Im Visier der Steuerfahndung: Das Risiko steigt

Warum auch ehrliche Steuerzahler betroffen sein können – und wie man sich dagegen schützt

27.06.2013 | 12:56
Keine guten Nachrichten: Auch Fußballer Lionel Messi wird der Steuerhinterziehung beschuldigt
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Bei aller Ehrlichkeit: Niemand zahlt gerne mehr Steuern als unbedingt nötig. Wer dabei gegen Gesetze verstößt, hat logischerweise mit Bestrafung zu rechnen, die bis hin zu Gefängnishaft gehen kann. Aufgrund einer Reihe von Gründen ist in den vergangenen Jahren das Risiko, auch als ehrlicher Steuerzahler ins Visier der Steuerfahndung zu geraten und kriminalisiert zu werden, bedenklich angestiegen. Das kann den Normalverbraucher ebenso treffen wie Vermögende. Denn die Rahmenbedingungen für steuersparendes legales Agieren haben sich binnen weniger Jahre radikal verändert. Zu diesem Thema veranstaltet das in Palma ansässige Steuerbüro European Accounting am 27. Juni ein Gratis-Seminar mit drei ausgewiesenen Experten in Steuer- und Steuerstrafrecht (s. Ankündigung).

Im Folgenden die wesentlichen Faktoren, die zur aktuellen Situation geführt haben, wobei der besondere Fokus auf den Rahmenbedingungen für Mallorca-Deutsche liegt.

Internationalisierung der Lebensverhältnisse
Immer mehr Menschen geraten in ihrem Leben in den Zuständigkeitsbereich einer ausländischen Steuerverwaltung. Trotz aller Zusammenarbeit und Harmonisierung der Gesetzgebungen und Verwaltungen in der EU können daraus Situationen entstehen, die als extrem ungerecht empfunden werden (Beispiel: doppelte Erbschaftssteuer Deutschland-Spanien). Auch ist der Kreis der Steuerkanzleien, die mit dem Zusammenspiel der zuständigen Jurisdiktionen kompetent umgehen können, entsprechend klein.

Komplexität der Gesetze
Das Bemühen um Gerechtigkeit hat die Steuergesetze immer komplexer werden lassen. Denn einerseits sollen die Abgabe-Bestimmungen die Wirtschafts- und Lebensrealität der Steuerpflichtigen berücksichtigen, andererseits sollen die dabei entstehenden Schlupflöcher für kreative Steuerberatung verbarrikadiert werden. Das Ergebnis: Schon die Steuergesetze eines Landes stellen für Beratungsprofis eine echte Herausforderung dar. Die Überschneidung von zwei oder mehr unterschiedlichen gesetzlichen Rahmen hat zur Folge, dass in Streitfällen selbst Gerichte zuweilen Mühe haben zu entscheiden, ob in einem konkreten Fall nun korrekt gehandelt wurde oder nicht – wobei nicht selten auch den Steuerbehörden bescheinigt wird, einen Fehler begangen zu haben.

Neue Steuertransparenz
Nicht nur dem mit Absicht agierenden Steuerhinterzieher wurde flau im Magen, wenn er die Entwicklung der vergangenen Jahre und insbesondere der vergangenen Monate mitverfolgt hat. Gerade jene Sorglosigkeit, die viele Spanien-Deutsche als wesentlichen Teil ihrer Lebensqualität empfinden, kann man sich heute nicht mehr leisten, ohne gravierende Risiken einzugehen. Einerseits ermöglichen neue Abkommen einen Informationsaustausch selbst mit Ländern, die bisher mit Zähnen und Klauen das Bankgeheimnis verteidigt haben, und holen Projekte wie Offshore-Leaks die Daten von Anlegern in Steueroasen ans Licht. Andererseits erhöhen neue Meldeverpflichtungen den Druck auf die Mitarbeiter bestimmter Branchen (Geldwäschegesetz) und die Steuer­pflichtigen selbst (Modelo 720). Das mit harten Strafandrohungen begleitete Modelo 720 etwa zwang auch ausländische Residenten dazu, binnen kürzester Zeit eine Vermögenssituation zu klären, um die man sich vielleicht jahrelang keine Gedanken gemacht hatte – schon gar nicht in steuerlicher Hinsicht. Und so mancher lernte beim Beratungsgespräch zu seinem Erstaunen, dass er unwissentlich Steuern hinterzogen hat. Zum Beispiel weil die Immobilie, die man in Deutschland noch besitzt und für die man dort Steuern bezahlt, auch das Finanzamt der südlichen Wahlheimat interessiert.

Heute richtig, morgen falsch
Die zahlreichen Gesetzesreformen katapultierten so manches ausgeklügeltes Management-Modell ins Abseits. Für Mallorca typisches Beispiel: Viele Hochpreis-Immobilien befinden sich nicht direkt im Besitz ihrer Bewohner, sondern werden von sogenannten vermögenshaltenden Gesellschaften verwaltet, die ihrerseits einer Offshore-Gesellschaft gehören. Dieser Immobilien­besitz über mehrere Ecken ist legal und wurde vor 10 bis 15 Jahren von den Beratern als Standardlösung empfohlen, nicht zuletzt, um die drohende doppelte Besteuerung im Erb- und Schenkungsfall zu vermeiden. Mit den neuen Regelungen und Abkommen erweist sich nun genau diese Struktur als Falle. Dass die Eigentümer – wenn sie spanische Residenten sind – den 300.000 Euro-Freibetrag der Vermögenssteuer für die Hauptwohnsitz-Immobilie nicht nutzen können, ist dabei noch das geringste Ärgernis. Zu den gravierenden Folgen gehört, dass die Einbeziehung einer Steuer­oase in die Besitzstruktur seit Neuestem erhebliche steuerliche Nachteile und auch Risiken mit sich bringt, weil der Eigner nun quasi automatisch unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung steht und die Herkunft eines jeden Euro belegen muss – wenn er das nach all den Jahren überhaupt noch kann. All dies, obwohl es legale organisatorische Gründe gibt, über Offshore-Gesellschaften zu agieren.

Fehler kommen teuer
Ganz abgesehen von einer wachsenden Rechtsunsicherheit, welche die Unterscheidung zwischen legaler Steuervermeidung und illegaler Steuerhinterziehung im Vorfeld des Handelns immer schwieriger macht, stellt sich ein ebenso drängendes Problem: Fehler in der Beratung, Bearbeitung oder eigenen Einschätzung können dramatische Konsequenzen nach sich ziehen. Auf Milde oder Verständnis sollten die Betroffenen heutzutage nicht allzu stark hoffen: Die Politik hat mit dem Rückenwind der öffentlichen Meinung zum Halali auf die Steuerhinterzieher geblasen, und dieses Etikett des potenziellen Gesetzesbrechers hat der Bürger – und der Unternehmer sowieso – heute schneller auf der Stirn, als er „Unschuldsvermutung" sagen kann.

Die Autoren Dipl-Kfm. Asesor Fiscal Willi Plattes und ­Thomas Fitzner arbeiten in der internationalen Steuerberatungskanzlei European Accounting in Palma. Kontakt: thomas@­europeanaccounting.net

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