Bitcoin auf Mallorca: Einfach selbst zur Bank werden

Ein harter Kern von Enthusiasten und manch windige Angebote: In Sachen Bitcoin ist auf Mallorca noch viel Luft nach oben

14.02.2018 | 01:00
Smartphones sind in der Bitcoin-Welt Brieftaschen. Mithilfe von QR-Codes bringen Rafael Amores (li.) und Ricardo Aba Transaktionen zum Laufen.

Wenn Rafael Amores in das Restaurant Asador Bolixe in Palma geht und zahlen will, braucht er weder Münzen noch Scheine noch eine Kreditkarte. „Ich öffne auf meinem Smartphone meine elektronische Bitcoin-Brieftasche, den wallet, scanne den QR-Code des Restaurants und löse so eine Transaktion aus", so der Betreiber des Informatik-Geschäfts Aglocem in Palma. Amores überlegt, sich zwecks größerer Sicherheit einen Hardware-wallet von Trezor oder Leger zuzulegen – der letzte Schrei unter den Bitcoinern, wie sich die Besitzer von Anteilen dieser 2009 von Mathematikern erfundenen bekanntesten von bereits etwa 1.500 Kryptowährungen nennen.

Bitcoins sind auf Mallorca noch vergleichsweise wenig verbreitet: Neben dem Asador Bolixe akzeptieren nur etwa zehn Geschäfte – darunter der Blumenladen Majoris und die Crew des Ausflugsschiffs Rafael Verdera – die Digitalwährung (ein Verzeichnis findet sich auf der von Rafael Amores angelegten Website www.bitcoinmallorca.com). Dieser Tage wurde immerhin eine erste Immobilientransaktion in Bitcoins angeboten. Auf internationaler Ebene gibt es hingegen bereits große Firmen, die Bitcoins akzeptieren. Dazu gehört etwa das ­Reiseportal Expedia.

Die Bitcoin-Währung ist ein aus komplizierten Formeln bestehendes, dezentral von Computern in aller Welt am Laufen gehaltenes System. Inzwischen sind etwa 16 Millionen Bitcoins im Umlauf. Neue Bitcoins werden von sogenannten Minern generiert. Die fassen Transaktionen zu Blöcken zusammen und verketten diese zu sogenannten Blockchains. Für jede dieser mit immensen Computer-Kapazitäten ermittelten Datensätze erhalten sie einen Spezialcode und werden dafür entlohnt. Damit das System nicht instabil wird, haben die Erfinder – sie traten vor Jahren mit dem japanischen Namen Satoshi Nakamoto in Erscheinung – die Höchstzahl von 21 Millionen Bitcoins bestimmt.

Neben vielem Positiven gibt es auch Fehlentwicklungen an der Bitcoin-Front. Der Finanzexperte Markus Miller (www.geopolitical.biz) warnt vor Bauernfängern, die unter dem „Deckmantel Bitcoin" ineffiziente Multilevel-Marketing-Modelle obskurer Firmen aus Steueroasen anbieten, um an Vermittlungsprovisionen zu kommen. „Die Leute werden sogar an Restauranttischen angesprochen", so Miller, der viele Jahre für renommierte Banken gearbeitet hat. „Ich wundere mich über die Leichtgläubigkeit der Menschen."

Wenig vertrauenserweckend erscheinen auch Angebote aus der Esoterik-Ecke. 2017 etwa veranstaltete eine gewisse Tricia Miller (nicht mit Markus Miller verwandt) eine sogenannte „Bitcoin Night" in einem Restaurant in Port d'Andratx „Weltoffenen und innovativen Menschen" versprach das selbst ernannte „Medium" ein „neues freies Leben" und sagte voraus: „Dieser Abend wird Ihr Leben verändern." Für 2018 verspricht die Deutsche einen „Spirit Crypto Intelligence Service" und ein „Bitcoin Bootcamp".

Zurück zu den bodenständigeren spanischen Enthusiasten: „Wenn du Bitcoins hast, kontrolliert keine Bank dein Geld, sondern du bist deine eigene Bank", sagt Ricardo Aba, ein im Marketing-Bereich tätiger Coiner. „Da kein Politiker die Notenpresse anwerfen kann, gibt es in der Bitcoin-Welt keine Inflation." Das erkläre auch, warum besonders Menschen in Staaten mit weichen bis butterweichen Währungen wie Venezuela oder Argentinien inzwischen an den in acht Untereinheiten, sogenannte Satoshis, eingeteilten Bitcoin glauben. „Was du hast, behält seinen Wert", so Ricardo Aba. „Bitcoins sind virtuelles Gold."

Wirklich? Der milliardenschwere amerikanische Kultinvestor George Soros bezeichnete Bitcoin unlängst auf dem Wirtschaftsforum in Davos wegen der großen Volatilität als „Blase" und „Spekulation". „Das mag sein", sagt Insel-Bitcoiner Rafael Amores dazu. „Aber uns geht es nicht um irgendwelche Wechselkurse, sondern um die Bitcoin-Binnenwelt als solche, und die ist stabil." Die beiden lassen sich durch die Skepsis nicht verunsichern. „Wenn du aus dem herkömmlichen Bankensystem aussteigst, kannst du dein Vermögen im Falle eines Crashs sichern", sagt Amores.

In Vorträgen versuchen Rafael Amores und Ricardo Aba, bislang mit mäßigem Erfolg, andere Gewerbetreibende von dieser „Revolution" zu überzeugen: „Es entstehen gerade neue Dienstleistungsfirmen, auch Studiengänge im Blockchaining gibt es bereits", wirbt Aba.

An ihre Bitcoins kommen die beiden auf unterschiedliche ­Weisen heran. Eine Möglichkeit sind spezielle Automaten. „In Palma gibt es im Laden 3DSoma am Carrer Carlos I. einen, dort kann ich Bitcoins kaufen, aber nicht verkaufen", weiß Amores. Ein weiterer steht im Carrer Nuredduna, 10 (3Phase Bitcoin Solutions) nahe dem Kaufhaus El Corte Inglés, ein Spezialautomat in Alcúdia wurde unlängst stillgelegt.

„Eine zweite Möglichkeit, an Bitcoins zu kommen, ist, diese Währung für Dienstleistungen zu akzeptieren", so Amores. Zudem sei es Usus, dass Coiner anderen Coinern Bitcoins im Tausch gegen herkömmliche Währungen zur Verfügung stellen. Und es gibt spezielle Websites wie bitcoin.de, wo man kaufen und verkaufen kann.

Da man sein eigener Banker ist, muss man auch dafür Sorge tragen, den einmalig vom System vergebenen Zugangscode zu den Transaktionen sicher aufzubewahren. Man schreibt den Code auf ein Papier oder speichert ihn in einem USB-Stick. Dumm nur: „Geht er verloren, ist auch das gesamte Vermögen futsch", sagt Insel-Coiner Rafael Amores.

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