Das Finanzamt reist hinterher

Was Deutsche über die Steuerfolgen wissen sollten, bevor sie ins Ausland ziehen

26.02.2014 | 18:34
Schon die Wegzugssteuer bezahlt?
Schon die Wegzugssteuer bezahlt?

Die steuerlichen Konsequenzen eines Wegzugs aus Deutschland können erheblich, ja unangenehm sein, wenn man sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert und bei der Umsetzung die steuerlichen Aspekte des Vorhabens vernachlässigt. Wir wollen uns hier auf die folgenden drei Fragen konzentrieren:

Wann bin ich tatsächlich weg?
Die unbeschränkte, das heißt grundsätzlich unbegrenzte Besteuerung aller weltweiten Einkünfte in Deutschland ergibt sich nur, wenn man entweder seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, ist man hinsichtlich der Besteuerung auf die abschließend im Gesetz genannten inländischen Einkünfte beschränkt steuerpflichtig. Doch Vorsicht: Eine Wohnung hat man bereits dann, wenn man diese regelmäßig nutzen könnte, wobei es nur auf die Möglichkeit, nicht hingegen auf die tatsächliche Nutzung ankommt. Vor allem wenn Großteile der eigenen Verwandtschaft, insbesondere Kinder, noch in Deutschland leben, kann es zu Nachfragen kommen, ob die wegziehenden Eltern nicht vielleicht über Teile der Wohnung oder des Hauses der Kinder weiterhin verfügen können, speziell dann, wenn die Immobilie zuvor von den Eltern bewohnt wurde und nun den Kindern per Schenkung oder aufgrund eines Mietvertrages überlassen wird.

Was passiert zum Zeitpunkt des Wegzugs?
Nimmt man seine Einkunftsquellen mit ins Ausland (z. B. Überführung des bisher in Deutschland betriebenen Einzelunternehmens nach Spanien), kann es zu einer Besteuerung der sogenannten stillen Reserven kommen, die nur sehr eingeschränkt gemildert wird. Auch die stillen Reserven aus Beteiligungen an in- und ausländischen Kapitalgesellschaften müssen sofort besteuert werden, wobei im Verhältnis zu Spanien und zu anderen EU- und EWR-Staaten eine Stundung der Steuer auf den Zeitpunkt der tatsächlichen Veräußerung gewährt wird. Einkunftsquellen, die keine stillen Reserven haben oder explizit aus einer solchen Wegzugsbesteuerung ausgenommen sind, wie etwa Geldforderungen oder Aktien­besitz mit weniger als 1 Prozent Beteiligungshöhe können auch hinsichtlich etwaiger stiller Reserven steuerfrei überführt werden. Verbleibt die Einkunftsquelle hingegen in Deutschland, wie bei vermieteten inländischen Immobilien, ändert sich an der Art und dem Umfang der Steuerpflicht faktisch nichts, da Deutschland weiterhin das Besteuerungsrecht hat.

Eine Besonderheit ergibt sich bei bestimmten Kapitalerträgen. So sind beispielsweise die Zinsen aus unbesicherten Kapitalforderungen auch dann nicht mehr in Deutschland steuerpflichtig, wenn das Guthaben weiterhin bei einer deutschen Bank geführt wird. Deutschland verzichtet – dies für viele vielleicht überraschend – auf die Besteuerung solcher Zinseinkünfte von „Ausländern/beschränkt Steuerpflichtigen". Weitergehende Beschränkungen des deutschen Steuerrechts ergeben sich regelmäßig durch das bestehende Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA). Diese müssen jedoch im Einzelfall genau betrachtet werden.

Für Zwecke der deutschen Erbschaftsteuer endet die unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht erst nach Ablauf von fünf Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt unterliegt auch die Übertragung von Auslandsvermögen auf im Ausland ansässige Personen der deutschen Erbschaftsteuer.

Was passiert, wenn ich mich nicht entscheiden kann oder will und in beiden Ländern eine Wohnung unterhalte?
Dann ist man weiterhin in Deutschland unbeschränkt steuer­pflichtig und muss allen Steuererklärungspflichten wie bisher nachkommen. Man kann alle Vergünstigungen für unbeschränkt Steuerpflichtige in Anspruch nehmen, bekommt aber auch keine Vorteile für beschränkt Steuerpflichtige, wie etwa die abgeltende Wirkung von einbehaltenen Steuern, sofern diese nur den beschränkt Steuerpflichtigen gewährt werden. Um zu verhindern, dass sowohl Deutschland als auch Spanien auf dieselben Welteinkünfte Steuern erhebt, regelt das DBA, dass der Staat, zu dem die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse bestehen, unbegrenzt besteuern darf und der andere Staat nur begrenzt Einkünfte, die einen besonders engen Bezug zu diesem Staat haben. Dies ist eine Frage des Sachverhalts, kann aber mit den betroffenen Finanzbehörden im Vorfeld einvernehmlich geklärt werden. Problematisch ist und bleibt jedoch, dass bei Aufrechterhaltung einer Wohnung in Deutschland die unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht in Deutschland nie endet. Bereits aus diesem Grund bietet es sich an, beim Schritt ins Ausland diesen vollständig zu vollziehen.

Bei einem Wegzug aus Deutschland sind zahlreiche formale Vorgaben, aber auch materiell bedeutsame steuerliche Punkte zu berücksichtigen, die für das geplante Vorhaben keinen Hinderungsgrund darstellen müssen, aber im Einzelfall sehr gefährlich werden können, wenn sie nicht beachtet werden. Wir raten auch in steuerlicher Hinsicht zur guten Vorbereitung dieses oftmals im Leben einzigartigen Vorgangs der Auswanderung und wünschen allen gute und kompetente Berater an ihrer Seite.

Prof. Dr. habil. Günther Strunk ist geschäftsführender Gesellschafter der Strunk Kolaschnik Partnerschaft in Hamburg. Willi Plattes leitet die internationale Steuerberatungskanzlei European Accounting in Palma. Kontakt: thomas@­europeanaccounting.ne

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