Die hohe Schule der kleinen Reiter

16-10-2008  
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Reitlehrerin Annegret Pohl mit ihren Schülerinnen Paolina (links) und Fabia.  Foto: Bendgens

JUTTA CHRISTOPH In Zukunft wollen sie Schleifen und Pokale einheimsen. Noch aber zählt für sie nur die Liebe zu ihren Pferden. So wird auf Mallorca der Nachwuchs im Spring- und Dressurreiten ausgebildet.

Paolina reitet mit „Peter Pan“ im flotten Trab um die Bahn. Die Füße liegen locker am Pferdebauch, die Steigbügel hängen unbenutzt daneben. Die Zehnjährige sitzt fest im Sattel und hält das Gleichgewicht aus dem Becken heraus. Da sind Steigbügel eben überflüssig.

„Paolina ist ein Naturtalent, sie reitet aus dem Bauch heraus“, sagt Annegret Pohl, ihre Reitlehrerin. Vielleicht wurde ihr das Talent aber auch bereits in die Wiege gelegt, schließlich war Paolinas Mutter in ihrer Jugend Springreiterin. „Als ich gemerkt habe, dass meine Tochter Lust hat zu reiten, war ich natürlich Feuer und Flamme“, sagt Petra Rau. Sie kam auf die Idee, bei sich zu Hause in Calvià eine eigene kleine Reitsportgruppe aufzuziehen. Mit jungen Ponys, die sie selbst einreitet.

2005 kaufte sie ein dreijähriges deutsches Reitpony und drei einjährige Fohlen von dem namhaften Gestüt Bönninger in Krefeld. „Das sind zwar Ponys, sie bewegen sich aber wie Pferde“, sagt Annegret Pohl, die zusammen mit Bereiterin Holle Bethge die Ausbildung von Tier und Reiterinnen in Calvià übernommen hat. Ihr Ziel: mit ihren Schülerinnen nächstes Jahr bei der balearischen Dressurmeisterschaft an den Start zu gehen – „und den Nichtskönnern die Schleifen und Pötte zu klauen“, fügt sie aus Spaß hinzu.

Ob Fabia Höhne, Paolinas Schulfreundin, in zehn Monaten auch schon so weit sein wird? Die Elfjährige lächelt und kämmt ihrem Pony „Parzival“ die Mähne. „Ich weiß nicht, ich kann bisher nur gut Schritt reiten.“ Seit fünf Jahren bekommt sie Springunterricht im Reitclub Calvià, mit dem Dressurreiten hat sie erst vor sechs Wochen angefangen. „Das Springen macht mir mehr Spaß, da hat man mehr Tempo drauf“, sagt Fabia. „Die Dressur ist mehr zum Lernen, da muss man richtig doll arbeiten.“

Stimmt. Die Dressurausbildung ist für Pferd und Reiter harte Arbeit, braucht Zeit und viel Geduld. „50 Prozent spielt sich beim Dressurreiten im Kopf ab“, sagt Petra Rau. Wie beim Yoga geht es darum, mit sich eins zu sein, seine innere Mitte zu finden. Aus dieser Mitte heraus lenkt man sein Pferd, nicht mit den Zügeln. „Wenn ich aus Trab in Schritt wechseln möchte, atme ich aus, mehr nicht.“ Der Zuschauer darf von den Kommandos nichts sehen, erst dann ist es Dressur.

Um so zu reiten, braucht man natürlich ein gutes Pony. „Nicht eine Kiste auf vier Beinen“, sagt Annegret Pohl. Sie selbst saß mit 14 Jahren das erste Mal auf einem Pferd, gelernt hat sie die Dressurreiterei auf bestens ausgebildeten Lipizzanern. Als die Juristin vor zehn Jahren mit ihren zwei Pferden nach Mallorca kam, hat sie angefangen, Reitunterricht zu geben.

Ihre Philosophie: Pferd und Reiter stehen miteinander im Dialog. „Das Pferd muss sich auf den Reiter einlassen, denn wenn das Pferd nein sagt, bedeutet das auch nein.“ Mit Kraft oder gar Gewalt zu reiten, kommt für Annegret Pohl nicht in Frage. „Dressurreiten ist ein Tanz, das Pferd muss rollen, mit der Hinterhand untertreten.“ Mit einer neuen Lektion wartet sie so lange, bis das Pferd die vorige verstanden hat. Fliegenden Galoppwechsel zu üben, wäre für den sechsjährigen „Peter Pan“ jetzt noch zu früh.

Paolina sitzt konzentriert im Sattel, „Peter Pan“ spitzt die Ohren und trabt mit ausgreifenden Schritten um die Bahn. „Nimm die Ellenbogen an den Körper, reit ihn dir in die Hand hinein“, ruft Annegret Pohl ihrem Schützling zu. Kind und Pony schweben harmonisch über den Sand. Wie ihre Mutter versucht auch Paolina das Pferd mit unsichtbaren Zeichen zu lenken.

Anschließend kommt Fabia mit „Parzival“ auf den Platz. Heute geht es für die zwei nur darum, geradeaus zu reiten. Was sich einfach anhört, ist auf einem jungen Pferd, das wie die Reiterin noch am Anfang der Ausbildung steht, schon eine kleine Kunst. Fabia peilt die Ecke der Reitbahn an, doch „Parzival“ dreht auf dem Weg dorthin ab und läuft im Halbkreis durch die Bahn. „Lass dich nicht verdrießen Fabia“, ruft Annegret Pohl, „Reiten ist der schwierigste Sport der Welt.“

Auch Sarah Plattes und ihr holländischer Warmblüter „Olli“ sind gerade in einer schwierigen Lernphase. Der elfjährige Wallach steht im Stall Son Magraner in Son Espanyol. Fünfmal pro Woche ist die 14-Jährige aus Bendinat bei ihrem Pferd im Stall. Seit Juni nimmt sie Unterricht bei Annegret Pohl.

In den nächsten Monaten wird es nur darum gehen, das Pferd zu biegen. Dafür wird „Olli“ longiert, in der Bahn reitet Sarah Achten mit ihm. Das Pferd muss zuerst locker werden, danach geht‘s los mit der Dressurausbildung. „Ich habe ‚Olli‘ ins Herz geschlossen, auch wenn er manchmal schwierig ist“, sagt Sarah, die seit vier Jahren reitet. Ob sie im Sommer an der balearischen Dressurmeisterschaft teilnimmt, weiß sie noch nicht. „Ich möchte nicht schlecht auf dem Turnier reiten, nur um teilzunehmen. Lieber will ich erst richtig gut werden.“

„Olli“ bleibt plötzlich an der Longe stehen, fängt an zu tänzeln und weicht nach hinten aus. „Albernes Ei“, so Annegret Pohls Kommentar dazu. „Wir lassen uns nicht provozieren, wir bleiben dran.“ Man müsse sich immer erst fragen, ob man selbst etwas falsch mache, denn ein Pferd reagiere zu 99 Prozent auf den Reiter – und seine Fehler.

Die Reitlehrerin bewundert Sarah für ihre Geduld mit „Olli“. „Die zwei sind ein Team und das ist das Wichtigste.“ Ein Pferd merkt eben sofort, ob der Reiter hinter ihm steht oder nicht.

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