500-Euro-Scheine: Alle wollen sie loswerden

Kunden auf Mallorca zahlen seit einigen Wochen deutlich häufiger mit den Geldscheinen. Banken überprüfen die Herkunft

22.05.2016 | 20:27
Der rosa Schein wird zum "Schwarzen Peter".
Der rosa Schein wird zum "Schwarzen Peter".

Banken und Geschäfte auf Mallorca haben in den vergangenen Tagen einen deutlichen Anstieg der Zahlung mit 500-Euro-Scheinen bemerkt. Als ob es sich bei den rosa Banknoten um den "Schwarzen Peter" handeln würde, versuchen immer mehr Kunden auf der Insel damit zu zahlen, um ihn loszuwerden, wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" am Donnerstag (19.5.) berichtet.

Auslöser war wohl die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor zwei Wochen, ab 2018 keine 500-Euro-Scheine mehr auszugeben, um diese nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen. Obwohl die EZB eindeutig klarstellte, dass die Banknoten ihre Wertigkeit auch in den Jahren danach nicht verlieren - das heißt sie bleiben weiter gültiges Zahlungsmittel - wollen anscheinend immer mehr Leute die großen Scheine los werden.

Dieser Effekt ist auf den Balearen besonders groß. Schließlich soll der Schein aus dem Verkehr gezogen werden, um Schwarzgeldgeschäfte zu erschweren. Und Schwarzgeld gibt es auf Mallorca, den Nachbarinseln sowie der Region Valencia so viel wie Sand am Meer, wie es scheint. Der Bauboom an der Mittelmeerküste führte dazu, dass rund ein Viertel sämtlicher 500-Euro-Scheine in Spanien zirkulieren. Und das obwohl es in den Zeiten vor der Euro-Einführung nur in Deutschland eine vergleichbar hohe Banknote gab - den Tausendmarkschein. Spaniens wertvollste Geldnote - der Zehntausendpesetenschein - hätte heute einen Wert von gerade mal 60 Euro.

Das Loswerden der 500-Euro-Scheine gestaltet sich als immer schwieriger. Die Banken haben beschlossen, dieses Zahlungsmittel zu kontrollieren. Manche Finanzinstitute seien angewiesen, das Wechseln der 500-Euro-Scheine nur den eigenen Kunden zu gewähren. Und dann nur im Wert von 1.000 Euro pro Tag und Person. Außerdem fragen die Bankangestellten durchaus nach, woher das Geld stamme.

In der Praxis gestaltet sich das so: Bringt ein Ladenbesitzer einen oder mehrere 500-Euro-Scheine zu seiner üblichen Bankfiliale und gibt auf Nachfrage an, dass er diese aus dem Verkauf seiner Ware erhalten habe, wird ihm der Bankangestellte vermutlich keine weiteren Umstände bereiten. In dem Moment, wo sich die Zahl dieser Scheine ungewöhnlich häuft, kann es jedoch passieren, dass diese Information an die Zentrale des Instituts oder sogar an die Behörden weitergegeben wird.

Auch Großmärkte sind in den vergangenen Tagen pingeliger im Umgang mit den Banknoten geworden. Manche Läden verlangen bei Bezahlung mit 500-Euro-Scheinen inzwischen häufiger die Vorlage des Ausweises, berichtet das "Diario de Mallorca". /tg

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