Wohnen auf Mallorca: Unter der Sonne von Felanitx

11-06-2009  
Ein Platz zum Sonnen und Sternezählen: Tags­über schützen die Schirme auf der Terrasse vor ­Sonnenbrand, abends heftet sich der Blick auf den beleuchteten Kirchturm von Felanitx.
Ein Platz zum Sonnen und Sternezählen: Tags­über schützen die Schirme auf der Terrasse vor ­Sonnenbrand, abends heftet sich der Blick auf den beleuchteten Kirchturm von Felanitx.  Foto: Bendgens

JUTTA CHRISTOPH Der hübsche griechische Jüngling stammt aus einer Orangerie in Paris, heute ziert er den Eingang zu einer Dachterrasse in Felanitx. Und wartet mit einer kleinen Harfe in der Hand auf seinen Auftritt. Sobald die Sonne untergeht und den Kirchturm von Felanitx in sanftes Abendlicht tunkt, könnte er eigentlich loslegen. Und Barbara Koos und ihr Mann Ferdi­nand Ranft dürften für die kleine Nachtmusik dann von Besuchern Eintrittsgeld nehmen.

„Am liebsten sind wir hier oben aber unter uns und genießen die Ruhe und den tollen Ausblick", sagt Barbara Koos. Die Innenausstatterin hat in den vergangenen 35 Jahren Wohnungen und Häuser in ganz Europa eingerichtet, auch für Bekanntheiten wie Gunther Sachs, Vicky Leandros und Michael Stich. Heute spielt die Welt der Schönen und Reichen in ihrer Erinnerung nur noch eine kleine Nebenrolle.

Angeschoben wurde ihre Karriere in den 1970er Jahren auf Mallorca – von dem bekannten russischen Architekten Pedro Otzoup, der mit seinen modernen Terrassenbauten von Cala Fornells bekannt wurde. Otzoup beauftragte die Hamburgerin, einige Häuser in der Apartmentanlage einzurichten. „Vier Jahre habe ich mit ihm zusammengearbeitet. Das war eine unheimlich spannende und lehrreiche Zeit." Von Otzoup habe sie sich die Liebe zum Detail abgeguckt. „Seine Häuser hatten immer eine Seele."

1975 eröffnete sie ein eigenes Einrichtungsgeschäft in der Hamburger Innenstadt, zu dem auch ein riesiges Lager gehörte. „Ich habe nie auf Bestellung gearbeitet", erzählt Barbara Koos. Denn passende Möbel und Wohnaccessoires findet man nicht auf Befehl. Sie wollen entdeckt, wieder aufgearbeitet und manchmal auch umfunktioniert werden. „Zum Beispiel kann ein Stück Balustrade einen wunderbaren Lampenständer abgeben."

Ihr liebstes Terrain zum Möbel-Stöbern ist die Gegend um Avignon in Südfrankreich. Dort war sie zur Stelle, wenn alte Häuser ausgeschalt wurden oder auf stillgelegten Flugplätzen ab sechs Uhr morgens Antiquitätenhändler aus der ganzen Welt hektisch über Walkie-Talkies Geschäfte machten. Durch ihren Mann, der in der Medienwelt zu Hause ist, hatte Barbara Koos Kontakte zu Korrespondenten in europäischen Hauptstädten. „Wenn ich mal einen wirklich alten Kamin suchte, habe ich einfach den Korres­pondenten in Paris angerufen."

Geschäft, Lager und die Privatwohnung in Hamburg füllten sich nach und nach mit Tischen, Kommoden, Spiegeln und Porzellan. Ihre Kunden fand Barbara Koos immer über Empfehlungen, und nur wenn die Chemie stimmte, hat sie den Auftrag angenommen. „Ich habe meinen Stil und will mich nicht verbiegen. Man muss daher auch mal nein sagen können." Auch das hat sie von Pedro Otzoup gelernt. Wenn die Chemie stimmte, legte die Hamburgerin in wilder Begeisterungswut los. Ihr ungewöhnliches Angebot: Die Wohnung wurde komplett mit Möbeln aus ihrem Fundus eingerichtet, nur Stoffe und Gardinen musste der Kunde bestellen und vorab bezahlen. Wenn alles fertig war, durften die Eigentümer eine Woche in den neu gestylten vier Wänden Probe wohnen. Plagten sie Bauchschmerzen, ging die Einrichtung wieder an Barbara Koos zurück. „Die Vorbereitungen waren für mich jedes Mal wie eine Schwangerschaft und die Einrichtung wie eine Geburt." Das größte Lampenfieber überkam Barbara Koos aber bei der Taufe: Wenn Freunde und Bekannte auf der Einweihungsparty gucken kamen, ob das Kind auch hübsch ist.

Selbst bei ihrer eigenen Wohnung auf Mallorca hatte sie anfangs ein wenig Herzklopfen. Nachdem der Lkw aus Deutschland die Möbel gebracht hatte und alles fertig eingerichtet war, überraschte sie ihren Mann zu Ostern mit der Wohnung. „Das war ein nettes, größeres Osterei", sagt sie und lacht.

Seinen Lieblingsplatz hatte Ferdinand Ranft ziemlich schnell in der Sitzecke auf dem Balkon gefunden. Während man von der Dachterrasse einen 360-Grad-Blick über die Stadt genießt, präsentiert sich von der gemauerten Bank auf dem Balkon das Felanitxer Hinterhausleben wie durch einen Theatervorhang – dank der bodentiefen Gardinen aus Segeltuch, die vor der Balustrade hängen.

Auf dem Rundgang durch die Vier-Zimmer-Wohnung begegnet man noch mehr „Einrichtungs-Größen". Zum Beispiel den zwei aufwendig restaurierten Trumeau-Kommoden aus Frankreich, zu denen ein in Holz gefasster Spiegel mit einer Landschaftsszene gehört. Oder zwei lindgrüne Esszimmer-Anrichten, deren Rückwand mit einem alten Tapetenstoff mit Rosenmuster bespannt ist.

Um Möbeln beim Restaurieren die alte Patina zu verleihen, bedient man sich oft der Fassmalerei, erklärt Barbara Koos. Dabei werden verschiedene Farb- und Grundierungsschichten auf das Objekt aufgetragen, wie Kreide, Gips und Blattgold, und anschließend zum Teil wieder abgeschrubbt. Im Schlafzimmer darf sich bei der Hamburgerin auch mal eine moderne Fälschung unter die Originale mischen. Das massive Doppelbett im Kolonialstil stammt aus Asien, die antiken Nachtschränkchen dagegen aus Frankreich. Witzige Idee zum Nachmachen: Über ein Kopfkissen hat Barbara Koos einen Herren-, über das andere einen Damenhut an die Wand gehängt. So ist von vornherein klar, wer auf welcher Seite liegt.

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