Wohnen auf Mallorca: Traumpaar aus Antik und Trödel

25-09-2009  
Blick vom Ess- ins Wohnzimmer: Früher wurden in dem großzügigen Anbau Fischerboote gelagert.
Blick vom Ess- ins Wohnzimmer: Früher wurden in dem großzügigen Anbau Fischerboote gelagert.  Foto: Nele Bendgens

JUTTA CHRISTOPH Ausgefallene Häuser und schöne Möbel begleiten Annette Zen seit ihrer Kindheit, denn ihr Vater Heinz Hilmer ist ein bekannter Architekt. Kein Wunder, dass die ehemalige Modechefin eines großen Frauenmagazins ebenfalls ein Faible für Einrichtungen hat. Als sie zu Hause auszog, experimentierte Annette Zen zunächst mit schweren Stoffen und intensiven Farben – ein Kontrastprogramm zum elterlich puristischen Wohnstil. Inzwischen ist das Interieur bei ihr wieder „leicht und klar". Ein Schuss Extravaganz und Flohmarkt-Charme ist allerdings geblieben, wie man in ihrem Haus am Meer in Costa de la Calma sehen kann.

Der weiße Flachdachbau mit den hohen schmalen Fenstern erinnert an den Stil des Schweizer Architekten Le Corbusier. In dem viereckigen Patio mit Oleanderbüschen und Gummibäumen hat man dagegen dass Gefühl, gerade in Tunesien Urlaub zu machen. Vom Patio gelangt man in das rund 100 Quadratmeter große Heim, das früher nur etwa halb so groß war. An der Stelle, wo jetzt das Biedermeier-Sofa steht – ein Erbstück aus dem Elternhaus – stapelten sich mal Holzboote, Ruder und Fangnetze. „Das Wohnhaus endete beim Vormieter an den vergitterten Terrassentüren", erzählt Annette Zen. Der Einbruchschutz, ein Überbleibsel aus den 50er Jahren, sei zwar inzwischen veraltet – doch als Deko-Element gefragter denn je. Sogar Philipp Starck habe mit solchen Eisengittern kürzlich ein Loft in New York ausgestattet, so die Mutter eines Kindes.

Seitdem sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter vor elf Jahren nach Mallorca zog, beschäftigt sich die gebürtige Fürtherin wieder intensiver mit dem Thema Einrichtung. So entwarf sie 2005 das Design für den Friseursalon ihres Mannes in der Altstadt von Palma. „Der Salon ist sehr puristisch und modern", so Annette Zen, „mit Friseur-Designerstühlen, Lederteppichen und von meinem Vater entworfenen Spiegeln." Bei ihr Zuhause sei dagegen viel improvisiert. Doch so ganz nehmen wir ihr das nicht ab.

Wer bei Zens zum Abendessen eingeladen ist, nimmt zum Beispiel ebenfalls auf Designerstühlen Platz. Die kommen zwar nicht so auffällig wie die Knoll-Sessel im Salon daher, an Eleganz nehmen es die vier grazilen Bugholzmöbel der Wiener Firma Fischel aber locker mit ihnen auf. Und überraschen Liebhaber der Möbelkunst mit einem Kroko-Muster auf der Stuhllehne. Da irgendwie immer zwei Sitzplätze am Esstisch fehlten, der früher übrigens mal in einem Kloster stand, kaufte Annette Zen zwei ähnliche Kaffeehausstühle dazu. Um sie optisch anzupassen, bekamen die neuen Stühle schnell eine Lasur verpasst. „Bei mir muss immer alles schnell gehen!"

So auch geschehen, als mal Not am Bild war. Weil über einer Kommode im Wohnzimmer ein hässliches Kabel aus der Wand guckte – eine passende Lampe, war noch nicht gefunden – griff Annette Zen kurz entschlossen zu Pinsel und Papier. Zehn Minuten später waren zwei kleine Tuschzeichnung fertig, die seitdem in einem Rahmen die Wand anstelle einer Lampe zieren.

Am liebsten kombiniert Annette Zen Edles, das auch mal teuer sein darf, mit Fundstücken vom Trödel oder von der Straße. Der Lüster im Wohnzimmer stammt zum Beispiel von einer Reise aus Kairo, der Kerzenleuchter auf dem Kamin aus einem Antiquitätenladen in München. Auch der alte Spieltisch aus Wurzelholz mit zwei seitlich ausziehbaren Schubladen war ein „rasend teures" Einzelstück aus einem Antik-Kaufhaus in München. Um die Haushaltskasse auszugleichen, kombinierte sie zu dem Ensemble Spieltisch-Biedermeiersofa zwei Nachtschränkchen vom Flohmarkt, ebenfalls aus Wurzelholz – für damals schlappe zehn D-Mark.

Auch die hübschen weißen Stühle, die auf angedeuteten Löwentatzen stehen, waren recht günstig. Annette Zen hat sie auf der Straße gefunden, weiß angestrichen und mit einem rot-weiß gestreiften Polsterstoff bezogen. Sie flankieren eine ebenfalls weiß angemalte Kommode vom Flohmarkt. Mit den gedrechselten Füßen ein original mallorquinisches Stück.

Improvisieren, schön und gut, doch Annette Zen arbeitet auch gerne mit professionellen Tricks. Um die Räume optisch zu vergrößern, hat sie in fast allen Zimmern Spiegel aufgehängt, die teilweise extra angefertigt wurden, damit Größe und Eindruck stimmen. Nimmt man zum Beispiel in der Sofaecke Platz, sieht man im Spiegel auf der gegenüberliegenden Wand den Garten und das Meer. Doch auch der gegenteilige Effekt kann mit Spiegeln erreicht werden, denn sie helfen auch, Dinge zu verbergen. Um nicht länger die Hauswand ihres Nachbarn zu sehen, ließ Annette Zen hinter dem Biedermeier-Sofa Spiegelglas in das Rundfenster einsetzen. Schöner Nebeneffekt: Die Raumtiefe wird verstärkt und das Zimmer wirkt noch größer.

Im Zimmer von Tochter Alina hängt ebenfalls ein Spiegel. Doch ist dies nicht die einzige Idee, die sich die 16-Jährige von ihrer Mutter abgeguckt hat. Für ihren Fernseher hat Alina eine Papierhülle gebastelt, unter der das hässliche Gehäuse komplett verschwindet. Noch schnell vier, fünf Herzchen neben den Bildschirm gemalt – und schon ist aus dem schnöden TV ein Alina-Designerstück geworden! Auch für Annette Zen sind Fernseher einfach nur hässlich, sie stellte die Flimmerkiste daher in den Wohnzimmerschrank – das ist zwar nicht ganz so kreativ wie ihre Tochter, aber dafür eine schnelle Lösung.

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