Wo sind die Peseten des Mallorca-Sparbuchs von 1981?

Ein Paar aus Deutschland forscht nach dem Geld eines in Vergessenheit geratenen Guthabens

03.03.2017 | 16:31
Die Tückmantels mit Kopien des Sparbuch von 1981.

Die letzte Kontobewegung fand am 18. Februar 1981 statt, damals wurden 250.000 Peseten abgehoben. Die restlichen 1.250.000 Peseten, die zu einem damaligen Zinssatz von 12,24 Prozent angelegt waren, blieben auf dem Sparbuch der Bank Crédito Balear. Kurz darauf zog Georgette van der Stighelen von Palmanova nach Frankfurt am Main. Und die umgerechnet knapp 25.000 Euro gerieten im Laufe der Jahre schließlich in Vergessenheit.

Inzwischen lebt die gebürtige Belgierin in Bad Zwischenahn bei Oldenburg und ist mit Jörg-Uwe Tückmantel verheiratet. Dieser stieß vor zwei Jahren in alten Unterlagen auf das rote Büchlein – und begann zu rechnen. Wie viel Euro wären die Peseten heute wert? Und welche Summe mag wohl auf dem Sparbuch sein, abzüglich von Bankgebühren und zuzüglich Zinsen und Zinseszinsen?

Helfen sollte zunächst die Hausbank des Paares in Bremen. Über sie sollte das Sparbuch eingezogen werden. Das rote Büchlein ging in die Post und erreichte die Bankfiliale in Palmanova nachweislich am 19. Mai vergangenen Jahres, wie der unterschriebene Rückschein bestätigt. Doch als Antwort erfolgte keine Überweisung aus Spanien, sondern eine lapidare Antwort. „Man behauptete, meine Frau nicht im System zu finden", so der Deutsche.

Was war mit dem Sparbuch passiert? Dass das Geld nicht einfach so verschwinden kann, in dieser Ansicht bestärkten Jörg-Uwe Tückmantel einschlägige Urteile in Deutschland. So wurde etwa vor sechs Jahren eine Bank verpflichtet, 106.000 DM von einem seit 1959 nicht mehr angerührten Sparbuch an den Sohn des zwischenzeitlich verstorbenen Kontoinhabers auszuzahlen.

Es sei ja verständlich, dass die Bank nicht ohne Weiteres auf die Daten aus vordigitaler Zeit zurückgreifen könne, so der Deutsche – doch das Sparbuch sei nun mal ein Beweisdokument. Mit dieser Argumentation und in Begleitung der MZ wurde das Paar am Montag (13.2.) während des Mallorca-Urlaubs zum Termin in der Filiale in Palmanova vorstellig. An die Gegend kann sich Georgette van der Stighelen-Tückmantel gut erinnern – ihr Vater hatte einst die Reihe der Ladenlokale mit der Bankfiliale gebaut. Diese zog zwischenzeitlich um und wird heute von der Banco Popular betrieben, in die die Banco de Crédito Balear aufgegangen ist.

In der Filiale ist man freundlich-unverbindlich. Man habe in der Datenbank nur den Hinweis finden können, dass das Konto zwischenzeitlich aufgelöst worden sei, so der Mitarbeiter, der auch den Filialleiter hinzuruft. Der Grund sei nicht mehr nachvollziehbar. Das Originalsparbuch habe man zur Aufbewahrung in die Zentrale nach Madrid geschickt. Für weitere Auskünfte möge man sich bitte an den zentralen Kundenservice wenden.

„Das ist ein komplizierter Einzelfall", meint Anwalt Carlos Hernández von der Verbraucherschutzvereinigung ACUIB – und verweist auf ein Urteil des Obersten Spanischen Gerichtshofs von 2001, das etwas anders klingt als die in Deutschland. Die Bank muss demnach die Daten je nach Interpretation bis zu 20 Jahre aufbewahren. Danach falle das Guthaben nicht an die Bank, sondern an den Staat, und von diesem müsse man es dann womöglich zurückfordern, so Hernández – ein Unterfangen mit ungewissem Ausgang.

Das Paar will so leicht nicht aufgeben – und wartet nun erst mal darauf, das rote Büchlein wieder von der Bank zu bekommen. Fortsetzung folgt?...

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