Schränke, unter den alten Abzug wurde ein neuer Ofen gestellt, Kühl- und Gefrierschrank in der Vorratskammer versteckt. „Wir kochen beide sehr gerne", erzählt Gesine Ries, „die Küche ist daher ein zentraler Punkt." Auf den Ofenabzug pinselte ihre Tochter ein Rezept für einen mallorquinischen Fischeintopf, hinter das Kochfeld malerte sie Fische, Krebse und Langusten an die Wand. Ein toller Blickfang in der Miniküche.

Die Malereien der 36-Jährigen ziehen sich durchs ganze Haus, inklusive Terrasse und Garten. „Da meine Großmutter Erdbeeren liebt, habe ich ihr ein Erdbeer-Gästezimmer geschenkt", erzählt Karoline Ries, die ihre Bilder in einem eigenen Laden im vorderen Teil des Hauses verkauft. Auch in den insgesamt sechs Bädern hat sie ihrer Fantasie freien Lauf gelassen – jedes ist ein Schmuckstück für sich. Neben dem Bad für Oma mit den dicken roten Erdbeeren, die auch auf dem Toilettendeckel prangen, gibt´s noch ein Rosenbad mit von der Decke abgehängten Plastikrosen sowie ein Gäste-WC mit alten Familienfotos. Die hängen in kleinen und größeren Rahmen ums Waschbecken herum, die Rahmen sind Einzelstücke vom Flohmarkt.

Genauso wie viele andere Deko- und Einrichtungsstücke im Haus. „Die Antiquitäten finden mich, nicht ich sie", sagt Gesine Ries. Einen Platz bekommen die Requisiten alle. In der Küche sind zum Beispiel blaue, türkis- und orangefarbene Syphonflaschen dekoriert, auf der Terrasse sieht man einen alten Holzschlitten, in dem jetzt Blumen wachsen, und eine Nische im Mauerwerk wurde mit einem Kronleuchter in Szene gesetzt. Im Eingangsbereich hat die passionierte Sammlerin einen Esstisch aus dem 17. Jahrhundert platziert, an der Wand hängen Bilder und Fotos aus früheren Berliner Kneipen. Auch Karoline schaut von einem großen Ölbild herunter. „Das Porträt hat Gernot Kissel von meiner Tochter gemalt", erzählt die Mutter stolz. Als der inzwischen verstorbene Maler sein Model damals fragte, ob es per Scheck oder in Naturalien bezahlt werden wollte, zögerte Karoline Ries nicht lange – und suchte sich ein Bild aus.

Wenn man den ursprünglichsten Raum im Haus sucht, landet man schnell im Esszimmer, mit einem alten mallorquinischen Holzofen und einem steinernen Becken, das zur Hälfte in die Wand eingelassen ist. Was aussieht wie ein Brunnen, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Vorratsbecken, in dem früher Brot aufbewahrt wurde. Der dicke, überhängende Wulst am Beckenrand ist eine natürliche Barriere für Mäuse und Ratten, die dort nicht drüberklettern können, wie ein mallorquinischer Freund der Familie erklärte. Doch Gesine und Karoline Ries scheinen dies nicht ganz zu glauben. Bei ihnen stapeln sich im Vorratsbecken statt Brot Telefonbücher.

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